Dennis Riehle

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Mein Motto: Ich denke quer, bin deshalb aber noch lange kein Querdenker!


Liebe Besucher,


an dieser Stelle haben Sie die Möglichkeit, in meinem Blog von mir verfasste Texte zu lesen. Darunter finden sich Pressemitteilungen, Leserbriefe und Standpunkte zu Themen der Zeit, kritische Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen sowie soziale und politische Meinungsbeiträge, die nicht den Anspruch erheben, in jedem Fall dem "Mainstream" zu entsprechen. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie manche Beiträge nachdenklich machen oder gar Ihre eigene Gegendarstellung provozieren. Gerne können Sie mir deshalb auch Ihr Feedback unter Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de zukommen lassen. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!


Ihr Dennis Riehle


V.i.S.d.P. für diesen Blog:

Dennis Riehle

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02.01.2022

Nicht nur ein Geben, sondern auch ein Nehmen!

Leserbrief
zu: „Die gute Idee der Verantwortungsgemeinschaft“, “Rheinische Post” vom 27.12.2021

Der Vorstoß von Bundesjustizminister Marco Buschmann, in der gesellschaftspolitischen Debatte über eine sogenannte „Verantwortungsgemeinschaft“ nachdenken zu wollen, ist nur auf den ersten Blick ein Versuch, fortschrittlich und zeitgemäß mit der Frage umgehen zu wollen, wie wir in Deutschland im 21. Jahrhundert das Zusammenleben von Menschen verstehen und in welcher Weise wir es fördern und unter besonderen Schutz stellen wollen. 

Tatsächlich müssten wir uns vielmehr dem Ansinnen stellen, inwieweit wir bereit sind, Ehe und Familie als Begriffsdefinitionen einerseits, als Rechtsinstitutionen und unterstützenswerte Formen des Miteinanders gleichsam andererseits auch im zivilisierten Konsens anzuerkennen. Letztlich fehlt der Bundesrepublik nach der Ausweitung des Ehebegriffs auf die Möglichkeit, wonach auch ein homosexuelles Paar diesen grundgesetzlichen verankerten Status annehmen und viele Vorteile für sich beanspruchen kann, der Schritt zur vollkommenen Äquivalenz jedweden Zusammenschlusses von zwei Erwachsenen unterschiedlichen Geschlechts zur Ehe – und bei mindestens einem (leiblichen oder adoptierten beziehungsweise Stief-) Kind zur Familie. 

Schlussendlich bin ich aber der Meinung, dass ein „Verlässlichkeitsbündnis“, welches nur auf dem Zusammenleben als eingetragene Partnerschaft fußt, nicht den verfassungsrechtlichen Rang der Ehe einnehmen kann (und damit eine Gleichstellung in Pflichten und vor allem Rechten nach sich ziehen würde). Viel eher poche ich darauf, dass sich zwei Menschen in Gemeinschaft zum Eingang des Rechtsgebildes „Ehe“ mit all ihren Facetten entschließen müssen, um eine entsprechende Bevorteilung zugesprochen zu bekommen. 

Die Gretchenfrage wird also lauten, ob wir bereit sind, die zu Recht Verfassungsrang genießende Ehe in die Breite zu weiten, statt sie nach unten in Richtung von temporären und unsicher gestalteten Lebensabschnittsbeziehungen zu öffnen. Denn das standesamtliche Versprechen zu einem Zueinanderstehen in guten wie in schlechten Zeiten bleibt ein zwingendes Kennzeichen jener Verantwortung, die auch Buschmann für seine Gemeinschaftstheorie anlegt. 

Insofern dürfen wir Menschen durchaus diesen expliziten Willen zum Einhalten solcher zwischenmenschlichen Regeln und eines moralischen Eides abverlangen, um in den Genuss einer Protektion durch die öffentliche Sozietät zu kommen. Eine Liberalisierung darf nicht bedeuten, allein Zugeständnisse an die Menschen zu geben, sondern selbige auch einfordern zu dürfen.

Dennis Riehle - 07:13:19 @ Gesellschaft

01.01.2022

Dauerschleifen sind erfahrungswissenschaftlich nicht vorgesehen!

Leserbrief
zu: „Lauterbach vorsichtig optimistisch“, „Tagesspiegel“ vom 01.01.2022

Dass sogar der für seinen Pessimismus bekannte Bundesgesundheitsminister zu Silvester „Licht am Ende des Tunnels“ sieht, sollte uns ermutigt ins neue Jahr starten lassen. Wenn Karl Lauterbach als auf Evidenz und Empirie vertrauender Wissenschaftler schon früher einmal auf die Vergangenheit geblickt hätte, wäre vielleicht manche seiner schwarzmalerischen Prognosen von etwas mehr Zuversicht geprägt gewesen. Denn bisher hat jede Epidemie ihr Ende gefunden. Dauerschleifen waren selbst bei den schlimmsten Seuchen nie vorgesehen. 

Daher sind die leicht hoffnungsvollen Worte für das neue Jahr von Drosten bis Streeck sicherlich nicht unbegründet – und dürfen auch Politiker dazu verleiten, vom Modus der ständigen Panikschieberei und Angstmache in etwas mehr Gelassenheit und Bedacht umzuschwenken. Wer seine Glaubwürdigkeit nicht verlieren möchte, betrachtet auch noch so schlimme Phasen unseres Daseins keinesfalls nur mit einem weinenden Auge. Deshalb war es gut, dass auch Bundeskanzler Scholz in seiner Neujahrsansprache endlich einmal Mut machte und die Perspektive ausgab, dass wir in den kommenden 365 Tagen das Meiste überstanden haben könnten. 

Solch eine Aussicht trägt nicht nur zu einer besseren Moral der Gesellschaft bei, sondern nimmt auch den Verschwörungstheoretikerin in diesem Land das Pulver, mit dem diese trotz aller Mahnungen ausgelassen und unvorsichtig 2022 begonnen haben. Noch ist es zu früh für Entwarnung, dennoch hat der Jahreswechsel selbst auf die Warner eine heilsame Wirkung: Es gibt keinen vernünftigen Grund, weshalb wir nicht positiv nach vorne blicken sollten. Selbst die Studienlage am letzten Tag von 2021 gibt es klar her, eine differenziertere Grundhaltung für die folgenden Monate einzunehmen: Omikron mag zwar viele Menschen anstecken, aber dennoch unsere Intensivstationen entlasten. Wenn das kein Grund zur Vorfreude auf den nächsten 31. Dezember ist!

Dennis Riehle - 07:37:25 @ Gesellschaft

Mediale Verantwortung!

