Archiv

2021:Juni | Juli | August | September | Oktober | November

25.10.2021

Verständliche Skepsis

Leserbrief
zu „‘Langzeitfolgen‘ verstehen viele falsch“, „FOCUS“ vom 25.10.2021

Zweifelsohne orientieren sich nicht nur junge Menschen auch heutzutage an Prominenten und deren Verhalten. Unter dieser Feststellung vermag es nachvollziehbar zu sein, dass sich manche Politiker und Funktionäre dafür einsetzen, wonach auch Fußballspieler gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich den Pieks gegen „Corona“ setzen lassen sollten. 

Eine Impfung bleibt aber ein massiver Eingriff in den Organismus – und sie sollte deshalb wohlüberlegt sein. Weder Bayerns Innenminister Herrmann, noch SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach oder der ehemalige FC-Bayern-Boss Rummenigge können und dürfen Kimmich in seiner höchstpersönlichen Entscheidung beeinflussen. 

Als Betroffener einer potenziellen, seit knapp fünf Monaten fortwährenden Impfkomplikation nach der Immunisierung gegen „Covid-19“ unterstütze ich die Selbstbestimmung jedes Einzelnen in der Frage, ob man sich mit den bisher – verständlicherweise – auf Langzeitrisiken kaum untersuchten Vakzinen impfen lassen möchte. Es besteht in Deutschland glücklicherweise keine Pflicht dazu, deshalb bleibt es auch bei Personen, die im Rampenlicht stehen, ein absolut freiwilliger Entschluss. 

Es ist ohnehin verwerflich genug, mit welchen Maßnahmen bereits indirekt auf die ungeimpfte Bevölkerung Druck ausgeübt wird. Natürlich sollte sich jeder von uns seiner Solidarität gegenüber den Mitbürgern bewusst sein – und sich im eigenen, gleichsam aber auch im fremden Interesse schützen. Es hilft allerdings ebenso niemandem von uns, wenn auf absehbare Zeit immer mehr Menschen mit erheblichen Folgen der Immunisierung zu kämpfen haben. Schließlich ist nicht nur „Long-Covid“ ein Problem, sondern auch die fortdauernden Nebenwirkungen einer Injektion können zu manifesten Gesundheitsstörungen führen. 

Daher scheint für mich unbestritten, dass wir mehr Information über solche umgehend nach der Impfung auftretenden, aber möglicherweise langanhaltenden, irreversiblen Effekte brauchen, um für Aufklärung und Transparenz zu sorgen. Denn nur dann kann Glaubwürdigkeit und Vertrauen geschaffen werden. Indem wir aber verschweigen, dass unerwünschte Wirkungen bleiben können (wozu gibt es ansonsten ein Soziales Entschädigungsrecht in Deutschland, das im Zweifel Impfgeschädigten hilft?), schaffen wir Unsicherheit – und werden deshalb auch Kimmich zu Recht nicht überzeugen können. 

Vorbildhaft ist eben nicht nur derjenige, der den politischen und gesellschaftlichen Impfaufforderungen folgt – sondern auch jeder, der sich unter einer verständlichen, ernsthaften Abwägung aus freiem Willen gegen seine Immunisierung ausspricht.

Dennis Riehle - 09:32 @ Gesellschaft