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21.10.2021

Eine getriebene Generation!

Leserbrief
zu: „Grüne Jugend kritisiert Stand der Ampel-Gespräche zum Klimaschutz“, „WELT“ vom 21.10.2021

Ich bin zweifelsohne dafür, dass jeder von uns den eigenen Lebensstil auf Nachhaltigkeit überprüft. Wir können viele Ressourcen einsparen, doch sollten wir uns von einer ideologischen Verkrampfung lösen, Deutschland könne mit einer neuen Bundesregierung und deren Maßnahmen für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels sorgen. 

Unbestritten ist der anthropologische Anteil am Klimawandel, dennoch fehlen mir bis heute über die Modellrechnungen und empirischen Daten hinausgehende Belege dafür, wonach eindeutig Zusammenhänge zwischen CO2-Ausstoß und der perspektivischen Veränderung unseres Wetters bestehen. Vergessen wird allzu oft, dass evolutionsbedingte Schwankungen schon seit jeher existieren, Verschiebungen des Golfstroms Anteil an der künftigen Temperaturentwicklung nehmen werden und die mehrheitlichen Emissionen weder aus Autos oder Kohlekraftwerken, sondern vor allem durch Kühe entstehen. Und warum wir reflexartig aus der Kernenergie aussteigen mussten, um nun zu erkennen, dass wir ohne den Zukauf von Atomstrom aus maroden Meilern im Ausland nicht auskommen werden, erschließt sich mir ebenfalls nicht. 

Auch die aktuell von der „Grünen Jugend“ geäußerte Kritik an den Sondierungsergebnissen der „Ampel“-Koalitionäre setzt ausschließlich auf Schuldgefühle: Der Mensch ist in ihren Augen alleiniger Verantwortlicher für die Zunahme extremer Naturereignisse und wird mit der moralischen Keule massiv unter Druck gesetzt, durch panikartige Reaktionen gegen ein Phänomen zu wirken, auf das wir nach meiner Einschätzung eben nur bedingt Einfluss haben. 

Die Diskussion um Maßnahmen zur Abwehr des Klimawandels verdrängt jedwede Debatte über die Lösung praktischer Probleme der Gegenwart, die insbesondere im Sozialen zu finden sind. Der Absolutheitsanspruch der Umweltbewegung ist durch nichts gerechtfertigt. Als vergleichsweise junger Mitbürger ist auch mir die Zukunft unseres Planeten nicht egal. Aber ich habe ein Problem damit, wenn eine nahezu schon religiös anmutende Weltanschauung einer ganzen Generation Naivität befördert und Verblendung verursacht. Ich sorge mich, wenn mit Angst Politik gemacht wird. 

Schlussendlich wäre es rationaler, auf manch gottgegebene Wirklichkeit mit Anpassung zu reagieren, statt unendlich viel Kraft, Zeit und Geld in einen Kampf zu investieren, den wir überhaupt nicht gewinnen können.

Dennis Riehle - 12:52 @ Politik