Leserbrief
zu: „Spaltung? Gibt’s nicht!“, „Neue Zürcher Zeitung“ vom 31.12.2021

Es ist sicherlich wenig hilfreich, wenn man einen Zusammenhalt herbeiredet, der in Wirklichkeit nicht existiert. Gleichsam halte ich es für übertrieben, in Deutschland von einer Spaltung der Gesellschaft zu sprechen. Zweifelsohne: Es gibt Risse in der Demokratie, aber keineswegs derartige Durchbrüche, dass man von einem manifesten Auseinanderdriften ganzer Bevölkerungsteile sprechen könnte. 

Wer die Minderheiten in ihrer Bedeutung größer macht als sie es in Wahrheit sind, trägt allerdings tatsächlich einen weiteren Keil ins Volk. Nur der Umstand, dass Impfgegner, Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner medial laut in Szene gesetzt und damit in ihrer Dimension erheblich verzerrt werden, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mehrheit der Menschen den Ernst der Lage begriffen hat und sich solidarisch zeigt. Ja, es obliegt auch einer verantwortungsvollen Presse, die Verhältnisse realistisch abzubilden. 

Natürlich muss in einem freiheitlichen Rechtsstaat der Protest erlaubt sein. Und als Betroffener einer anhaltenden Impfkomplikation kann ich Unsicherheit, Fragen und Sorgen gegenüber der Immunisierung wirklich gut verstehen. Doch wir müssen uns ehrlich machen: Rechtsradikale sind keine kritischen Menschen oder Zweifelnde an einzelnen Maßnahmen. Sie sind ideologisch verblendet und lehnen unser Staatswesen ab. Das hat nichts zu tun mit zulässiger und gewollter Reflexion von Politik. 

Olaf Scholz hat diejenigen, die skeptisch sind, ausdrücklich in unser geeinigtes Land einbezogen, denn sie gehören mit der Ausübung ihres legitimen und gewaltfreien Rechts auf Demonstration ganz explizit zu einer Sozietät dazu, weil sie trotz und wegen ihrer Bedenken einen Gemeinsinn in sich tragen. Durch sie wird die Bundesrepublik nicht gespalten, sondern in ihrem demokratischen Wachstum und der liberalen Entwicklung gefördert. Wer Anderes behauptet, möchte Trennendes über Verbindendes stellen. Das dürfen Menschen guten Willens jedoch keinesfalls zulassen.

Dennis Riehle - 07:36:27 @ Gesellschaft

Umdenken ausnutzen!

Leserbrief
zu: „Haftstrafe in USA um 100 Jahre verringert“, „t-online.de“ vom 31.12.2021

Protest aus der Bevölkerung und von Prominenten hat die amerikanische Justiz nun dazu bewegt, ein umstrittenes Urteil für einen Unfallfahrer von 110 auf 10 Jahre zu reduzieren. Schon allein der Umstand dessen, dass in den USA wohl zeitlich nahezu unbegrenzte Haftstrafen möglich sind, macht sehr deutlich, dass ein solches Rechtssystem nicht von einer für eine Demokratie notwendigen Verhältnismäßigkeit geprägt sein kann. Auch der Resozialisierungsgedanke geht vollends verloren, denn hinter solchen Beschlüssen wie dem anfänglichen steht allein die blinde Wut und der Grundsatz „Auge um Auge“. Hier geht es nur darum, Menschen wegzusperren und sie lebenslang aus dem Verkehr zu ziehen. 

Dieser Anspruch passt nicht zu einem Land, das für sich westliche Standards in Anspruch nimmt. Dass der bürgerliche Widerstand nun offenbar auch bei manchem Politiker zu einem Umdenken geführt hat, sollte auch dafür ausgenutzt werden, sich der Todesstrafe als inhumanem Bestrafungsmittel endgültig zu entledigen. Der Staat ist nicht in der Position eines Henkers, ihm obliegt es, Straftäter zu Einsicht und Reue zu bewegen und sie in ein gewaltloses Leben zurückzuführen. 

Das kann nur gelingen, wenn er vom Ansinnen geleitet ist, menschliche Haftbedingungen zu schaffen und von den Tod bringender Quälerei durch Injektionen oder weiteren Grausamkeiten Abstand zu nehmen. So, wie in Verbrechern die Buße reifen muss, sollten sich auch die Vereinigten Staaten der Unsinnigkeit ihres derzeitigen Rechts- und Strafvollzugswesens bewusst werden. Seelenfrieden für Opfer und Hinterbliebene erreicht man nicht durch Rache, sondern lediglich durch ein Eingeständnis von Schuld und Läuterung eines Verurteilten und seiner Bereitschaft zur Rückkehr in ein sündenfreies Dasein. 

Es sollte nun allen Demokraten obliegen, die USA auf den rechten Weg einer vernünftigen Justiz zu leiten. Überdies: Auch in europäischen Gefängnissen mangelt es an Menschenwürde. Zwar kennen die meisten Länder auf unserem Kontinent ein differenziertes Bestrafungssystem. Doch auch hierzulande bedarf es einer dringenden Weiterentwicklung des Justizvollzugs – denn die Praxis zeigt uns, wonach Haftanstalten überall in der Welt in ihrer jetzigen Form Brutstätte neuen Unrechts sind.

Dennis Riehle - 07:35:12 @ Gesellschaft

31.12.2021

No same procedure again!

Gedanken zum Jahreswechsel 2021/2022

Es ist das zweite Silvester, das wir unter Corona-Bedingungen verbringen. Wieder starke Kontakteinschränkungen, erneut ohne Feuerwerk und die Party kann nicht stattfinden. Der Start nach 2022 wird also deutlich ruhiger ausfallen, als wir das aus der Vergangenheit gewohnt sind. Dennoch beklagen wir uns auf einem hohen Niveau. Immerhin müssen wir sehen, dass die Worte von Erich Kästner diesmal eine ganz praktische Bedeutung bekommen: „Wird’s besser? Wird’s schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich!“ – Unsere Ausgelassenheit könnte bei einem Altjahresabend ohne Rücksichtnahme wirklich manch einen von uns auf die Intensivstation bringen – nicht wegen Trunkenheit, sondern wegen Omikron!

Viele in der Gesellschaft haben die Pandemie satt. Und die Aussicht, dass das neue Jahr nochmals eine Steigerung der Dramatik bringen könnte, macht uns mürbe und ratlos. Trotzdem lassen uns „Boosterungen“ und die Verantwortlichkeit einer großen Mehrheit der Menschen doch hoffen – und vielleicht können wir in das Zitat des Komikers Oliver Kalkhofe einstimmen: „Uns allen wünsche ich, dass das nächste Jahr nur halb so bescheuert wird wie dieses“.

