Dennis Riehle

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an dieser Stelle haben Sie die Möglichkeit, in meinem Blog von mir verfasste Texte zu lesen. Darunter finden sich Pressemitteilungen, Leserbriefe und Standpunkte zu Themen der Zeit, kritische Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen sowie soziale und politische Meinungsbeiträge, die nicht den Anspruch erheben, in jedem Fall dem "Mainstream" zu entsprechen. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie manche Beiträge nachdenklich machen oder gar Ihre eigene Gegendarstellung provozieren. Gerne können Sie mir deshalb auch Ihr Feedback unter Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de zukommen lassen. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!


Ihr Dennis Riehle


V.i.S.d.P. für diesen Blog:

Dennis Riehle

Martin-Schleyer-Str. 27

78465 Konstanz

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25.06.2022

Wenn Abtreibungen zum Normalfall werden: Von der Freiheit zur Beliebigkeit…

Kommentar

Ja, man mag mich als rückschrittig, konservativ und aus der Zeit gefallen betrachten. Doch nach der Entscheidung des Deutschen Bundestages für eine Freigabe von Werbung für Schwangerschaftsabbrüche kann ich die Feierstimmung unter linken Teilen der Bevölkerung nur schwerlich nachvollziehen. Wenngleich ich mit der Abschaffung des § 219a des Strafgesetzbuches noch keinen Dammbruch erkenne, geht die Debatte dennoch in eine falsche Richtung. Nahezu schon inflationär wurde dieser Tage die „ungewollte Schwangerschaft“ ins Feld geführt, bei der Frauen aufgrund ihrer sexuellen Selbstbestimmung das Recht auf Zugang zu Informationen für eine Abtreibung haben müssten. Nun können die Grenzen zwischen profitorientierter Werbung und sachlicher Darlegung von Details über das Angebot eines Schwangerschaftsabbruchs durch einen Arzt fließend sein. Es ist sicherlich zu begrüßen, wenn eine Frau in einer tatsächlichen Notlage auf fachkundiges Wissen zurückgreifen kann, statt sich möglicherweise vielleicht im Ausland über Abtreibungen unterrichten zu lassen. Gleichzeitig wird mit der parallel zur Abschaffung des Werbeverbots implementierten Regelung der Möglichkeiten neutraler Information über solche Eingriffe in der Heilmittel-Werbegesetz-Ordnung ein gewisser Rahmen geschaffen, was den Medizinern erlaubt sein soll – und wann sie Grenzen zu einem etwaigen Eigennutz deutlich überschreiten. Gleichzeitig wird durch die Neuregelung allerdings auch in das bisherige Gebot, wonach Beratung über die Abtreibung durch unabhängige Stellen erfolgen soll, welche nicht in den eigentlichen Schwangerschaftsabbruch involviert sind, sehr deutlich eingegriffen. Denn vor allem die Linie zwischen Beratung und Information lässt sich noch weniger gut trennen als jene zur offenkundigen Vermarktung von Abtreibungs-Eingriffen durch Ärzte.

In aller Diskussion kam eine Frage zu kurz – auch wenn jeder Redner in der Bundestagssitzung versuchte, sie irgendwie zu streifen: Mit der Aufhebung von Paragraf 219a sei eben gerade keine Aussage über die prinzipielle Strafbarkeit der Abtreibung getroffen worden. Sie bleibt auch weiterhin im Strafgesetzbuch als unzulässige Handlung erhalten und lediglich bei der Einhaltung von Auflagen – wie der Beratungspflicht und der zwingenden Fristen – auch fortan straffrei. Allerdings ist selbst dies nicht in Stein gemeißelt, denn die Abtreibungsbefürworter aus Linkspartei, Grünen und SPD planen offenbar, selbst sie zu kippen. Dass mit der Abschaffung des Werbeverbots ein Beitrag für den Lebensschutz geleistet worden sein soll, kann ich nicht erkennen – ganz im Gegenteil. Stattdessen ist dieser erste Schritt eine Ebnung für die weitere Liberalisierung des Abtreibungsrechts in Deutschland. Und auch in den Aussagen der allermeisten Redebeiträge im Parlament wurde deutlich, dass die überwiegende Anzahl von Abgeordneten die Selbstbestimmung der Frau über ihren eigenen Körper prinzipiell höher ansiedelt als das Recht des ungeborenen Lebens. Dabei sind die entsprechenden Urteile des Bundesverfassungsgerichts einschlägig. Auch das heranwachsende Kind im Bauch der Mutter hat bereits Ansprüche. Sie stehen dem Rechtsgut der Persönlichkeitsrechte von Frauen gegenüber.

