Dennis Riehle

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Mein Motto: Ich denke quer, bin deshalb aber noch lange kein Querdenker!


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an dieser Stelle haben Sie die Möglichkeit, in meinem Blog von mir verfasste Texte zu lesen. Darunter finden sich Pressemitteilungen, Leserbriefe und Standpunkte zu Themen der Zeit, kritische Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen sowie soziale und politische Meinungsbeiträge, die nicht den Anspruch erheben, in jedem Fall dem "Mainstream" zu entsprechen. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie manche Beiträge nachdenklich machen oder gar Ihre eigene Gegendarstellung provozieren. Gerne können Sie mir deshalb auch Ihr Feedback unter Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de zukommen lassen. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!


Ihr Dennis Riehle


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Dennis Riehle

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16.12.2021

Diktatur-Vergleiche hinken (fast) immer…

Leserbrief
zu: „Die Impfpflicht ist eine verfassungswidrige Anmaßung des Staates“, „WELT“ vom 02.12.2021

Der frühere SPD-Bundesminister Schily lässt mit einer Äußerung aufhorchen: Nicht einmal im autoritären China gibt es eine allgemeine Impfpflicht, sagt er – und bezeichnet die angedachte Regelung für Deutschland als „unverantwortlich“ und „anmaßend“. Auch ich habe mich als Betroffener einer anhaltenden Impfkomplikation lange Zeit skeptisch gezeigt, ob solch ein Schritt in der Bundesrepublik verfassungsgemäß und gleichsam sinnvoll wäre. Nicht nur die Endlosschleife des Corona-Virus und die dramatischen Ausmaße der vierten Welle haben mich jedoch umdenken lassen: 

Was zunächst wie ein staatlich verordneter Druck aussehen mag, ist letztlich der einzige Weg, damit wir gemeinsam wieder unabhängiger leben können. Freiheit gibt es nicht ohne Solidarität, weshalb eine verpflichtende Impfung aus meiner heutigen Sicht unabdingbar ist, um die Pandemie irgendwann einmal hinter uns lassen zu können. Niemand wird bei der Impfpflicht in die Arztpraxis gezerrt werden. Allerdings wäre das Gebot zur Immunisierung bei Nichtbeachtung wohl mit einem Bußgeld verbunden. Jedoch verstehe ich solch eine Konsequenz nicht als Ausdruck eines Zwangs, sondern als klares Signal an unsere Gesellschaft zum Zusammenhalt. 

Natürlich kann man Gesundheit nicht verordnen. Trotzdem wäre eine Impfpflicht eine Mahnung für alle jene, die bis heute den Ernst der Lage nicht verstanden haben: Es geht in der Frage um einen Schutz vor dem Virus nicht nur um unsere eigene Unversehrtheit, sondern auch um die Verantwortung gegenüber Anderen und insbesondere dem Personal im medizinischen und pflegerischen Gesundheitswesen. Wir leben in einem Sozialstaat, in dem es das Grundgesetz nach meiner Auffassung nicht nur zulässt, sondern gar gebietet, dass der Einzelne in der Abwägung seine Souveränität dem Gemeinwohl und dem Leben von Vielen unterordnet. 

Ich bin aber auch dafür, dass die allgemeine Impfpflicht Ausnahmen kennen muss: Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen und Immundefiziten müssen das Recht besitzen, nach eingehender Aufklärung und Beratung durch entsprechende Fachärzte die Immunisierung zu verweigern. Denn im Gegensatz zum Robert-Koch-Institut gehe ich davon aus, dass ein deutlich größerer Personenkreis zu dem Klientel gehört, für das das Risiko einer schwerwiegenden Impfnebenwirkung nicht im Verhältnis zum Nutzen der Impfung steht. Insofern wünsche ich mir von der Politik zwar ein entschlossenes, aber durchaus differenziertes Vorgehen – und keine demokratischen Vergleiche mit Diktaturen.

Dennis Riehle - 09:30:28 @ Gesellschaft

Wahrhaftigkeit oder Spiel?

Leserbrief
zu: „Verzicht auf bewaffnete Drohnen erhöht ‚Risiko der Truppe‘“, „FAZ“ vom 02.11.2021

Es hätte mich sehr gewundert, wenn der Befehlshaber für die Auslandseinsätze nicht irgendwann mit der Aussage auf sich aufmerksam gemacht hätte, wonach er für die Truppe bewaffnete Drohnen fordert. Deshalb ist seine aktuelle Einlassung wenig verwunderlich, aus pazifistischer Sicht aber gleichsam inakzeptabel. Wenngleich die Argumente mittlerweile ausgetauscht sein dürften, bleibt die ethische Frage gestellt. In Zeiten von nicht-analogen Konflikten muss sich die Menschheit ohnehin mit ganz grundsätzlichen Aspekten befassen: Sollen, können und dürfen wir alles, was möglich ist, auch tatsächlich umsetzen? 