Wenn wir uns letztlich klarwerden wollen, dass eine Katastrophe von nahezu apokalyptischem Ausmaß trotz aller Widrigkeiten und des Elends, das wir in Krankenhäusern und in den ärmsten Regionen der Erde mit ansehen müssen, immernoch für die meisten von uns lediglich eine minimale Beeinträchtigung jenes Lebensstandards bedeutet, den die meisten Generationen vor uns nie erleben konnten, sollten wir beispielsweise auf Zeiten blicken, in denen es tatsächlich um das große Ganze ging. Dietrich Bonhoeffer schrieb in seinem letzten Lied zum Jahreswechsel, welches er noch vor dem Tod unter dem Nazi-Regime zu Papier bringen konnte, unter anderem folgende Worte: „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leid, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand“ (EG 65.3 – Evangelischer Presseverband für Baden e.V. (1995): Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Baden, Karlsruhe: 1. Auflage).

„Von guten Mächten“ – dieses Kirchenlied wird in den protestantischen Gemeinden an Silvester gesungen, weil es deutlich macht, dass wir auch mit dem Blick ins Ungewisse von morgen, diesem neuen Jahr, das vor uns steht, Vertrauen haben können. Egal, ob diese Zuversicht nun in einem Gott fußt oder in einer anderen Kraftquelle. Gerade in der Covid-Epidemie macht uns die Perspektive große Sorgen, dass wir gar nicht mehr aus der Endlosschleife herauskommen mögen. Unser Zähneklappern ist angesichts dessen, was Bonhoeffer bevorstand, aber äußerst relativ. Schlussendlich war dem Widerstandskämpfer klar, dass er ermordet würde. Und dennoch hatte er zumindest in seinen Liedzeilen keine Angst, sondern war sich gewahr, die bevorstehende Bürde anzunehmen – und mit Dankbarkeit zurückzublicken, mit Hoffnung gleichsam nach vorne. „Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen“ (Strophe 5) hat Bonhoeffer zwar gänzlich anders gemeint, aber sein Vers kann auf die heutige Zeit übertragen werden: In Momenten der Seuche ist von uns Zusammenhalt gefordert – und nicht ein Kleinklein der Unannehmlichkeiten, über die wir uns aktuell beschweren. Viel eher macht uns der gläubige Christ 1944/1945 deutlich, dass wir „getrost warten können, was kommen mag“ (Strophe 7).

Diese Gelassenheit war ihm wohl nur deshalb möglich, weil er sich der Endlichkeit klar war. Etwas, was uns in unseren Dekaden sichtlich schwerfällt. Wir verleben jeden neuen Tag, als gäbe es unendlich viele von ihnen. Und auch die Jahre vergehen ohne Bewusstsein, wonach sie nicht unzählig sind. Jochen Klepper schrieb 1938 ebenfalls in einem Lied zur Jahreswende (EG 64.4): „Der Mensch ahnt nichts von seiner Frist“. Ja, unsere Silvesterfeiern haben Konzept, mittlerweile sogar Corona-Routine. Wiederkehrend begehen wir den Übergang von einer Periode in die nächste ohne Wahrnehmung ihrer Einzigartigkeit. Wie viele Dinge in unserem Dasein zur bloßen Wiederkehr degradiert und damit zur Normalität erklärt werden, obwohl sie eigentlich etwas Besonderes sind, macht der Silvester-Klassiker „The same procedure as every year“ deutlich. Allein der Umstand, dass Millionen Zuschauer sich diesen Sketch jedes Jahr wieder im Fernsehen anschauen wollen, unterstreicht sehr eindrücklich, dass wir der Gleichförmigkeit und dem Alltagstrott verfallen und gegenüber der Wundersamkeit des Neuen vollends abgestumpft sind.

Bonhoeffer und Klepper konnten in existenzieller Notlage, die weit über die Eskalation der momentanen Corona-Lage hinausgeht, Genügsamkeit finden und mit dem Leben Frieden schließen, weil sie sich die Vergänglichkeit vor Augen geführt haben. Denn nur dann ist es auch für uns möglich, aus dem Hamsterrad auszubrechen und „uns böser Tage schwere Last“ (EG 65.2) entsprechend ohne Groll und Verzagen anzunehmen. Nein, das hat nichts mit einer etwaigen Todessehnsucht zu tun – im Gegenteil. Wenn wir um ein Ende in der näheren oder weiteren Ferne wissen, dann gelingt es uns viel leichter, das Hier und Jetzt zu würdigen und zu genießen. Solange wir in der Eintönigkeit der immer gleichen Vorsätze für das neue Jahr festhängen, verwehren wir uns eines Durchstartens in einen tatsächlichen Neuanfang. Nein, es braucht eben nicht „the same procedure as last year“. Viel eher sollten wir es wagen, die Prozedur zu durchbrechen und die Leier vom kiloweisen Abnehmen, weniger Alkohol Trinken und mehr Sport Treiben in 2022 durch etwas Mutigeres, Innovativeres ersetzen. Es ist dabei auch nicht verwerflich, sich zumindest ebenso für einige Minuten im neuen Jahr aus der medialen, politischen und gesellschaftlichen Tretmühle von Corona, Krankheit und Krise auszuklinken.

Christian Morgenstern hat das Zitat geprägt: „Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein“. Finden wir also neue Formen der persönlichen Erfüllung und nehmen wir uns Werte für 2022 vor, die nicht nur den eigenen, oberflächlichen Anschein wahren sollen, sondern stattdessen mit Solidarität verbunden sind. Das ist in Phasen der Pandemie nicht nur ein Trend und Kult, sondern auch ein Gewinn für das persönliche Dasein. Ob es nun der Vorsatz ist, mit mehr Achtsamkeit durch die Zeit zu gehen – und damit nicht nur unsere Umwelt bewusster wahrzunehmen und die Schönheit der irdischen Existenz zu spüren, sondern auch befähigt zu sein, Missstände von Anderen zu erkennen und Mitgefühl zu zeigen. Oder vielleicht ein bisschen mehr Nachhaltigkeit. Nicht im Sinne einer ideologisierten Kasteiung, sondern eines bewussten Verzichts von Luxusgütern, die uns von der Wesentlichkeit der Gegenwart ablenken und gleichsam dafür sorgen, dass unsere Welt ungerechter und ausgebeutet wird. Oder auch ein Plus an Bescheidenheit und Zufriedenheit, welche uns deutlich machen, dass wir auch dann im Wohlstand und in Freiheit leben, wenn vorübergehend manch ein Grundrecht eingeschränkt ist und wir statt des Besuchs im Nobelrestaurant oder in der abendlichen Diskothek wieder einmal ein Buch zur Hand nehmen oder eine CD auflegen – und uns an der Schlichtheit des Glücklichseins erfreuen können. In jedem Fall gilt: Machen wir es anders als sonst, denn nur Veränderung rüttelt wach und erdet – und macht das Hiersein zu mehr denn nur Gewohnheit…

Dennis Riehle

Dennis Riehle - 07:44:46 @ Gesellschaft

30.12.2021

Der Berg kommt nicht zum Propheten…

Kommentar
zur Debatte über eine Rückkehr zum Atomstrom in Deutschland

Dass sich grüne Minister in der Ampel-Regierung besorgt und entrüstet über eine Rückkehr der florierenden Atomkraft in Europa zeigen, ist nicht verwunderlich. Doch auch Umfragen in Deutschland machen klar, dass sich viele Bundesbürger mittlerweile fragen, ob der reflexhafte und panikartige Ausstieg aus der Kernenergie sinnvoll ist.

