Dennis Riehle

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an dieser Stelle haben Sie die Möglichkeit, in meinem Blog von mir verfasste Texte zu lesen. Darunter finden sich Pressemitteilungen, Leserbriefe und Standpunkte zu Themen der Zeit, kritische Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen sowie soziale und politische Meinungsbeiträge, die nicht den Anspruch erheben, in jedem Fall dem "Mainstream" zu entsprechen. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie manche Beiträge nachdenklich machen oder gar Ihre eigene Gegendarstellung provozieren. Gerne können Sie mir deshalb auch Ihr Feedback unter Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de zukommen lassen. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!


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01.11.2021

Christlicher Tacheles

Leserbrief
zu: „Thüringen feiert 500 Jahre Bibelübersetzung: Reformationstag“, „ZEIT“ vom 01.11.2021

Nach Jahrhunderten seit des Thesenanschlags von Martin Luther ist die Reformation aktueller denn je. Denn nicht nur die katholische Kirche hat momentan zu kämpfen. Teilweise muss der Protestantismus in Deutschland stellenweise sogar deutlich stärker an Mitgliedern federn lassen, als es bei den vom sexuellen Missbrauch und der Frage nach dem „Synodalen Weg“ gebeutelten Mitchristen der Fall ist. 

Die evangelische Seite muss sich in diesen Zeiten vor allem fragen, warum sie vom religiösen Verkündiger zum politischen Forderer geworden ist. Immer öfter greift sie in die Tagespolitik ein – und versteht sich damit als ein wesentlicher „Player“ in Themen wie Migration, Pluralismus und Armut. Zweifelsohne: Es war bereits das Ansinnen der Reformatoren, die Kirche auch zu einem Sprachrohr für gesellschaftliche Missstände zu machen. Und ich begrüße es zweifelsohne, dass sie sich in ihren Predigten zu den himmelschreienden Schieflagen auch in unserem Land äußert. 

Wer aber Politikerreden hören möchte, sollte in den Bundestag gehen. Von einer Kirche erwarte ich etwas anderes als latente Wahlwerbung. Die Rückbesinnung auf ihren wesentlichen Auftrag hat sie seit Jahren versäumt, obwohl viele ausgetretene Schäfchen den Finger genau in diese Wunde legen: Wer am Sonntag den Gottesdienst aufsucht, möchte auf Grundlage des Evangeliums eine Botschaft hören, die konkrete Anleitung für den Lebensalltag des Einzelnen gibt. 

Die EKD mit ihren Gliedkirchen fährt stattdessen seit geraumer Zeit den Kurs, auf einer Metaebene mitsprechen zu wollen – und vergisst dabei, dass es ihre eigentliche Aufgabe wäre, die Gläubigen in ihrer Existenz abzuholen. Gerade in Augenblicken der Krise und der persönlichen Schicksalsschläge muss der seelsorgerliche Dienst wieder sehr viel mehr Raum einnehmen. Kirche braucht neue Empathie für die Leiden der Menschen, statt abstrakt Sachpolitik zu kommentieren. Den Theologen sollte es Ansporn sein, von den Kanzeln für die Nachfolge Jesu zu begeistern – und anhand seines Werkes aufzuzeigen, wie das Leben auch in den schwierigen Momenten gelingen kann. 

Das biblische Wort gibt praktische Anweisungen für das Dasein in der Not, die uns Laien übersetzt und nahegebracht werden sollten. Christlicher Tacheles statt zeitgeistiges Gerede – das wünsche ich mir für die Kirche des 21. Jahrhunderts, die sich nicht nur am 31. Oktober der Klarheit von Wittenberg bewusst werden darf.

Dennis Riehle - 11:07 @ Glaube