Wann ist die Gefahr zu hoch, dass uns die menschenerschaffene Technik und Digitalisierung selbst übermannt? Und welche Grenzen des Transhumanismus dürfen wir allein aus moralischen Gründen nicht überschreiten, um uns vor den Folgen unseres eigenen Handelns zu bewahren? Würde diplomatische Völkerverständigung gelingen und die Vernunft des Menschen funktionieren, bräuchten wir uns um Kampfdrohnen keinerlei Gedanken machen. Doch allein das Beispiel der Atomkraft zeigt, dass Ideologien und Machtbestrebungen jeglichen Verstand außer Kraft setzen und zunächst für friedliche Verwendung gedachte Mittel zweckentfremdet werden. 

So ist es auch im aktuellen Beispiel: Diese fliegenden Objekte können für die Zivilisation eine wichtige Erleichterung bringen. Doch je weiter sich der Mensch von seiner Naturbeschaffenheit entfernt und zwischen den Urzustand und sich selbst immer weitere Mechanik setzt, umso mehr verliert er das Gespür für die Auswirkungen seines Agierens. Wer aus weiter Entfernung Drohnen lenken und mit einem einzelnen Knopfdruck Tod bringen kann, dürfte im Zweifel schon allein deshalb zum Waffengebrauch bereit sein, weil er vor dem Bildschirm jegliche Empfindung für die Realität verliert. 

Das machen Verhaltensbeobachtungen gerade bei jungen Personen, die unter exzessivem und nahezu suchtartigem Gaming leiden, überaus deutlich. Wir kommen dann nicht umhin, uns in eine Scheinwelt zu begeben und den Kontakt zur Wirklichkeit zu verlassen. Damit entfällt auch jegliches Gefühl der Sittlichkeit und der Respekt vor dem tatsächlichen Leben. Es wird auch dem erfahrenen Militär nicht gelingen, den nötigen Abstand zu wahren und die gebotene Zurückhaltung zu üben. Dafür würde es dem in der Einsatzzentrale sitzenden Bundeswehrangehörigen mithilfe der Idealisierung des Hybriden zu leicht gemacht, bei Bedarf den Gegner per Mausblick zu eliminieren. 

Unabhängig vom Faktum, dass gerade in einer flexibilisierten Zukunft der Dialog gegenüber einem vorschnellen Kriegseinsatz ohnehin an Bedeutung gewinnen muss und Gewalt als Mittel zur Lösung von Krisen geächtet werden sollte, wird die Wertegemeinschaft nicht umhinkommen, sich auf ihre Verantwortung zu besinnen und unser Dasein nicht zu einem Spiel verkommen zu lassen.

Dennis Riehle - 09:22:18 @ Gesellschaft

Kaputte Menschen helfen niemandem…

Leserbrief
zu: „Berufungsverfahren im Fall Assange: Das letzte bisschen Hoffnung“, „taz“ vom 30.10.2021

Ob es unerträgliche Bilder der Missstände aus französischen Gefängnissen sind, der brutale Drill in Vollzugseinrichtungen der USA oder die aktuell wiederum sichtbar gewordenen Auswirkungen der Inhaftierung von Assange: Wir müssen zur Erkenntnis gelangen, dass der Strafvollzug in seiner bisherigen Form menschenrechtlich im 21. Jahrhundert nicht mehr zu rechtfertigen ist. Zahlreiche Erfahrungen haben belegt, dass der Resozialisierungsgedanke mit dem Einsperren in Zellen nicht zu erreichen ist. Im Gegenteil: „Schwedische Gardinen“ bringen Gewalt und Zwietracht, Radikalisierung und Ausgrenzung sowie psychische und körperliche Verkümmerung mit sich. 

In den seltensten Fällen wird das Ziel erlangt, das sich manch ein Justizpolitiker bis heute ausmalt: Geläuterte Verbrecher, die in der Haft auf den rechten Weg zurückgekehrt sind. Gefängnisse befördern kriminelle Energie, weil sie Bandenmäßigkeit unterstützen und zu andauerndem Selbstschutz nötigen. Jahrelanges Leben in einem abgeschotteten Raum, in dem sich im Zweifel gegenseitige Reibereien zwischen den Insassen zu einer ungünstigen Solidargemeinschaft entwickeln, läuft jedweder anthropogenen Bestimmung entgegen und erzeugt deshalb zwangsweise eine Verhaltensänderung im negativen Sinn. 

