Dennis Riehle

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Mein Motto: Ich denke quer, bin deshalb aber noch lange kein Querdenker!


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an dieser Stelle haben Sie die Möglichkeit, in meinem Blog von mir verfasste Texte zu lesen. Darunter finden sich Pressemitteilungen, Leserbriefe und Standpunkte zu Themen der Zeit, kritische Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen sowie soziale und politische Meinungsbeiträge, die nicht den Anspruch erheben, in jedem Fall dem "Mainstream" zu entsprechen. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie manche Beiträge nachdenklich machen oder gar Ihre eigene Gegendarstellung provozieren. Gerne können Sie mir deshalb auch Ihr Feedback unter Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de zukommen lassen. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!


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16.12.2021

Weil ich mir der Vergangenheit gewahr bin, bleibe ich der Bundeswehr skeptisch gegenüber!

Leserbrief
zur Rede von Bundespräsident Steinmeier anlässlich des Volkstrauertages im Bundestag

Ich bin nicht zum ersten Mal zumindest über Teile von Reden des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier irritiert. Auch bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertrag sprach er im Bundestag und fand mahnende und bewegende Worte gleichermaßen. Er hat recht, dass unser Gedächtnis mit der Brutalität deutscher Verbrechen in der Historie überfordert ist. Daher ist es richtig, dass wir die abstrakte Barbarei in unseren Köpfen mit Beispielen konkreter Taten der deutschen Wehrmacht unterfüttern, um überhaupt in die Lage versetzt zu sein, über die vielen Einzelschicksale der Menschen, die auf allen Seiten des Weltkrieges zu Tode gekommen sind, trauern zu können. 

Ich gehe mit Steinmeier aber keineswegs in der Frage konform, weshalb große Teile der deutschen Bevölkerung bis heute ein ambivalentes Verständnis gegenüber unserer Bundeswehr haben. Nicht, weil ich die grausame Vergangenheit verdränge, sondern weil ich ihr gewahr bin, stehe ich der deutschen Truppe mit großer Skepsis gegenüber. Die Distanz vieler Bürger zu unserer Armee speist sich nicht aus der Scham, nichts mehr mit dem Militarismus des letzten Jahrhunderts zu tun haben zu wollen – wie es der Bundespräsident in seiner Ansprache meinte. 

Ganz im Gegenteil: Die Bilder und die Tatsachen, die uns von Zeugen aus den großen Schlachten überliefert werden, sind der alleinige Grund dafür, dass viele Deutsche mit der Bundeswehr hadern. Denn ihnen ist das Martyrium Warnung genug, sie setzen sich für einen stringenten Pazifismus ein. Und wenn man Steinmeiers Worte weiter dekliniert, dann scheint aus seiner Sicht Frieden oftmals nur mit militärischen Mitteln durchzusetzen zu sein. Diese Haltung vertrete ich explizit nicht und bedauere sie besonders aus dem Munde eines Außenpolitikers, von dem ich eigentlich erwarte, dass er sich vehement und uneingeschränkt für diplomatische und waffenlose Konfliktlösungen in der Welt einbringt. Dass in manch einem Krisengebiet militärisch interveniert werden muss, um überhaupt eine Grundlage für Friedensgespräche zu schaffen, gehört zur pragmatischen Wirklichkeit ebenso dazu, wie die Wahrheit, dass wir wohl auch künftig mit UN-Missionen den Frieden in fernen Ländern schützen müssen. 

Doch der Grundtenor vieler Deutscher ist klar: Sie entfernen sich von der Bundeswehr als Verteidigungsarmee, weil sie ein Zeichen für eine gewaltlosere Welt setzen möchten. Dabei schieben wir eben gerade nicht das zur Seite, was in den Kriegen durch unsere Soldaten verbrochen wurde. Viel eher argumentiere ich aufgrund dieser Bilder und Eindrücke, dass es ein neues Verständnis unserer Bundeswehr bedarf. Der einzelne Soldat als Mensch von heute ist nicht derjenige, der für die todbringenden Jahrzehnte verantwortlich gemacht werden kann. Doch eine Armee als Institution steht solange in einer unmittelbaren Nachfolge zu dem Heer, das von Hitler zum Morden in die Welt geschickt wurde, wie sie den Kurs von Kriegstreiberei in den heutigen Konfliktregionen zumindest durch mittelbares Eingreifen unterstützt. 