Denn stellt man einmal Pragmatismus vor Ideologie, wird relativ schnell deutlich, dass der Umstieg auf Stromquellen, die vor allem von der ökologischen Bewegung als „erneuerbar“ angesehen werden, in dem anberaumten Zeitplan nicht funktionieren wird. Wir dürften es nicht schaffen, den Bedarf an Energie durch Sonne, Luft und Wasser zu decken – zumindest nicht in absehbarer Zukunft. Schließlich kommen wir mit der Planung und Umsetzung von Stromtrassen, Windrädern und Photovoltaik nicht hinterher.

Wenngleich die Transformation eine schätzenswerte Vision ist, bleibt sie doch im Theoretischen. Die Wirklichkeit holt die Idealisten ein – auch wenn die meisten von ihnen das noch nicht wahrhaben möchten. Und tatsächlich muss man sich fragen, weshalb fast der gesamte Kontinent auch fortan auf Kernkraftwerke setzen will und die Atomenergie als nachhaltig einschätzt, während man bei uns aus Reformeifer die Tatsächlichkeiten verkennt.

Denn was bringt uns das Abschalten von deutschen Meilern, wenn wir anschließend Strom aus maroden Kraftwerken im osteuropäischen Raum zukaufen müssen – und damit deren Weiterbestand indirekt sichern? Weshalb soll man die heutzutage in der Bundesrepublik sehr sicher geltenden und stets in Stand gehaltenen Anlagen stilllegen und zurückbauen, wenn die Technologie in Wahrheit doch zumindest als Übergangslösung fungieren kann?

Wir sind mit Nachdruck dabei, die Frage nach einer Endlagerung von Atommüll zu klären – und letztlich weist die Kernenergie doch eine CO2-Bilanz auf, die vielen alternativen Quellen in kaum etwas nachsteht. Es ist kein Beinbruch, Fehlentscheidungen zu korrigieren und Meinungen zu ändern. An Überzeugungen aber allein aus Prinzip festzuhalten und sich jeglicher Einsicht und Argumentation zu verweigern, hinterlässt einen faden Beigeschmack: Offenbar wollen vor allem die Grünen mit dem Kopf durch die Wand…

Dennis Riehle - 04:37:19 @ Politik

28.12.2021

Psychosoziale Sprechstunde wendet sich schwerpunktmäßig der Integrationsberatung zu

Pressenotiz

Die Psychosoziale Sprechstunde in Konstanz wird sich ab 2022 vermehrt der Integrationsberatung und Flüchtlingshilfe widmen. Wie der Leiter der ehrenamtlichen Anlaufstelle, Dennis Riehle, in einer Aussendung betont, soll damit ein Zeichen gesetzt werden, dass die bei vielen Bürgern mittlerweile nicht mehr präsente Krise, die 2015 begonnen hatte, weiterhin an vielen Orten in der Welt schwelt: „Der Umstand, dass heute deutlich weniger Menschen nach Deutschland kommen und um Asyl anfragen, ist lediglich ein trügerischer Eindruck, der die Wahrheit ausblendet“, so Riehle, der als Flüchtlingshelfer ausgebildet ist und sich als Psychosozialer Berater mit dem Schwerpunkt Integrationsberatung qualifizieren und zertifizieren ließ. 

„Die Bilder von den Außengrenzen Europas, ob die Zustände in Flüchtlingslagern in Griechenland, der Türkei, Weißrussland, der Ukraine, am Ärmelkanal oder in Polen, die Ertrinkenden vor Afrikas Küsten: Als das sind beschämende Szenen, die wir gerade in der Corona-Pandemie verdrängt haben. Hilfesuchende sind zum politischen Spielball geworden – und ihre Rechte werden vielerorts mit Füßen getreten“, konstatiert Riehle, der in 2021 insgesamt 56 Beratungen gegenüber Geflüchteten durchgeführt und vor allem bei Fragen zur Asylgewährung, zu den Anspruchsvoraussetzungen auf Sozialleistungen und über Angebote zur Eingliederung von Flüchtlingen, die bereits länger in der Bundesrepublik sind, informiert hat. „Die Pandemie macht natürlich die persönliche Begleitung des Einzelnen schwieriger. Ohnehin darf ich keine individuelle Rechtsberatung oder juristische Fallprüfung anbieten. Aber die psychosoziale und seelsorgerliche Unterstützung funktioniert auch per Mail, dessen bin ich mir in den letzten Monaten gewahr geworden“, erklärt der 36-Jährige, der sich für das neue Jahr das Ziel gesetzt hat, seine psychologische Beratung auf noch breitere Beine zu stellen: 

„Durch meine Fortbildung in Sachen Trauma, Mobbing und Familienkonflikten decke ich nun auch spezifische Problemfelder ab, mit denen geflüchtete Menschen aus ihrer biografischen Situation und sozialen Lage besonders häufig konfrontiert sind“. Zudem hat sich Riehle durch einen Hochschulkurs auch in Kultursensibler Pflege weitergebildet und sich dabei insbesondere mit dem Aspekt der Interkulturellen Kommunikation von Geflüchteten im Gesundheitswesen auseinandergesetzt. „Viel zu selten wird betrachtet, dass es gerade im medizinischen und psychologischen Versorgungswesen wenig Sensibilität für die Bedürfnisse von Asylsuchenden und Migranten gibt, von den Sprachbarrieren ganz abgesehen“, sagt Riehle, der abschließend unterstreicht: „Mein Ansatz ist es deshalb vor allem, Brücken zu bauen und den Dialog zu fördern, damit gegenseitiges Verständnis möglich ist und Flüchtlingen adäquat geholfen werden kann, sich in unser System einzufinden“.  Das Angebot der Psychosozialen Sprechstunde wird ehrenamtlich geleistet und ist für alle Ratsuchenden kostenfrei. Es ersetzt weder eine professionelle Rechtsberatung, noch eine psychotherapeutische oder traumatherapeutische Fachberatung. Datenschutz und Verschwiegenheit sind zugesichert.

Die Psychosoziale Sprechstunde ist unter der Mail-Adresse beratung@psychosoziale-sprechstunde.de erreichbar. Nähere Informationen finden sich auch auf www.ehrenamtliche-beratung.de.