Andauernde Oktroyierung lassen Menschen emotional verrohen und begünstigen ein weiteres Abrutschen in die Straffälligkeit. Und auch dem Ansinnen der Reue, Buße oder Sühne wird kein Gefallen getan, weil eine erzwungene Einsicht weder glaubwürdig, noch beständig ist. Das Rufen nach „Auge um Auge“ mag aus Sicht von Opfern verständlich sein, es führt aber keineswegs zu (Rechts-)Frieden. Immerhin kann Vergebung nur dann geschehen, wenn ein Ausgleich zwischen Täter und Geschädigtem gelingt. Mit einem Einkerkern mag ein Straffälliger zwar aus dem Sinn sein; seine Rückführung in die Gesellschaft wird aber mit größter Wahrscheinlichkeit misslingen. 

Niemandem ist geholfen, wenn Täter zu kaputten Menschen werden. Deshalb ist es angezeigt, dass sich die Zivilisation mit der Frage beschäftigt, wie Gerechtigkeit aussehen kann – ohne die Haft in ihrem bisherigen Verständnis. Nein, das ist kein Plädoyer für Straflosigkeit, sondern eine andere Form der Ahndung. Konzepte und Vorschläge gibt es reichlich – wie die Auferlegung von sozialer Arbeit bei leichteren Delikten, den Einsatz von Fußfesseln oder den Hausarrest. Daneben sollte zwingend darauf hingearbeitet werden, die psychologische Unterstützung von Straffälligen auszuweiten, Prävention zu verstärken und den Dialog zwischen Schädigendem und Geschädigtem zu forcieren. Das mögen zwar in vielerlei Hinsicht noch utopische Ideale sein. Wenn wir dem Anspruch an eine humanitäre Bestrafung aber mit Ernsthaftigkeit vorantreiben wollen, dürfen wir nicht auf die Parolen am Stammtisch lauschen, der von der Realität in Gefängnissen keine Ahnung hat. Versöhnung muss die Errungenschaft des modernen Rechtswesens werden.

Dennis Riehle - 09:20:45 @ Gesellschaft

Im Zweifel: Enteignungen

Leserbrief
zu: „Keine Industriebetriebe: Ärzte für neue Klinikfinanzierung“, „FAZ“ vom 01.11.2021

Die Corona-Pandemie hat auf dramatische Weise deutlich gemacht, wie sehr wir unser Gesundheitssystem kaputtgespart haben. Auch wenn es weiterhin eines der besten in der Welt ist, zeigen der Überlebenskampf vieler Kliniken, der verkümmerte Pflegeschlüssel in der stationären Versorgung oder das völlig realitätsfremde Pauschalisierungssystem in der Vergütung den politischen Irrsinn der letzten Jahre und Jahrzehnte auf. 

Dass die Krankenhauslandschaft zugunsten von immer weiter spezialisierten Fachzentren ausgedünnt wird, ist ebenso wenig zielführend wie die Annahme, dass ein Klinikum „rentabel“ sein muss. Der seit langem andauernde Trend, Gesundheit kommerzialisieren zu wollen, ist eine beängstigende Entwicklung angesichts der knappen Intensivbetten in der Covid-19-Krise und dem wachsenden „Drehtür-Effekt“: Wenn Patienten aus Kostengründen frühzeitig entlassen werden und am nächsten Tag wegen neuer Beschwerden aber neu vorstellig sein müssen, wirft dieses für den Betroffenen stressreiche und durchaus gefährliche Prozedere mehr Gewinn ab, als wenn er sich lange genug auf Station kurieren würde. 

Dieser Perversion zeigt deutlich auf: Das Gesundheitswesen muss endlich wieder in die öffentliche Hand zurück. Es ist die grundgesetzlich geschützte Aufgabe des Staates, Daseinsvorsorge zu leisten und den Bürger vor Krankheit zu bewahren. Aus diesem Verfassungswort leitet sich die unmittelbare Notwendigkeit ab, jegliches Profitstreben in der stationären Behandlung zu beenden und im Zweifel durch enteignende Maßnahmen zu gewährleisten, dass Einrichtungen des Gesundheitssystems zurück in die hoheitliche Verantwortung der Länder übertragen werden. 

Perspektivisch muss gesichert bleiben, dass jeder Bürger in Deutschland innerhalb von 15 Minuten in einem Krankenhaus sein kann – und in maximal 30 Kilometer Entfernung zumindest eine Klinik der Zentralversorgung mit fachmedizinischen Abteilungen erreicht. Bundespolitisch braucht es darüber hinaus eine Abwendung von der Subventionierung der privatwirtschaftlichen Gesundheitsanbieter und ein Eintreten für die krankheits- und personenindividuelle Bezahlung der tatsächlichen Aufwände von stationären Einrichtungen. Daneben ist die Überarbeitung der Personalverteilung, die attraktivere Berufsgestaltung, eine gesteigerte Entlohnung für Pflegekräfte und der Ausbau der sektorenübergreifenden Versorgung angezeigt.