Beratungsorganisationen, die zumeist der feministischen und linksorientierten Meinung folgen, weisen insbesondere darauf hin, dass das Recht zu einer Abtreibung für jede Frau, die ungewollt schwanger geworden ist, zum Grundrecht über die persönliche Selbstbestimmung gehört. Sie verschweigen dabei stets die verfassungsrechtlich gebotenen Anrechte des noch nicht geborenen Lebens und nehmen hierfür eine merkwürdig einseitige Folgenabwägung vor. Grundsätzlich stellt sich die Frage: Was ist eine ungewollte Schwangerschaft? Und obliegt es einer mündigen Frau, die für sich Rechte auf den eigenen Körper beansprucht und in die Waagschale wirft, nicht dann auch gleichzeitig, bei dem Willen, nicht schwanger werden zu wollen, alle nötigen Maßnahmen zu unternehmen und Prävention zu leisten, damit in einer modernen Welt eine Schwangerschaft gar nicht erst eintritt? Von einer derart selbstüberzeugten Frau, wie sie von feministischen Fürsprechern gezeichnet wird, muss man eine derartige Eigenverantwortung abverlangen können. Denn in einem freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat gehört es eben auch zur Wahrheit dazu, dass die einseitige Inanspruchnahme von Rechten für die eigene Person unzulässig und gleichsam illegitim ist, weil ihr stets auch Ansprüche der Gegenseite zuwiderlaufen. Daher ist die Frau zur Wahrnehmung ihrer Selbstbestimmung über den Körper eben auch dazu verpflichtet, alle Mittel zu ergreifen, eine Schwangerschaft zu unterbinden – wenn sie nicht gewollt ist. Dies kann gerade heute,  im 21. Jahrhundert, in unseren Breiten von jeder Frau abverlangt werden. Denn es sind diverse Verhütungsmethoden zugänglich und können von jeder Frau weitgehend barrierefrei genutzt werden. Der Vorwand, dass die Kosten vieler dieser Möglichkeiten von der Frau selbst getragen werden müssten und bei Menschen mit geringem Einkommen oder dem Bezug von Transferleistungen nicht erschwinglich seien, kann dabei als Argument nicht herangezogen werden.

Denn in sämtlichen Formen der Grundsicherung ist eine vertretbare Summe für die Bezahlung solcher Verhütungswege eingepreist. Das Problem liegt viel eher an einer ganz anderen Stelle: Das Sexualleben vieler westlicher Bürger hat sich in der jüngeren Gegenwart derart verändert, dass es allein aufgrund der wechselnden Partnerkontakte und einer gesteigerten Zahl an oftmals auf reinen Spaß und Lust degradierten Begegnungen des Geschlechtsverkehrs immer öfter zu „ungewollten Schwangerschaften“ kommt. Es ist unbestritten: Wenn tatsächliche Gründe vorliegen, dass die Frau nicht für eine eingetretene Schwangerschaft verantwortlich ist (beispielsweise beim Versagen der Verhütungsmethode) oder sie gar gegen ihren Willen zustande kam (Vergewaltigung), muss eine Abtreibung selbstverständlich möglich sein. Grundsätzlich sollten wir anstelle von Lockerungen im Abtreibungsrecht viel eher gesellschaftlich kritisch hinterfragen, inwieweit das penetrante Rufen nach einem einfacheren Zugang zum Schwangerschaftsabbruch mit einem veränderten Verständnis von Sexualität in Verbindung steht. Kämen wir zurück vom One-Night-Stand und Seitensprung zur Auslebung eines respektvollen, überlegten und dabei seine Folgen bedenkenden Geschlechtsakts als Ausdruck des vertrauensvollen Verhältnisses zweier Menschen, die sich nicht nur der Begierde verschrieben haben, würde sich die Zahl der „ungewollten“ Schwangerschaften drastisch reduzieren – und die Notwendigkeit von gelockerten Abtreibungsregeln wäre obsolet.

