Dennis Riehle

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14.07.2022

Das Ende der Geschlechter? – Keine gute Idee…

Wer sich heute im Internet über die existierenden Geschlechter informieren will, erhält schon seit langem nicht mehr die Antwort „männlich, weiblich, divers“. Mittlerweile gibt es Dutzende Vorschläge, wie sich ein Mensch sehen kann. Als Homosexueller, der aus genetischen Gründen intersexuelle Tendenzen aufweist, gab es für mich nie einen Zweifel, mich als Mann zu verstehen. Der Respekt vor jedem Einzelnen von uns gebietet es, sich mit Belehrungen zurückzuhalten. Allerdings habe ich in meiner langjährigen Arbeit als Psychologischer Berater viele Personen getroffen, die mit ihrer Geschlechtszuordnung gehadert haben. Hierbei ging es aber nicht allein um die Frage, am biologischen Genus zu zweifeln. Viel eher bestand der Wunsch nach einer Heimat. Natürlich ist es sehr legitim, sich abseits von der binären Zuordnung eine ganz eigene Definition des „Ichs“ zu schaffen. Und wie oft klaffen natürliches und soziales Geschlecht auseinander!

Jedoch ist die Kategorisierung in bestimmte Rollen kein gesellschaftlicher Zwang, sondern ein wichtiger Ausdruck persönlicher Orientierung und Zugehörigkeit, die dabei hilft, sich eine verlässliche Identität zu schaffen. Meine Erfahrung ist: Wer sein Leben lang auf der Suche nach dem Selbst ist, findet meist keine Ruhe. Unbestritten ist: In einer liberalen Demokratie kann jeder empfinden, fühlen und sich bekennen, wie er und sie es für richtig hält. Darauf hat die Außenwelt eben keinerlei Einfluss zu nehmen. Auch Regeln und Normen eines Miteinanders sind nicht Grund dafür, sich letztlich einer bestimmten Klassifizierung zu unterwerfen. Viel eher zeigt die Praxis: Wer fortwährend nach einer inneren Einheit mit sich Ausschau hält, versetzt die eigene Seele in beständigen Stress und verhindert so ein Ankommen in der Wirklichkeit. Hier geht es also gerade nicht um das sich durch äußeren Druck verursachte Einpressen in eine festgelegte Geschlechterrolle.

Entgegen des ständigen Vorwurfs der Genderforschung und der emanzipatorisch-queeren Bewegung, halte ich es nicht für sinnvoll, aufgrund des Willens der Mehrheitsbevölkerung die Entscheidung für ein explizites Geschlecht zu treffen. Es trägt eher zum subjektiven Bedürfnis nach Einklang von jedem von uns bei, einen Frieden mit der eigenen Geschlechteridentität zu finden. Der beständige Versuch, das Verständnis eines Genus zu überwinden und die Normierung der Menschen durch eine Ausdifferenzierung von der individuellen Wahrnehmung seiner Person aufzuheben, fördert schlussendlich eine psychische Desorientierung und verkennt das evolutionär gewachsene Bestreben nach Sicherheit. Zu wissen, wer man ist – diese Erkenntnis schenkt ein förderliches Ichbewusstsein.

Rollen sind nicht dazu da, von ihnen vereinnahmt zu werden. Viel eher ist die verstandene Zugehörigkeit zu einem definierten Geschlecht ein Beitrag zu einer Deckungsgleichheit zwischen empfundenem und gelebtem Sein. Dass biologisches und soziales Genus auseinanderklaffen können, ist keine Seltenheit mehr. Bestens kann ich verstehen, wie es sich anfühlt, zwischen Mann und Frau unentschlossen zu schwanken. Und auch das Ansinnen, ein anderes als das angeborene und durch körperliche Merkmale ausgeprägte Geschlecht annehmen zu wollen, ist in der Gegenwart normal und akzeptiert. Wer allerdings ständig gegen die Identifikation mit einem durch die Menschheitsgeschichte geschaffenen – und aus meiner Sicht durchaus sinnvollen – Gerüst und Rahmen anzukämpfen vermag, verliert sich in Unrast und beschäftigt sich stärker mit der Erkundung seiner eigenen Persönlichkeit, als das Leben und Dasein zu praktizieren und zu genießen.

Männlich oder weiblich zu sein – jeder von uns kann heute sein ganz eigenes Verständnis der Geschlechter vornehmen und es ist uns überaus unbenommen, Schattierungen der gemeinschaftlichen Definition des binären Geschlechtssystems vorzunehmen. Gerade die Ausformung des sozialen Seins liegt mittlerweile in den Händen des Individuums und ist als Selbstbestimmungsrecht unantastbar. Der in den vergangenen Jahrzehnten emporgestiegene, beharrliche Einsatz für die Aufweichung der über Jahrtausende gültigen Geschlechterordnung ist Ausdruck eines Widerstandes, der sich nicht in erster Linie gegen Konventionen richtet. Viel eher verfolgt Genderisierung das Ziel von grenzenloser Entscheidungsfreiheit im libertären Gesellschaftsgeflecht, die sicher ein hehres Anliegen sein mag. Am Ende sind Übereinkünfte der Sozietät über Grundzüge eines Sexus hilfreich, um sich auf Verhaltensweisen und Umgangsformen verständigen zu können. Denn wo Beliebigkeit obsiegt, wird eine Gemeinschaft vor eine Zerreißprobe gestellt, weil sie Ungleichbehandlung forciert, statt Verschiedenheit zu fördern.

Dennis Riehle - 06:21:57 @ Gesellschaft