Dennis Riehle - 09:19:56 @ Gesellschaft

Todesstrafe: Billig, feige und naiv

Leserbrief
zu „Mörder stirbt nach 21 Minuten Todeskampf“, „BILD“ vom 29.10.2021

Viele Opfer von Gewalttaten haben oftmals nur eine einzige Forderung: Genugtuung. Dass sich hinter dieser zunächst verständlichen Emotion nicht selten der Wunsch nach Rache versteckt, machen nicht nur Parolen an Stammtischen deutlich. Populistische und polemische Rufe nach Gerechtigkeit im biblischen Sinn: „Auge um Auge“ – solch ein Verständnis von Bestrafung ist mit einem aufgeklärten Rechtssystem nicht mehr vereinbar. 

Wenngleich es jeder menschlich nachvollziehen mag, dass Geschädigte ihren Peinigern nicht selten den Tod an den Hals wünschen mögen, bleibt das bestialische und grausame Verurteilen zum Ableben durch Giftspritze, Erschießung oder den Henker ein Relikt des Mittelalters, als die Sozialisation des Menschen noch nicht derart fortgeschritten war, dass Reue, Sühne und Buße in den Wortschatz der Gesellschaft Eingang gefunden hatten. Man entledigte sich derjenigen, die schlimmste Taten begangen hatten – sparte damit Geld und Personal. Letztendlich schien man auch weite Teile der Bürger dabei hinter sich zu haben, denn von einer unantastbaren Würde, die jedem Menschen zuteilwird, wusste man damals noch nichts. 

Und auch heute haben viele Länder dieser Erde weiterhin nicht begriffen und verinnerlicht, dass es einem demokratischen Justizwesen wohl keinesfalls gut zu Gesicht steht, wenn sich der Staat nicht nur moralisch auf die Ebene von Tätern stellt. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ – so vermag mancher Politiker extremistischer Parteien denken, die nichts davon halten, eine zweite Chance zu geben und wiedereingliedern zu wollen. Da sind Straftäter stigmatisiert und gebrandmarkt, werden weggesperrt und liegen dem Steuerzahler allzeit auf der Tasche. Zweifelsohne mag man sich fragen, ob der Tod einem solchen Dahinvegetieren nicht sogar vorzuziehen wäre. Dennoch rechtfertigt im 21. Jahrhundert nichts länger die Todesstrafe, weil sie letztlich ein Ausdruck von Dummheit und Einfältigkeit ist. Denn es mag leicht sein, aus einem Miteinander jene zu sieben, die aus Sicht der Proleten und aus der Engstirnigkeit von Hetzern heraus nichts anderes verdient haben, als für ihre Taten mit dem Ende des irdischen Daseins bezahlen zu müssen.

Machtausübung und Härte – der Staat soll zeigen, dass auch er in der Lage ist, über Menschenleben bestimmen zu können. Allerdings ist genau das nicht seine Aufgabe. Denn er ist als rechtsstaatliche Institution und Behüterin der Verfassung schon deshalb nicht dazu ermächtigt, seinen Bürgern nach der Existenz zu trachten, weil er als letzte Instanz für diese Vergeltung nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. Außerdem besitzt er aus ethischer Perspektive die Verpflichtung dazu, friedenstiftend zu wirken und dabei allseits bewahrend vorzugehen. Denn wir wissen darum, dass die Todesstrafe höchstens kurz befriedigt, ehe die Skrupel aufkommen, ein weiteres Leben unnützerweise genommen zu haben. Schließlich zerstört sie nur ein zusätzliches Dasein, die Abgeltung verschwindet nach wenigen Augenblicken wieder – weil nun keine Chance mehr besteht, ein Verbrechen unter Nutzung aller Synergien dialogisch aufzuarbeiten. 

Die Todesstrafe verhindert jegliche Buße und verabsolutiert den Staat zum Souverän. Diese Umdrehung des demokratischen Verständnisses der Gegenwart befähigt weltliche zur unirdischen Gerichtsbarkeit. Das ist eine Anmaßung und lässt jede Zivilisation tief sinken, weil sie somit ihren humanistisch erworbenen Normen selbst nicht mehr standhalten kann. Mit dem Sterben eines Sträflings wird kein Opfer je wieder lebendig. Allein als Gegenschlag Verurteilte zu opfern, ist sinnfrei und erfolglos. Denn ein denkbares Ziel, das unter der Schrecklichkeit einer Tat allenfalls noch zur Lösung angestrebt werden kann, ist Versöhnung. Sie hätte einen Mehrwert und könnte Ruhe zurückbringen. Die Todesstrafe dagegen hinterlässt unnötige Wunden, Fragen, Endlosigkeit und Schuld.