Dennis Riehle - 05:08:47 @ Medien

Warnt nicht, zaudert nicht – denn es gibt Grund zur Freude

Gedanken zum Weihnachtsfest 2021

Schon das zweite Jahr in Folge befinden wir uns in einer besonderen Situation. Noch immer sind wir der Corona-Pandemie ausgeliefert – und müssen auch diesmal das Christfest unter Einschränkungen feiern. Wenn wir auf die vergangenen Monate zurückblicken, dann keimten die ersten Perspektiven auf. Durch Impfungen und das bessere Wetter schien sich die Lage zu entschleunigen. Und doch kommen wir nicht zur Ruhe. Seit Wochen gehen die Kurven wieder nach oben, die Zahl der Betroffenen steigt. Wir müssen weiterhin wachsam sein und dürfen nicht nachlassen in unseren Bemühungen, „Covid-19“ entsprechend Einhalt zu gebieten.

Gleichsam war es im zu Ende gehenden 2021 auch die Zeit der Warnenden. Ob nun vor der nächsten Welle des Virus, den Folgen des Klimawandels oder einer möglichen politischen Instabilität und des wirtschaftlichen Abschwungs – selten habe ich so oft von Mahnungen zur beständigen Vorsicht gelesen, die uns über die Medien und im Alltag erreicht haben. Wie gut ist es da, dass wir nun endlich wieder einmal diese Worte hören: „Fürchtet euch nicht!“ (Lukas 2,10 – Lutherbibel 1912). Diese himmlischen Chöre und ihre Verheißung tun not in solchen Tagen! Immerhin sind wird gebeutelt und gezeichnet von Entbehrung und Bekümmerung.

Nein, es geht überhaupt nicht darum, leichtsinnig oder naiv in das neue Jahr zu gehen. Stattdessen ermutigen und erinnern uns die Worte des Engels an ein gewisses Urvertrauen des Menschen, welches wir durch immer häufigere Reflexe und Panik zu vergessen drohen. Ganz unabhängig davon, ob wir an einen Gott glauben: Wir benötigen einen grundlegenden Halt und ein Fundament, das erdet und in schwierigen Augenblicken nicht verzweifeln lässt. Orientierung gab vor über 2000 Jahren der „Stern von Bethlehem“. Und heute? Ist es die Inzidenz oder das 1,5-Grad-Ziel, das uns leitet und im politischen wie privaten Handeln lenkt?

Ähnlich, wie uns der Evangelist von der Engelskunde berichtet, so hat auch der Liederdichter Fritz Baltruweit 1981 an jeden von uns den Ausruf gerichtet: „Fürchte dich nicht“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 643.1, Ausgabe Baden, Karlsruhe: Evangelischer Presseverband für Baden e.V., 1. Auflage, 1995) – und er stellt unverhohlen fest: „Gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du“. Das klingt zunächst wenig erbaulich, aber trotzdem ist es wahr: Mit unseren Sorgen und Nöten müssen wir einfach zurechtkommen. Es ist die Bestimmung unserer vernunftgeleiteten Spezies, das Dasein auch in Momenten der Furcht zu durchstehen.

Jeder von uns trägt sein eigenes Kreuz mit sich. Und oftmals habe ich in diesem Jahr in meiner ehrenamtlichen Arbeit in der Selbsthilfe und bei sozialen Vereinen gehört, wie Einsamkeit und Isolation zu einer wahren Seuche geworden sind. Sie belasten uns psychisch – und es ist dringend vonnöten, dass wir im Frühjahr endlich wieder zu neuer Gesellschaftlichkeit und menschlicher Nähe zurückkehren. Denn sie sind es, die uns letztlich Kraft und Energie spenden – und uns vor emotionaler Verarmung bewahren. Nicht selten haben mir Menschen im Gespräch gesagt, wie sehr ihnen die zweifellos nötigen Beschränkungen eine Pein sind.

Am Himmel über dem Heiligen Land verkündigte damals die Engelsstimme „große Freude“, Lukas erzählt an oben genannter Stelle davon. Maria und Josef hatten einen ebenso beschwerlichen Weg zurückzulegen und waren ausgemergelt von der langen Reise und der frustranen Suche nach einer Herberge. Für sie war es nur wichtig, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen – und es anschließend in Windeln gewickelt in die Krippe zu legen. Gleichsam tat sich Unsicherheit bei ihnen auf, denn die Nachricht, dass die Mutter den Heiland geboren habe, machte nicht nur die sie selbst nahezu sprachlos – fast die ganze Welt stand vor dem Umbruch.

Eine „Stille Nacht“ lag über dem Stall, letztendlich war die drängende Frage, wie es weitergeht – 2021 ist es nicht anders. So viele Variablen, so zahlreiche Modelle, wie unser Kontinent in die nächsten Jahrzehnte kommt. Doch was bringt uns Ruhe in unsere aufgewühlten Seelen? Baltruweit lässt uns nicht mit der Angst zurück. Er formuliert in der zweiten Strophe seines bereits erwähnten Liedes: „Getragen von seinem Wort, von ihm lebst du“. Es ist also beispielsweise dieses Wort des Engels. Aber nicht nur seines. Viel eher ist es auch der alltägliche Zuruf unserer Mitmenschen, von dem wir zehren und profitieren können.

Jeder von uns hat in diesem Jahr vermutlich größere Hürden nehmen und sich an verschiedenen Stellen kasteien müssen. Andere wiederum mussten wahrhaftig Leid ertragen. Ob bei der Unwetterkatstrophe, am Intensivbett des infizierten Angehörigen oder durch eigene Verwundung, Schicksale und Verlust. Auch nach meinem heftigen Krankheitsschub im Sommer habe ich mich danach gesehnt, eine frohe Botschaft zu hören, die von Frieden und Gnade handelt. Weihnachten bietet die Gelegenheit, nach vorne zu schauen, einen Neubeginn zu wagen und noch einmal durchzustarten. Mitten im Winter beginnt neues Grün zu sprießen.

Nachdem wir in Besinnung auf die metaphorisch und symbolträchtig anmutende Geschichte der Jesu-Geburt gelauscht haben, dürfen wir uns der eigenen und persönlichen Quellen rückversichern und uns bewusstwerden, dass sie in der Lage sind, uns durch tiefe Täler zu begleiten und uns in Richtung Vitalität, Aufbruch und Geborgenheit zu tragen. Schöpfen wir Mut und Zuversicht, dass nicht die Furcht oder die Warnungen siegen werden. Stattdessen ist es die Hoffnung auf Freudseligkeit und die Versöhnung mit unseren eigenen und den Schmerzen der Anderen, die befreiend wirkt. Loslösung vom Vergangen lässt uns wachsen.

Mit unserer Angst müssen wir uns zwar abfinden, aber sie bleibt nicht singulär in unserem Alltag und Leben stehen. Baltruweit sprach vom „Wort“. Es steht sinnbildlich für alles, was uns durch unsere Mitgeschöpfe an Gutem zuteilwird. Wie dankbar war ich über jedes Mitfühlen, Ablenken und Rückendecken. Wir sind als Menschen zum Kommunizieren und Interagieren befähigt und können auf verschiedenen Wegen miteinander in Verbindung treten. Ob in Form von Sprache oder sensiblen Gesten, durch Zuwendung oder gar Liebe. Das ist das Geschenk, welches uns zugutekommt – und dessen wir uns nicht nur zum Christfest klar werden sollten.

