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26.07.2021

Politikstil? Angstmacherei!

Leserbrief
zu den Warnungen von Gesundheitsminister Spahn vor einer 800er-Inzidenz

Was waren das noch für Zeiten, als unsere Politiker voller Hoffnung und Zuversicht waren. Man erinnere sich an einen Sozialminister, der uns versprach, dass die Rente sicher sein wird. Oder an eine Kanzlerin, die mit ihrem Finanzminister vor der Kamera fest zusicherte, dass sich die Anleger um ihr Erspartes in der Finanzkrise keine Sorgen machen müssten. 

Und heute? Da mahnt ein Gesundheitsminister bei einer Inzidenz von knapp über 10 vor einem möglichen Anstieg auf 800 Corona-Erkrankte unter 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen. Da kündigt ein Experte der SPD für alle Notlagen und sonstigen Unglücksfälle vor Auslaufen der dritten schon die vierte Covid-19-Welle an. Und dann ist da noch ein Ministerpräsident, der angesichts einer Jahrhundert-Flut prognostiziert, dass wir fortan viel öfter von „Mini-Tsunamis“ heimgesucht werden. 

Statt ermutigend zu sein, setzen die Verantwortlichen im Jahr 2021 auf einen Politikstil der Angstmacherei – wohlwissend, dass viele ihrer Vorhersagen schon in der Vergangenheit misslangen und zu Verunsicherung führten. Letztlich erweisen sie damit „Corona“- und „Klima-Leugnern“ einen Bärendienst, denn es sind diese „Querdenker“ und Paranoiker, die die politisch indoktrinierte Furcht bei den Menschen ausnutzen und für ihre Ziele missbrauchen. 

Bürger, die ständig gewarnt werden, bilden irgendwann Trugbilder aus und sind nahezu wahnhaft von dem Gedanken besessen, die „bösen Kräfte der Macht“ lenkten den gesamten Staat und hätten die Seuche lediglich zum Zweck erfunden, die Bevölkerung zu gängeln und in ihren Grundrechten zu beschneiden. Wie brandgefährlich also die ständige Moralkeule ist, die den Deutschen ihre Mündigkeit zur Selbsteinschätzung nimmt, zeigt der wachsende Einfluss der Verschwörungstheoretiker auf unseren Straßen – und sogar in den Katastrophengebieten des Hochwassers. 

Zudem halte ich es für überaus bedenklich, wenn sich Politik beispielsweise in der Frage des Umweltschutzes blind den Thesen von Bürgerbewegungen wie „Fridays for Future“ annimmt und in den Abgesang auf unsere Welt gänzlich unreflektiert miteinstimmt. Wo bleibt das Vertrauen in die Fähigkeit der Bürger, sich unabhängig eine Meinung bilden zu können, ohne andauernd von Politikern mit Bedenken gequält zu werden, die eine optimistische Vorausschau vollkommen verunmöglichen? 

Ist es nicht auch Aufgabe unserer öffentlichen Mandatsträger, Perspektiven zu geben und konstruktive Zukunftserwartungen zu fördern? Lassen wir uns nicht anstecken von dieser unsichtbaren Pandemie des Schlechtredens, sondern animieren wir uns aus eigenen Stücken zu einer lebensbejahenden Grundeinstellung. Denn aus Bedrohungsgefühlen und Fracksausen erwächst keine Motivation, Probleme fruchtbar und produktiv zu bewältigen…

DennisRiehle - 21:27 @ Politik