Dennis Riehle - 09:15:34 @ Gesellschaft

Eine Notlage ist kein Normalzustand!

Leserbrief
zu: „Grüne: Corona-Notlage nicht einfach auslaufen lassen“, „Berliner Zeitung“ vom 25.10.2021

Unbestritten: Die 7-Tage-Inzidenz steigt derzeit stetig an. Kaum verwunderlich, dass der Mahner und Warner der Nation, SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach, dies zum Anlass nimmt, um den Vorstoß von Minister Spahn als „zur Unzeit“ kommend ansieht, die epidemische Notlage alsbald auslaufen zu lassen. Hatten wir uns aber nicht eigentlich von diesem Messwert längst verabschiedet, der lediglich angibt, wie viele Menschen unter 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen an Corona erkrankt sind? Sollte nicht schon längst die Hospitalisierungsrate das Maß aller Dinge sein?

Denn in Zeiten einer breitflächigen Impfung der Erwachsenen sagt die Inzidenz nur noch sehr wenig aus, vor allem qualitativ bietet sie keinerlei Antworten. Und überdies: Es ist völlig klar, dass wir in einigen Regionen wiederum eine prekäre Lage haben. Rechtfertigt dies aber einen Ausnahmesituation „von nationaler Tragweite“? 

Mir scheint eher, als wollte manch Politiker vehement vermeiden, dass die deutsche Bevölkerung langsam in einen Normalzustand zurückkehrt. Nein, die Einschränkung von Freiheitsrechten kann man nicht nach Belieben immer weiter verlängern. Sie bedarf zu Recht einer regelmäßigen Überprüfung und des Eingeständnisses, dass eine zunehmende Krankenzahl nicht mit einer Überlastung unseres Gesundheitswesens gleichzusetzen ist. Niemand darf Gefallen daran finden, Verfassungsgrundsätze dauerhaft zu beschneiden. Viele Verläufe einer Covid-19-Infektion verlaufen mittlerweile sehr mild. 

Der Zustand ist keinesfalls mit 2020 vergleichbar, weil wir heute davon ausgehen können, dass bei weit über 60 Prozent Geimpften unter der erwachsenen Bevölkerung eine Immunisierung vor schweren Erkrankungen schützt. Die nahezu reflexartigen Rufe nach Beibehaltung der Einschnitte in unsere Grundrechte haben nichts mehr mit Sorge zu tun, sondern gleichen eher einer Panik, der mittlerweile jeglicher Nährboden entzogen wurde. 

Ich befürchte, dass die Bürger durch die weiterhin bestehende Fixierung auf die Inzidenz verblendet werden sollen. Zur Wahrheit gehört die nämlich Tatsache, dass andere Maßstäbe längst keine flächendeckenden Krisengesetze mehr rechtfertigen. Letztlich wäre es verantwortungsvoll, wenn Fachleute wie Politiker glaubwürdig argumentieren würden, dass die jetzige Bewertung der Sachlage nur einen Schluss zulässt: Der Bundestag kann ernstlich nur die Beendigung der Notlage beschließen.

Dennis Riehle - 09:10:42 @ Gesellschaft

Verständliche Skepsis

Leserbrief
zu: „Bayern-Star lehnt Spritze ab“, BILD vom 25.10.2021

Zweifelsohne orientieren sich nicht nur junge Menschen auch heutzutage an Prominenten und deren Verhalten. Unter dieser Feststellung vermag es nachvollziehbar zu sein, dass sich manche Politiker und Funktionäre dafür einsetzen, wonach auch Fußballspieler gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich den Pieks gegen „Corona“ setzen lassen sollten. Eine Impfung bleibt aber ein massiver Eingriff in den Organismus – und sie sollte deshalb wohlüberlegt sein. Weder Bayerns Innenminister Herrmann, noch SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach oder der ehemalige FC-Bayern-Boss Rummenigge können und dürfen Kimmich in seiner höchstpersönlichen Entscheidung beeinflussen. 