Als soziale Geschöpfe können wir Krisen durchwinden, weil wir einander haben und Solidarität zeigen können. Wie deutlich wurde das doch in den Hochwassergebieten in diesem Jahr! Schlussendlich wird nicht der Fall zu Boden das Letzte sein, sondern das Aufstehen nach oben. Weil wir uns als Sozietät haben, muss uns nicht mulmig sein. Den Schrecken der Dunkelheit überwinden wir mit der Macht der Engelszungen. Freude soll mit uns sein, weil jeder Tag uns die Chance zum Neuen schenkt. Lassen wir uns beeindrucken von den Worten und Werken, welche uns von unseren Nächsten beschert werden – nicht nur unter dem Weihnachtsbaum…

Dennis Riehle

Dennis Riehle - 05:06:57 @ Glaube

27.12.2021

Vor der eigenen Haustür kehren…

Leserbrief
zu: „Stoße mich daran, dass kleine Richterlein sich hinstellen und 2G im Einzelhandel kippen“, „WELT“ vom 27.12.2021

Ja, in einer Demokratie darf man Gerichtsurteile kritisieren. Gleichsam ist die Unabhängigkeit der Justiz eines der höchsten Güter, die wir als gewachsener Freiheitsstaat zu verteidigen haben. Deshalb ist es vollkommen richtig, dass Minister Buschmann dem Weltärzte-Präsidenten diesen Umstand nach dessen Kritik an Entscheidungen deutscher Richter über die Zulässigkeit von 2G-Regeln nochmals deutlich vor Augen hält. 

Der Respekt vor unserem Rechtsstaat gebietet es ausdrücklich, auch Beschlüsse anzunehmen, die man aus Sicht eines Mediziners in der derzeitigen Lage nicht verstehen kann. Doch es liegt nicht zuletzt an der Inkonsistenz der Meinungen aus Montgomerys Zunft, dass Beschränkungen aufgehoben werden. Letztlich ist die Rechtsprechung auf die fachkundige Expertise angewiesen, die sich gerade in diesen Tagen als sehr unstet erweist. Weder Epidemiologen, noch Infektiologen sind sich über das pandemische Geschehen einig. 

Worauf soll sich ein fachfremder Jurist schlussendlich stützen, wenn nicht einmal Intensiv- und Hausärzte die Lage einhellig beurteilen? Gleichsam macht die Individualität der Urteile deutlich, dass sich Gerichte mit großer Besonnenheit und Differenziert mit der Frage und Abwägung der Einschränkung von Grundrechten und den der jeweiligen Regionalität verhältnismäßig angepassten und notwendigen wie vertretbaren Maßnahmen auseinandersetzen, die manche Teile der Politik im Gießkannenprinzip verteilen. Richter haben zu prüfen, ob der Staat angemessene Schritte ergreift, um die Bevölkerung einerseits zu schützen – und andererseits die Freiheitsrechte jedes Menschen so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. 

Dass sich manch ein Arzt aus seiner Perspektive heraus beständig härtere Einschnitte wünscht, mag für ihn nachvollziehbar sein. Gleichermaßen hat er dann aber auch zu akzeptieren, dass es Aufgabe der Justiz ist, gewissem Aktionismus Einhalt zu gebieten. In der Manie der vierten Welle und des bevorstehenden Überwiegens der Omikron-Variante sind viele Forderungen überzogen und ideologisch-wissenschaftlich aufgeladen. Es braucht Instanzen, die verhindern, dass sich Politiker zu Getriebenen der Panikschieber machen und in ihrem Gestaltungsspielraum oftmals über die Stränge schlagen. 

Montgomery täte gut daran, vor der eigenen Haustür zu kehren. Denn auch seine Verlautbarungen sind von dauernder Reflexhaftigkeit geprägt. Doch sie hilft uns nicht weiter. Während viele Ärztevertreter den Menschen eine Impfpflicht aufbürden möchten, so verschreiben die Gerichte einigen Mahnern und Warnern dieser Tage Besonnenheit und Bedacht. So funktioniert ein Verfassungsstaat – und ich bin froh darüber.

Dennis Riehle - 11:35:23 @ Gesellschaft

21.12.2021

Stell’ dir vor, es weihnachtet sehr - und keinen interessiert’s…

Leserbrief
zu: „Wie Weihnachten in die Welt kam und warum Luther das Christkind erfand“, „Stimme“ vom 20.12.2021

Es wird Weihnachten - und keiner feiert?! Ja, diese Wochen sind schwer. Ob es nun die direkten und mittelbaren Folgen von Corona oder ganz persönliche Schicksale dieses Jahres sind: Wir sind eingeladen, all unsere Sorgen und Nöte an die Krippe zu tragen und sie bei Jesus abzulegen. Das Kind in seiner Geburt symbolisiert nicht nur den Neuanfang in aller Krise. 

Es macht uns im Wissen und in der zwingenden Parabel zwischen Christfest und Ostern gleichermaßen bewusst, wonach es für eine Katharsis des Leidens bedarf, um anschließend in Hoffnung und Zuversicht wieder erwachsen zu können. Inwieweit eine Pandemie oder jedes andere Gebrechen nötig sind, gestärkt in die Zukunft gehen zu können, vermag niemand so recht zu beantworten. 

Dennoch können wir beim Blick nach Bethlehem feststellen, dass es manchmal lediglich die anfänglich unscheinbar wirkenden Selbstverständlichkeiten braucht, um Ermutigung zu erfahren. 

Es sind die kleinen Zeichen der Menschlichkeit, die wir in einer Dekade mancher Überheblichkeit und Egozentrik übersehen, obwohl sie unserem sozialen Miteinander überhaupt erst diese Wärme geben, die auch Maria und Josef ihrem geborenen Baby im Stall inmitten von Tieren und Stroh schenkten.
 
Lassen also auch wir uns anstecken von der Wundersamkeit der Heiligen Nacht, die über den Karfreitag hinausstrahlt und uns erfahren lässt, dass mit Elend und Pein vielleicht doch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Dennis Riehle - 06:18:46 @ Glaube

20.12.2021

Das Fähnchen im Wind…

Leserbrief
zu „CDU gegen Ampel-Koalition: Merz verschärft den Ton“, „Süddeutsche Zeitung“ vom 20.12.2021

Es ist nicht nur die CDU, die von Karl Lauterbach zunehmend irritiert ist. Auch ich verstehe den neuen Gesundheitsminister kaum noch, der so wankelmütig ist, dass seine Glaubwürdigkeit vollends in Frage gestellt werden muss. Hat er noch vor einer Woche Optimismus gezeigt, dass wir alsbald aus Corona ausbrechen können, warnt er wenige Tage später vor einer neuen Zuspitzung, die alles in den Schatten stellen werde, was wir bisher erlebt haben. 

