Dennis Riehle

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19.06.2021

Wut-Liberale

Leserbrief
zum Vorstandsbeschluss der Jungliberalen über die Abschaffung von Kirchensteuereinzug, Sonntagsruhe und Religionsunterricht 

Der Beschlussentwurf des Bundesvorstandes der „Jungen Liberalen“ ist ein emotionaler Wutausbruch. Als Reaktion auf die momentanen Krisen der Kirche scheint man bei den Nachwuchspolitikern der Freien Demokraten mit einem Rundumschlag auszuholen. Nein, Überlegtheit sieht anders aus. Ich selbst bin mittlerweile konfessionsfrei, dennoch halte ich die Forderungen aus der FDP-Jugendorganisation für maßlos übertrieben und völlig undifferenziert. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass im 21. Jahrhundert eine grundlegende Reform des Kirche-Staat-Verhältnisses notwendig ist. 

Seit langem habe ich mich dafür eingesetzt, dass Kirchensteuern nicht länger von Finanzämtern erhoben werden – denn es darf nicht sein, dass eine Religionsgemeinschaft hoheitliche Aufgaben abwälzt und den Staat zum persönlichen Schuldeneintreiber macht. Die Verflechtungen, die zwischen den christlichen Kirchen und der Bundesrepublik bestehen, müssen entzerrt werden. Dazu gehört auch eine Verfassungsänderung, denn Privilegien und Staatsleistungen aus mittelalterlichen Zeiten haben sich längst überdauert. Zudem braucht ein säkularer Staat keine Präambel mit Gottesbezug, wenn die offenkundige Mehrheit der Deutschen eher auf zwischenmenschliche Solidarität und Eigenverantwortung baut, als ihr Vertrauen in himmlischen Beistand zu setzen. 

Dass es die „JuLis“ nun aber auch auf die Sonntagsruhe abgesehen haben, ist ein Beweis für deren tiefe Verhaftung in einer neoliberalen Ideologie unbegrenzter Marktradikalität. Nein, es hat wahrlich nicht nur religiöse Gründe, dass wir an einem Tag in der Woche „abhängen“ dürfen. Offenbar hat man bei den Jungliberalen bislang noch nichts von Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung gehört. Einem Großteil der Bevölkerung eine Oase zu gönnen, um für die neue Woche gestärkt und motiviert zu sein – das hat etwas mit staatlicher Verantwortung zu tun, weniger mit dem individuellen Glaubensbild. Der Wunsch des Kapitalismus, den Menschen an 24 Stunden aller sieben Tage pro Woche dem Wachstum zu unterstellen, ist mit den Grundsätzen der Marktwirtschaft nicht vereinbar. Es ist für die im Beruf stehende Bevölkerung ein glatter Hohn, wenn die Jungliberalen unter dem Deckmantel der Kirchenkritik Arbeitnehmerrechte auf das Schärfste beschneiden möchten – und dem Land ihre Weltanschauung grenzenloser Ökonomisierung aufoktroyieren wollen. 

Und was die Forderung nach Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts an den Schulen angeht, so erkenne selbst ich den Bedarf nach Gleichberechtigung. Allerdings halte ich es für zwingend notwendig, dass wir jungen Menschen auch künftig eine Werteorientierung mit an die Hand geben. Zweifelsfrei wäre das gleichsam in einem für alle Schüler verpflichtenden Fach „Ethik“ möglich. Allerdings halte ich es nicht nur aus Gründen von Artikel 4 Grundgesetz für sinnvoll, Jugendlichen religiöse Unterrichtung an allgemeinbildenden Schulen zugänglich zu machen. Denn das Wissen um die eigene und fremde Religionen gehört nach meinem Verständnis zur Erlangung menschlicher Reife hinzu. 

Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass es allemal hilfreicher ist, wenn wir religiöse Bildung nicht allein in den privaten Bereich zurückdrängen, auf den wir nahezu keinerlei Zugriff mehr haben und deshalb verstärkt fürchten müssten, dass junge Menschen auch radikalisierten Ansichten ausgesetzt sind. Viel eher würde ich daher begrüßen, ein flächendeckendes Angebot von humanistischem Unterricht zu ermöglichen, dem konfessionslose Schüler beiwohnen sollten. Zusammenfassend bleibt mir zum beschlossenen Positionspapier des „JuLi“-Vorstandes nur zu sagen: „Schlecht gebrüllt, Löwe!“.

DennisRiehle - 07:10 @ Politik