Als Betroffener einer anhaltenden Impf-Komplikation nach der Immunisierung gegen „Covid-19“ unterstütze ich die Selbstbestimmung jedes Einzelnen in der Frage, ob man sich mit den bisher – verständlicherweise – auf Langzeitrisiken kaum untersuchten Vakzinen impfen lassen möchte. Es besteht in Deutschland glücklicherweise keine Pflicht dazu, deshalb bleibt es auch bei Personen, die im Rampenlicht stehen, ein absolut freiwilliger Entschluss. Es ist ohnehin verwerflich genug, mit welchen Maßnahmen bereits indirekt auf die ungeimpfte Bevölkerung Druck ausgeübt wird. Natürlich sollte sich jeder von uns seiner Solidarität gegenüber den Mitbürgern bewusst sein – und sich im eigenen, gleichsam aber auch im fremden Interesse schützen. 

Es hilft allerdings ebenso niemandem von uns, wenn auf absehbare Zeit immer mehr Menschen mit erheblichen Folgen der Immunisierung zu kämpfen haben. Schließlich ist nicht nur „Long-Covid“ ein Problem, sondern auch die fortdauernden Nebenwirkungen einer Injektion können zu manifesten Gesundheitsstörungen führen. Daher scheint für mich unbestritten, dass wir mehr Information über solche Langzeiteffekte der Impfung brauchen, um für Aufklärung und Transparenz zu sorgen. Denn nur dann kann Glaubwürdigkeit und Vertrauen geschaffen werden. Indem wir aber verschweigen, dass unerwünschte Wirkungen auch perspektivisch möglich sind, schaffen wir Unsicherheit – und werden deshalb auch Kimmich zu Recht nicht überzeugen können. Vorbildhaft ist eben nicht nur derjenige, der den politischen und gesellschaftlichen Impfaufforderungen folgt – sondern auch jeder, der sich unter einer verständlichen, ernsthaften Abwägung aus freiem Willen gegen seine Immunisierung ausspricht.

Dennis Riehle - 09:06:03 @ Gesellschaft

Verantwortungslos und verblendet

Leserbrief
zu „Gras ist nicht gefährlicher als Alkohol – oder etwa doch?“, SÜDKURIER vom 14.10.2021

Auch als links denkender Mensch habe ich keinerlei Verständnis für die aktuell neu aufgebrachte Diskussion über die Legalisierung von „weichen Drogen“. Die Mahnung jener, die in der Praxis mit den Opfern von Cannabis-Konsum zu tun haben, sollte uns wachrütteln und zu einem klaren Kurs ermutigen: Es ist eine Mär, wonach Suchtverhalten kontrolliert werden könnte. Denn es ist gerade die Unberechenbarkeit solcher Substanzen, die Menschen gefangen hält und sie immer weiter als Geisel nimmt, solange wir nicht stark genug sind, mit Hilfe und Entwöhnung zu entkommen. Dieser für den Körper und die Seele überaus anstrengende und Kräfte zehrende Prozess wäre nicht nötig, würden wir auch weiterhin die konsequente Botschaft ausgegeben, wonach die Einnahme von Drogen jeglicher Art verboten ist. 

Ein gesamtgesellschaftlicher Konsens, der sich aus der Überzeugung trägt, Menschen keinerlei Drogen auszusetzen, weil wir um ihre Gesundheit besorgt sind, müsste unser Miteinander des 21. Jahrhunderts leiten. Dass wir in Deutschland bereits Alkohol und Tabak freigegeben haben, muss uns eine Lehre sein. Denn auch die hoffähig gewordene Nutzung dieser beiden Mittel täuscht nicht darüber hinweg, welch massive Konsequenzen die langfristige Heranziehung von Hochprozentigem und Zigaretten mit sich bringt. Die Todeszahlen aufgrund von Lungenkrebs sind eklatant und stehen jenen der Leberzirrhose in kaum etwas nach. Wer Drogen verharmlost, zeigt Desinteresse an sich selbst – und an den Mitmenschen. 

Der Versuch, den Wunsch nach Unterdrückung von Lebenskrisen und Persönlichkeitsschwächen durch die Heranziehung von Drogen zu entsprechen, muss schon deshalb kläglich scheitern, weil die berauschende Wirkung von Cannabis rasch zu einem Gewöhnungseffekt führt, der für den Einzelnen keinerlei „Mehrwert“ mehr besitzt – und stattdessen nur noch Raubbau an Physis und Psyche betreibt. Und selbst die, die von einer Lenkbarkeit des Drogenkonsums überzeugt sind, müssen erkennen: Der Geist, der erst einmal aus der Flasche gelassen wurde, lässt sich nicht mehr einfangen. Viel zu groß ist das Suchtpotenzial, die Verführung und die Neugier gegenüber dem Unbekannten. Dem Staat und öffentlichen Institutionen kann vielleicht eine geordnete Drogenabgabe gelingen, die Steuerung dessen, was danach passiert, liegt nicht mehr in ihren Händen. 