Es ist bekannt, dass der SPD-Politiker zu den Mahnenden in diesem Land gehört, der regelhaft Sorgen ausbreitet und den Menschen Angst macht. Er verlässt sich allein auf die Wissenschaft, die aber keinesfalls derart konsistente Aussagen liefert, wie Lauterbach das stets behauptet. Schließlich gibt es auch unter den Experten keine Einhelligkeit über „Omikron“, stattdessen gehen die Prognosen über deren Verläufe weit auseinander. 

Es tut der gesellschaftspolitischen Stabilität, aber eben auch der öffentlichen Meinung nicht gut, wenn der Bundesgesundheitsminister nahezu täglich seine Einschätzung korrigiert. Als omnipräsenter Gast in den Medien sollte er eigentlich wissen, welche verheerende Wirkung solch schwankende Einlassungen des offenbar noch immer beliebtesten Kabinettsmitglieds in der breiten Bevölkerung haben. 

Sein Hin und Her verunsichert die Bürger, stärkt den Verdruss noch mehr und fördert die Frage, wann uns die Namen für die kommenden Wellen ausgehen werden. Es ist ein Armutszeugnis für einen erfahrenen Politiker, wenn ihm Geradlinigkeit und Verlässlichkeit fehlen. Wir brauchen in dieser Krise Realismus, aber eben keine Paniktreiber. 

Ich hätte mir einen Minister gewünscht, der auch in angespannten Momenten Besonnenheit und Zuversicht ausstrahlt. Nein, es bedarf keiner Schönfärberei, aber durchaus perspektivischer Szenarien, die den Menschen Mut machen, weiterhin durchzuhalten. 

Lauterbach mag ein exzellenter Fachmann auf seinem Gebiet sein, der blindes Vertrauen in jene Empirie besitzt, die seiner Lehrmeinung entspricht und ihm in den Kram passt. Ein Notfallmanager ist er nicht – und trotz seiner hohen Zustimmungswerte aus meiner Sicht die größte Fehlbesetzung im Kabinett Scholz.

Dennis Riehle - 09:30:58 @ Politik

16.12.2021

Wenn der Union die Kompassnadel fehlt…

Leserbrief
zur Berichterstattung über die Regierungserklärung von Olaf Scholz, „FAZ“ vom 16.12.2021

Die Unionsfraktion im Deutschen Bundestag hat eine konstruktive Arbeit angekündigt. In der Rede ihres Vorsitzenden als Antwort auf die Regierungserklärung von Olaf Scholz ruderte Brinkhaus allerdings ersichtlich mit den Armen: Inhaltlich konnte er den Worten des SPD-Politikers nichts entgegensetzen, flüchtete sich in die Selbstbeweihräucherung vergangener 16 Jahre Führungsstärke Angela Merkels und hatte dem neuen Kabinettschef sachlich gesehen nichts Substanzielles und Alternatives vorzuhalten. 

Die Frage, weshalb die CDU/CSU die Zusammenarbeit mit der Linkspartei ablehnen wird, umschiffte er elegant. Das Schwadronieren von christlichen, freiheitlichen und sozialen Werten blieb ohne jegliche Konkretheit. Sein Vorwurf an die Ampel, es fehlten die großen Linien, untermauerte der Christdemokrat nicht. Offenbar konnte er es innerlich nicht verkraften, dass die Rede des neuen Kanzlers weit mehr Vision, Tatenkraft und Explizitheit umfasste, als es dies bei der Amtsvorgängerin je der Fall gewesen ist. 

Schon zu Beginn ihrer Rolle als Gegenpart zum rot-grün-gelben Bündnis mangelt es der größten Gegenkraft im Parlament an Elan und Konzepten für eigene Standpunkte, mit denen man Kontra geben könnte. Wer weiß, wie lange ihre Suche nach Orientierung innerhalb des neu zusammengesetzten Plenums dauern wird. Mit dem durchschaubaren Ablenkungsmanöver auf die angestrebte Veränderung in der Sitzordnung des Hohen Hauses bewiesen die konservativen Schwesterparteien, dass ihrem armseligen Versuch der eigenen Positionierung zumindest im Augenblick keine wirkliche Ambition zu ernsthafter Oppositionsführung folgen wird.

Dennis Riehle - 09:34:45 @ Politik

Hörgeräte für die Bundesregierung

Leserbrief
zu: „Familienministerin wünscht sich einheitliche Gender-Sprache für Ampel“

Da war die „Ampel“-Regierung noch nicht einmal einen Tag im Amt, da wurde öffentlich bekannt, dass die neue Bundesfamilienministerin eine Offensive zur Förderung der Gendersprache plane. Deutschland befindet sich aktuell in einer der schwersten Krisen der Bundesrepublik – und Anne Spiegel hat nichts Anderes zu tun, als das Sternchen, den Doppelpunkt und das Binnen-I zu forcieren? Die Koalition hatte stets betont, sie wolle verstärkt auf die Menschen hören. Für die Frauenministerin gilt das offenbar nicht. 

Denn würde sie sich an der Stimmung in der Bevölkerung messen, müsste sie aus zahlreichen Umfragen wissen, dass die Mehrheit der Bürger eine Abschaffung des generischen Maskulinums ablehnt. Stattdessen erwarten viele von ihnen, dass sich die Politik nicht länger mit Nischenthemen befasst, sondern Veränderungen dort auf den Weg bringt, wo Deutschland sie dringend bedarf. Und das ist sicher nicht beim Thema „Sprache“ in öffentlichen Institutionen, den Medien oder gar in der Gesellschaft der Fall. 

Auch wenn Studien offenbar belegen, dass die Verwendung von diversen Formulierungen gerade bei jungen Menschen dazu beiträgt, die Gleichstellung auch in deren Köpfen voranzubringen, muss es stets bei einer Abwägung bleiben: Ist der Mehrwert einer angepassten Ausdrucksform größer als die Konsequenzen, die eine Verunstaltung unserer Sprechweise mit sich bringt? Ich komme für mich zu einem eindeutigen Ergebnis: Die krampfhafte Einbeziehung des weiblichen Geschlechts in unser Gesagtes und Geschriebenes führt zu einer massiven Überforderung unseres Gehirns und lässt uns selbst einfache Texte nicht mehr hinreichend verstehen. Notwendige Sprechpausen lassen Zusammenhänge auseinanderreißen, Inhalte können nicht mehr in ihrem Kontext eingeordnet und kognitiv verarbeitet werden. 

