Dennis Riehle

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Mein Motto: Ich denke quer, bin deshalb aber noch lange kein Querdenker!


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an dieser Stelle haben Sie die Möglichkeit, in meinem Blog von mir verfasste Texte zu lesen. Darunter finden sich Pressemitteilungen, Leserbriefe und Standpunkte zu Themen der Zeit, kritische Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen sowie soziale und politische Meinungsbeiträge, die nicht den Anspruch erheben, in jedem Fall dem "Mainstream" zu entsprechen. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie manche Beiträge nachdenklich machen oder gar Ihre eigene Gegendarstellung provozieren. Gerne können Sie mir deshalb auch Ihr Feedback unter Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de zukommen lassen. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!


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28.12.2021

Warnt nicht, zaudert nicht – denn es gibt Grund zur Freude

Gedanken zum Weihnachtsfest 2021

Schon das zweite Jahr in Folge befinden wir uns in einer besonderen Situation. Noch immer sind wir der Corona-Pandemie ausgeliefert – und müssen auch diesmal das Christfest unter Einschränkungen feiern. Wenn wir auf die vergangenen Monate zurückblicken, dann keimten die ersten Perspektiven auf. Durch Impfungen und das bessere Wetter schien sich die Lage zu entschleunigen. Und doch kommen wir nicht zur Ruhe. Seit Wochen gehen die Kurven wieder nach oben, die Zahl der Betroffenen steigt. Wir müssen weiterhin wachsam sein und dürfen nicht nachlassen in unseren Bemühungen, „Covid-19“ entsprechend Einhalt zu gebieten.

Gleichsam war es im zu Ende gehenden 2021 auch die Zeit der Warnenden. Ob nun vor der nächsten Welle des Virus, den Folgen des Klimawandels oder einer möglichen politischen Instabilität und des wirtschaftlichen Abschwungs – selten habe ich so oft von Mahnungen zur beständigen Vorsicht gelesen, die uns über die Medien und im Alltag erreicht haben. Wie gut ist es da, dass wir nun endlich wieder einmal diese Worte hören: „Fürchtet euch nicht!“ (Lukas 2,10 – Lutherbibel 1912). Diese himmlischen Chöre und ihre Verheißung tun not in solchen Tagen! Immerhin sind wird gebeutelt und gezeichnet von Entbehrung und Bekümmerung.

Nein, es geht überhaupt nicht darum, leichtsinnig oder naiv in das neue Jahr zu gehen. Stattdessen ermutigen und erinnern uns die Worte des Engels an ein gewisses Urvertrauen des Menschen, welches wir durch immer häufigere Reflexe und Panik zu vergessen drohen. Ganz unabhängig davon, ob wir an einen Gott glauben: Wir benötigen einen grundlegenden Halt und ein Fundament, das erdet und in schwierigen Augenblicken nicht verzweifeln lässt. Orientierung gab vor über 2000 Jahren der „Stern von Bethlehem“. Und heute? Ist es die Inzidenz oder das 1,5-Grad-Ziel, das uns leitet und im politischen wie privaten Handeln lenkt?

Ähnlich, wie uns der Evangelist von der Engelskunde berichtet, so hat auch der Liederdichter Fritz Baltruweit 1981 an jeden von uns den Ausruf gerichtet: „Fürchte dich nicht“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 643.1, Ausgabe Baden, Karlsruhe: Evangelischer Presseverband für Baden e.V., 1. Auflage, 1995) – und er stellt unverhohlen fest: „Gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du“. Das klingt zunächst wenig erbaulich, aber trotzdem ist es wahr: Mit unseren Sorgen und Nöten müssen wir einfach zurechtkommen. Es ist die Bestimmung unserer vernunftgeleiteten Spezies, das Dasein auch in Momenten der Furcht zu durchstehen.

Jeder von uns trägt sein eigenes Kreuz mit sich. Und oftmals habe ich in diesem Jahr in meiner ehrenamtlichen Arbeit in der Selbsthilfe und bei sozialen Vereinen gehört, wie Einsamkeit und Isolation zu einer wahren Seuche geworden sind. Sie belasten uns psychisch – und es ist dringend vonnöten, dass wir im Frühjahr endlich wieder zu neuer Gesellschaftlichkeit und menschlicher Nähe zurückkehren. Denn sie sind es, die uns letztlich Kraft und Energie spenden – und uns vor emotionaler Verarmung bewahren. Nicht selten haben mir Menschen im Gespräch gesagt, wie sehr ihnen die zweifellos nötigen Beschränkungen eine Pein sind.