Die Botschaft einer Liberalisierung von „weichen Drogen“ befeuert den Schwarzmarkt sehr viel stärker als bisher, denn das Wissen um Straflosigkeit lässt den unvernünftigen, rücksichtslosen und egozentrischen Umgang mit Cannabis erst richtig sprießen. Kleinste Mengen genügen schon, um Abhängigkeit zu erzeugen und den Menschen in die Spirale der völligen Hilflosigkeit zu verlieren. Er gibt nicht nur sein Selbst ab, sondern offenbart sein Leben der Droge selbst, aber auch jenen, die ihn mit dem nächsten Schuss bei Laune halten. Sucht lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Wer heute die Entkriminalisierung des Drogengebrauchs fordert, handelt verantwortungslos und von der Utopie verblendet, wonach es Staat und Gesellschaft gelingen könne, durch eine kontrollierte Herausgabe von weichen Drogen einen vertretbaren und überprüfbaren Gebrauch zu ermöglichen. Spätestens außerhalb der Abgabestelle sind die Konsumenten verloren, denn es kann weder praktisch funktionieren, noch ist es theoretisch vertretbar, wonach die Zivilgesellschaft in Verantwortung für jene einsteht, die dem Reiz nicht widerstehen können. 

Ohnehin müssen wir doch fragen, wofür die Menschheit denn abseits des streng geregelten, medizinischen Einsatzes überhaupt Cannabis bedarf. Das Gefühl, „high“ zu sein, ist weder ein sinnreicher, noch erstrebenswerter Zustand. Die Freiheit von uns Menschen vermag nicht in der Lage zu sein, dem unserer Vernunft entgegenstehenden Handeln Einhalt zu gebieten und uns von dem Lockpulver Cannabis loszusagen. Viel eher ist sie es, die als Argument für die Drogenfreigabe herangezogen wird. Grundsätzlich steht es fernab geltender Gesetze prinzipiell jedem offen, sich zu bekiffen und zuzudröhnen, bis wir in eine andere Atmosphäre übergleiten. Dieser Ausflug in eine Welt der scheinbaren Sorglosigkeit ist stets temporär begrenzt, die Rückkunft auf den Boden der Realität fällt hart aus. Wer sich seinen Problemen nicht durch Drogenkonsum entziehen will, bekommt vielfältige Hilfe, um auch Cannabis dankbar entsagen zu können. Statt es zu entkriminalisieren, müssen wir Menschen rationale Unterstützung bieten, die es nicht nötig macht, sich in Halluzinationen und Träumen der Realität zu entziehen. Daher appelliere ich, die psychologischen Beratungsangebote in diesem Land zu fördern und von jeglicher Legalisierung von „weichen“ Drogen abzusehen. Denn sie sind Türöffner in ein Hamsterrad, das unser Leben verpixelt und uns verrückt macht.

Dennis Riehle - 09:05:12 @ Gesellschaft

Eine getriebene Generation!

Leserbrief
zu: „Junge Klimaaktivisten kritisieren Sondierungspapier“, „ZEIT“ vom 17.10.2021

Ich bin zweifelsohne dafür, dass jeder von uns den eigenen Lebensstil auf Nachhaltigkeit überprüft. Wir können viele Ressourcen einsparen, doch sollten wir uns von einer ideologischen Verkrampfung lösen, Deutschland könne mit einer neuen Bundesregierung und deren Maßnahmen für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels sorgen. Unbestritten ist der anthropologische Anteil am Klimawandel, dennoch fehlen mir bis heute über die Modellrechnungen und empirischen Daten hinausgehende Belege dafür, wonach eindeutig Zusammenhänge zwischen CO2-Ausstoß und der perspektivischen Veränderung unseres Wetters bestehen. 

Vergessen wird allzu oft, dass evolutionsbedingte Schwankungen schon seit jeher existieren, Verschiebungen des Golfstroms Anteil an der künftigen Temperaturentwicklung nehmen werden und die mehrheitlichen Emissionen weder aus Autos oder Kohlekraftwerken, sondern vor allem durch Kühe entstehen. Und warum wir reflexartig aus der Kernenergie aussteigen mussten, um nun zu erkennen, dass wir ohne den Zukauf von Atomstrom aus maroden Meilern im Ausland nicht auskommen werden, erschließt sich mir ebenfalls nicht. Auch die aktuell von der „Grünen Jugend“ geäußerte Kritik an den Sondierungsergebnissen der „Ampel“-Koalitionäre setzt ausschließlich auf Schuldgefühle: 

Der Mensch ist in ihren Augen alleiniger Verantwortlicher für die Zunahme extremer Naturereignisse und wird mit der moralischen Keule massiv unter Druck gesetzt, durch panikartige Reaktionen gegen ein Phänomen zu wirken, auf das wir nach meiner Einschätzung eben nur bedingt Einfluss haben. Die Diskussion um Maßnahmen zur Abwehr des Klimawandels verdrängt jedwede Debatte über die Lösung praktischer Probleme der Gegenwart, die insbesondere im Sozialen zu finden sind. Der Absolutheitsanspruch der Umweltbewegung ist durch nichts gerechtfertigt. 