Deshalb würde die Bundeswehr nur dann zu einer von weiteren Teilen der deutsche Bevölkerung wertgeschätzten und angenommenen Truppe werden, wenn sie sich zunehmend auf Katastrophenhilfe im Inland und ausschließlich unter UN-Mission stehende Friedenseinsätze beschränkte. Unsere Armee muss diplomatische Beiträge zur Konfliktentschärfung leisten und sollte als Friedensbotschafter ohne Waffengewalt in die Kontinente geschickt werden. Das mag wie Utopie klingen, ist letztlich aber der Wunsch vieler Deutscher, die Vergangenheit nicht verdrängen, sondern nie wieder Krieg erleben wollen.

Dennis Riehle - 08:59:39 @ Gesellschaft

Respekt vor den Soldaten, Kritik an der Armee

Leserbrief
zu: „Bundeswehr-Aussagen der Linken sorgen für Empörung“, „HL-LIVE“ vom 04.11.2021

Nein, nicht die Aussagen der LINKEN in der Lübecker Bürgerschaft befremden. Viel eher sind es die Vorwürfe der Christdemokraten gegen die pazifistische Haltung der Linksfraktion. Es ist gar empörend, wenn sich die CDU anzumaßen versucht, Geschlossenheit und Respekt vor dem eigenen Land mit der Unterstützung der Bundeswehr zu verknüpfen. Niemand „entfernt“ sich von unserem Staat, wenn er die Armee und die zunehmende Militarisierung auch der Bundesrepublik in berechtigte Frage stellt. 

Im Gegensatz zu anderen Parteien verfolgt DIE LINKE eine konsequenten Skepsis und Ablehnung gegenüber gewaltsamer Konfliktlösung in den Ländern der Welt – und hat sich damit als echte Friedenskraft etabliert. Insbesondere unter dem Aspekt der deutschen Geschichte scheint es dringender denn je geboten, unser Land zur Neutralität hinzuführen und zum diplomatischen Moderator von internationalen Auseinandersetzungen fortzuentwickeln.  Langfristiges Ziel muss es sein, die Truppe zu einem vorrangigen Unterstützer in der Katastrophenhilfe umzustrukturieren. 

Denn es ist das oberste Ziel unserer Gesellschaft und unseres Parlaments, den Dialog zu fördern und Kriege abzuwenden. Selbiges kann aber nur gelingen, wenn wir die Bundeswehr aus einem gewissen Abstand betrachten und ihren derzeitigen Status auf den Prüfstand stellen. Das hat – im Gegensatz zur Meinung der CDU in Lübeck – nichts mit Misstrauen gegenüber den Soldaten zu tun. Sie leisten ihren Dienst in den allermeisten Fällen in größter Verantwortung und Sorgsamkeit – und können daher nicht Ziel antimilitärischer Kritik sein. Pazifismus und seine ablehnende Haltung gegenüber jeder Form von Waffengewalt ist vom Grunde her auf die Institution der Armee gerichtet, nachdem davon ausgegangen werden kann, dass sie auch im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa vornehmlich nicht der Landesverteidigung dienen muss, sondern als Kampftruppe in den Krisenherden rund um den Globus zum Einsatz kommt. 

Zweifelsohne bleibt in manchen Fällen lediglich die Intervention durch Armeen als letzter Ausweg, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Dennoch muss uns die Vision eines friedlichen Zusammenlebens leiten, wozu eben auch die klare Aussendung gehört, weltweit abrüsten zu wollen. Wenn es niemanden gibt, der dieses Ziel ernsthaft und sichtbar verfolgt, bleibt es eine Utopie. Daher ist es Auftrag einer linken Stimme in Deutschland, die Zweifel an militärischem Handeln und kriegerischen Außeneinsätzen aufrechtzuerhalten. Die Wertschätzung gegenüber des Soldaten als Menschen mit seinem Entschluss, für die Bundesrepublik einzutreten, schmälert dies in keinem Fall. Im Gegenteil: Pazifisten sorgen sich um die Sicherheit und das Wohl von Bundeswehrangehörigen. Deshalb sind die Vorwürfe der Lübecker Christdemokraten gegen DIE LINKEN als verleumderisch und böswillig zurückzuweisen.

Dennis Riehle - 08:57:12 @ Gesellschaft