Gleichsam wird Politik (noch) schwieriger verständlich, wenn Botschaften künftig gentrifiziert werden und für den Normalbürger in ihren Bedeutungen nicht mehr nachvollziehbar sind. Insofern befürchte ich mit dem Ansinnen von Ministerin Spiegel nicht nur eine weitere Spaltung im Land, sondern auch einen schneller wachsenden Verdruss, ein Desinteresse und weniger Glaubwürdigkeit gegenüber dem Staat, was gerade in diesen Zeiten verheerende Auswirkung hat. Die „Grünen“-Politikerin hat mittlerweile eine neue Forderung bekanntgegeben: Sie will einen Kinderbonus für einkommensschwache Familien initiieren. 

Offenbar hat sie gemerkt, dass man mit solchen Anliegen eher punkten kann, als mit einer aufoktroyierten Sprache. Wenn sich Rot-Grün-Gelb tatsächlich an den Bedürfnissen des Volkes und an mehr Bürgerbeteiligung orientieren will, wäre es ein geschickter Schachzug, Ideen zunächst intern zu diskutieren und auf ihre Gegenliebe in der Einwohnerschaft zu prüfen, ehe man sie losposaunt und kurze Zeit später mit anderen Vorschläge kaschieren muss…

Dennis Riehle - 09:33:15 @ Politik

Linker Türöffner

Leserbrief
zu: „SPD: Kevin Kühnert könnte Generalsekretär werden“, „ZEIT“ vom 03.12.2021

Manchen Sozialdemokraten ist er zu extrem, nach seinen Äußerungen zum Thema „Enteignungen“ legte man ihm bereits einen Parteiwechsel nahe: Kevin Kühnert gilt als wortgewandte Nachwuchshoffnung in der SPD – und könnte als künftiger Generalsekretär zum Türöffner werden. Denn auch wenn die „Ampel“-Koalition schon heute davon spricht, über die derzeitige Legislaturperiode hinaus regieren zu wollen, tut gerade Rot-Grün gut daran, sich im Zweifel eine Option mit der Linkspartei offenzuhalten. 

Für ein solches Bündnis könnte der ehemalige Juso-Vorsitzende ein Brückenbauer sein, der sicherlich auch fortwährende Kontakte zu den „Fundis“ bei den Grünen und den regierungswilligen Kräften in der LINKEN pflegen wird. Gerade für letztere könnte die Nominierung Kühnerts in ein wichtiges Amt der Sozialdemokratie ein Ansporn sein, sich in den kommenden vier Jahren auf eine Beteiligung an einer eventuellen Regierung 2025 vorzubereiten. Seine Netzwerkkompetenz hat der mögliche Wahlkampfmanager bereits vielfach unter Beweis gestellt. 

In Talkshows tritt er rhetorisch und argumentativ überzeugend auf, vermag hinter den Kulissen die Strippen zu ziehen und dürfte wie sein Genosse, der kommende Parteivorsitzende Klingbeil, zum Dialog fähig sein. Dass er eine klare Kante in arbeitsmarktspezifischen, gesellschaftsrelevanten und außenpolitischen Themen vertritt, hat ihm neben Kritik aus den eigenen Reihen in der Bevölkerung viel Sympathie und Zustimmung gebracht. 

Insofern dürfte er nicht nur in der jetzigen Koalition zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den Lagern werden, sondern gleichsam auf die Notwendigkeit einer sozialen Verträglichkeit des ökologischen Wandels pochen. Kühnert kann mit seiner Klugheit, Ruhe und dialektischen Art linke Politik in Deutschland wieder attraktiv machen. Ich verbinde mit ihm die Aussicht auf eine solidarischere Zukunft, weil er die Probleme eines kapitalistischen Weltbildes und die Probleme des kleinen Mannes erkannt hat.

Dennis Riehle - 09:31:15 @ Politik

Diktatur-Vergleiche hinken (fast) immer…

Leserbrief
zu: „Die Impfpflicht ist eine verfassungswidrige Anmaßung des Staates“, „WELT“ vom 02.12.2021

Der frühere SPD-Bundesminister Schily lässt mit einer Äußerung aufhorchen: Nicht einmal im autoritären China gibt es eine allgemeine Impfpflicht, sagt er – und bezeichnet die angedachte Regelung für Deutschland als „unverantwortlich“ und „anmaßend“. Auch ich habe mich als Betroffener einer anhaltenden Impfkomplikation lange Zeit skeptisch gezeigt, ob solch ein Schritt in der Bundesrepublik verfassungsgemäß und gleichsam sinnvoll wäre. Nicht nur die Endlosschleife des Corona-Virus und die dramatischen Ausmaße der vierten Welle haben mich jedoch umdenken lassen: 

Was zunächst wie ein staatlich verordneter Druck aussehen mag, ist letztlich der einzige Weg, damit wir gemeinsam wieder unabhängiger leben können. Freiheit gibt es nicht ohne Solidarität, weshalb eine verpflichtende Impfung aus meiner heutigen Sicht unabdingbar ist, um die Pandemie irgendwann einmal hinter uns lassen zu können. Niemand wird bei der Impfpflicht in die Arztpraxis gezerrt werden. Allerdings wäre das Gebot zur Immunisierung bei Nichtbeachtung wohl mit einem Bußgeld verbunden. Jedoch verstehe ich solch eine Konsequenz nicht als Ausdruck eines Zwangs, sondern als klares Signal an unsere Gesellschaft zum Zusammenhalt. 

Natürlich kann man Gesundheit nicht verordnen. Trotzdem wäre eine Impfpflicht eine Mahnung für alle jene, die bis heute den Ernst der Lage nicht verstanden haben: Es geht in der Frage um einen Schutz vor dem Virus nicht nur um unsere eigene Unversehrtheit, sondern auch um die Verantwortung gegenüber Anderen und insbesondere dem Personal im medizinischen und pflegerischen Gesundheitswesen. Wir leben in einem Sozialstaat, in dem es das Grundgesetz nach meiner Auffassung nicht nur zulässt, sondern gar gebietet, dass der Einzelne in der Abwägung seine Souveränität dem Gemeinwohl und dem Leben von Vielen unterordnet. 

Ich bin aber auch dafür, dass die allgemeine Impfpflicht Ausnahmen kennen muss: Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen und Immundefiziten müssen das Recht besitzen, nach eingehender Aufklärung und Beratung durch entsprechende Fachärzte die Immunisierung zu verweigern. Denn im Gegensatz zum Robert-Koch-Institut gehe ich davon aus, dass ein deutlich größerer Personenkreis zu dem Klientel gehört, für das das Risiko einer schwerwiegenden Impfnebenwirkung nicht im Verhältnis zum Nutzen der Impfung steht. Insofern wünsche ich mir von der Politik zwar ein entschlossenes, aber durchaus differenziertes Vorgehen – und keine demokratischen Vergleiche mit Diktaturen.

Dennis Riehle - 09:30:28 @ Gesellschaft