Als vergleichsweise junger Mitbürger ist auch mir die Zukunft unseres Planeten nicht egal. Aber ich habe ein Problem damit, wenn eine nahezu schon religiös anmutende Weltanschauung einer ganzen Generation Naivität befördert und Verblendung verursacht. Ich sorge mich, wenn mit Angst Politik gemacht wird. Schlussendlich wäre es rationaler, auf manch gottgegebene Wirklichkeit mit Anpassung zu reagieren, statt unendlich viel Kraft, Zeit und Geld in einen Kampf zu investieren, den wir überhaupt nicht gewinnen können.

Dennis Riehle - 09:04:12 @ Gesellschaft

Respekt vor den Soldaten, Kritik an der Armee

Leserbrief
zu: „Bundeswehr-Aussagen der Linken sorgen für Empörung“, „HL-LIVE“ vom 04.11.2021

Nein, nicht die Aussagen der LINKEN in der Lübecker Bürgerschaft befremden. Viel eher sind es die Vorwürfe der Christdemokraten gegen die pazifistische Haltung der Linksfraktion. Es ist gar empörend, wenn sich die CDU anzumaßen versucht, Geschlossenheit und Respekt vor dem eigenen Land mit der Unterstützung der Bundeswehr zu verknüpfen. Niemand „entfernt“ sich von unserem Staat, wenn er die Armee und die zunehmende Militarisierung auch der Bundesrepublik in berechtigte Frage stellt. 

Im Gegensatz zu anderen Parteien verfolgt DIE LINKE eine konsequenten Skepsis und Ablehnung gegenüber gewaltsamer Konfliktlösung in den Ländern der Welt – und hat sich damit als echte Friedenskraft etabliert. Insbesondere unter dem Aspekt der deutschen Geschichte scheint es dringender denn je geboten, unser Land zur Neutralität hinzuführen und zum diplomatischen Moderator von internationalen Auseinandersetzungen fortzuentwickeln.  Langfristiges Ziel muss es sein, die Truppe zu einem vorrangigen Unterstützer in der Katastrophenhilfe umzustrukturieren. 

Denn es ist das oberste Ziel unserer Gesellschaft und unseres Parlaments, den Dialog zu fördern und Kriege abzuwenden. Selbiges kann aber nur gelingen, wenn wir die Bundeswehr aus einem gewissen Abstand betrachten und ihren derzeitigen Status auf den Prüfstand stellen. Das hat – im Gegensatz zur Meinung der CDU in Lübeck – nichts mit Misstrauen gegenüber den Soldaten zu tun. Sie leisten ihren Dienst in den allermeisten Fällen in größter Verantwortung und Sorgsamkeit – und können daher nicht Ziel antimilitärischer Kritik sein. Pazifismus und seine ablehnende Haltung gegenüber jeder Form von Waffengewalt ist vom Grunde her auf die Institution der Armee gerichtet, nachdem davon ausgegangen werden kann, dass sie auch im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa vornehmlich nicht der Landesverteidigung dienen muss, sondern als Kampftruppe in den Krisenherden rund um den Globus zum Einsatz kommt. 

Zweifelsohne bleibt in manchen Fällen lediglich die Intervention durch Armeen als letzter Ausweg, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Dennoch muss uns die Vision eines friedlichen Zusammenlebens leiten, wozu eben auch die klare Aussendung gehört, weltweit abrüsten zu wollen. Wenn es niemanden gibt, der dieses Ziel ernsthaft und sichtbar verfolgt, bleibt es eine Utopie. Daher ist es Auftrag einer linken Stimme in Deutschland, die Zweifel an militärischem Handeln und kriegerischen Außeneinsätzen aufrechtzuerhalten. Die Wertschätzung gegenüber des Soldaten als Menschen mit seinem Entschluss, für die Bundesrepublik einzutreten, schmälert dies in keinem Fall. Im Gegenteil: Pazifisten sorgen sich um die Sicherheit und das Wohl von Bundeswehrangehörigen. Deshalb sind die Vorwürfe der Lübecker Christdemokraten gegen DIE LINKEN als verleumderisch und böswillig zurückzuweisen.

Dennis Riehle - 08:57:12 @ Gesellschaft