Am Himmel über dem Heiligen Land verkündigte damals die Engelsstimme „große Freude“, Lukas erzählt an oben genannter Stelle davon. Maria und Josef hatten einen ebenso beschwerlichen Weg zurückzulegen und waren ausgemergelt von der langen Reise und der frustranen Suche nach einer Herberge. Für sie war es nur wichtig, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen – und es anschließend in Windeln gewickelt in die Krippe zu legen. Gleichsam tat sich Unsicherheit bei ihnen auf, denn die Nachricht, dass die Mutter den Heiland geboren habe, machte nicht nur die sie selbst nahezu sprachlos – fast die ganze Welt stand vor dem Umbruch.

Eine „Stille Nacht“ lag über dem Stall, letztendlich war die drängende Frage, wie es weitergeht – 2021 ist es nicht anders. So viele Variablen, so zahlreiche Modelle, wie unser Kontinent in die nächsten Jahrzehnte kommt. Doch was bringt uns Ruhe in unsere aufgewühlten Seelen? Baltruweit lässt uns nicht mit der Angst zurück. Er formuliert in der zweiten Strophe seines bereits erwähnten Liedes: „Getragen von seinem Wort, von ihm lebst du“. Es ist also beispielsweise dieses Wort des Engels. Aber nicht nur seines. Viel eher ist es auch der alltägliche Zuruf unserer Mitmenschen, von dem wir zehren und profitieren können.

Jeder von uns hat in diesem Jahr vermutlich größere Hürden nehmen und sich an verschiedenen Stellen kasteien müssen. Andere wiederum mussten wahrhaftig Leid ertragen. Ob bei der Unwetterkatstrophe, am Intensivbett des infizierten Angehörigen oder durch eigene Verwundung, Schicksale und Verlust. Auch nach meinem heftigen Krankheitsschub im Sommer habe ich mich danach gesehnt, eine frohe Botschaft zu hören, die von Frieden und Gnade handelt. Weihnachten bietet die Gelegenheit, nach vorne zu schauen, einen Neubeginn zu wagen und noch einmal durchzustarten. Mitten im Winter beginnt neues Grün zu sprießen.

Nachdem wir in Besinnung auf die metaphorisch und symbolträchtig anmutende Geschichte der Jesu-Geburt gelauscht haben, dürfen wir uns der eigenen und persönlichen Quellen rückversichern und uns bewusstwerden, dass sie in der Lage sind, uns durch tiefe Täler zu begleiten und uns in Richtung Vitalität, Aufbruch und Geborgenheit zu tragen. Schöpfen wir Mut und Zuversicht, dass nicht die Furcht oder die Warnungen siegen werden. Stattdessen ist es die Hoffnung auf Freudseligkeit und die Versöhnung mit unseren eigenen und den Schmerzen der Anderen, die befreiend wirkt. Loslösung vom Vergangen lässt uns wachsen.

Mit unserer Angst müssen wir uns zwar abfinden, aber sie bleibt nicht singulär in unserem Alltag und Leben stehen. Baltruweit sprach vom „Wort“. Es steht sinnbildlich für alles, was uns durch unsere Mitgeschöpfe an Gutem zuteilwird. Wie dankbar war ich über jedes Mitfühlen, Ablenken und Rückendecken. Wir sind als Menschen zum Kommunizieren und Interagieren befähigt und können auf verschiedenen Wegen miteinander in Verbindung treten. Ob in Form von Sprache oder sensiblen Gesten, durch Zuwendung oder gar Liebe. Das ist das Geschenk, welches uns zugutekommt – und dessen wir uns nicht nur zum Christfest klar werden sollten.

Als soziale Geschöpfe können wir Krisen durchwinden, weil wir einander haben und Solidarität zeigen können. Wie deutlich wurde das doch in den Hochwassergebieten in diesem Jahr! Schlussendlich wird nicht der Fall zu Boden das Letzte sein, sondern das Aufstehen nach oben. Weil wir uns als Sozietät haben, muss uns nicht mulmig sein. Den Schrecken der Dunkelheit überwinden wir mit der Macht der Engelszungen. Freude soll mit uns sein, weil jeder Tag uns die Chance zum Neuen schenkt. Lassen wir uns beeindrucken von den Worten und Werken, welche uns von unseren Nächsten beschert werden – nicht nur unter dem Weihnachtsbaum…

Dennis Riehle

Dennis Riehle - 05:06:57 @ Glaube