Es ist überaus bedenklich, dass Freiheit in unserer Neuzeit oftmals mit Beliebigkeit verwechselt wird. Wo Normen und Werte preisgegeben und die Einhaltung von Konventionen des verantwortlichen Miteinanders als mittelalterlich zurückgewiesen werden, entsteht das Klima einer einseitigen Anspruchshaltung, welche zwangsläufig nur noch das „Ich“ im Blick hat. Frauen haben dabei aber eben nicht nur ein Recht auf Selbstbestimmung, sondern die Pflicht zu einer angemessenen und zumutbaren Eigenverantwortung im Fokus auf das, was sie durch das persönliche Verhalten auslösen. Es ist nämlich keinesfalls ein Spiel, beliebig schwanger zu werden, weil man ständig darauf vertrauen kann, „es“ im Zweifel ja „wegmachen“ zu können. Die Degradierung des werdenden Lebens in dieser Form ist ein Schlag für jegliche Ethik, die sich einer zukunftsfähigen Menschheit verschrieben hat. Wenn nun das Verbot von Werbung für Schwangerschaftsabbrüche wegfällt, ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, dass sich Frauen, die tatsächlich ungewollt schwanger wurden, seriöser als bisher über Möglichkeiten der Abtreibung informieren können. Dennoch hätte der Gesetzgeber klarere Pflöcke einhauen müssen, um nicht den Eindruck zu wecken, wonach mit diesem Schritt der Schwangerschaftsabbruch zunehmend normalisiert werden soll. Während der Bundestag nur wenige Stunden nach Aufhebung des § 219a deutlich machte, dass assistierter Suizid keinesfalls zur Gewohnheit in Deutschland werden darf, habe ich eine gleichlautende Feststellung in Hinsicht auf den Schwangerschaftsabbruch in den allermeisten Wortbeiträgen der Abgeordneten vermisst. Auch die Frage, wie man selbst Frauen bei einer ungewollten Schwangerschaft derart gut unterstützen kann, dass sie sich aus freien Stücken für das Kind entscheiden, wurde angesichts des Ausmaßes der Parlamentsdebatte viel zu oberflächlich besprochen. Wir brauchen endlich mehr Hilfsangebote für Frauen und Familien in sozialen und wirtschaftlichen Notlagen oder Perspektivlosigkeit, die ihnen verdeutlichen: Die Gesellschaft steht hinter ihnen und tut alles, um sie vor und nach der Geburt des Nachwuchses zu begleiten und von Lasten zu befreien. Ein klares Bekenntnis zum Leben braucht es nicht nur bei der Sterbehilfe, sondern auch am Beginn des Daseins.

Dennis Riehle - 06:01:53 @ Gesellschaft

24.06.2022

„Menschen mit Handicap müssen sich Teilhabe an Bildung umständlich erkämpfen!“

Pressemitteilung

Der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland e.V. (ABiD) kritisiert die zunehmende Zahl an Ablehnungen von Anträgen behinderter Menschen auf Leistungen zur Teilhabe an Bildung. Die zumeist im Rahmen der Eingliederungshilfe durch Sozial-, Jugend- oder Integrationsämter erbrachten, finanziellen Unterstützungen umfassen beispielsweise Lernmaterial, Ausstattung für Schule und Studium, die Bereitstellung etwaiger Begleitpersonen für die Teilnahme an Bildungsveranstaltungen oder die Übernahme von Kosten für Bücher, Laptops oder Schreibgeräten. Mit der Leistung soll die gleichberechtigte Teilhabe von behinderten Schülern, Studenten und Erwachsenen gesichert und eine Chancengerechtigkeit hergestellt werden – wie sie die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen vorsieht und die durch die Eingliederungshilfe in Hilfe Deutschland auch in nationales Recht umgewandelt wurde. „Allerdings haben behinderte Menschen immer öfter Schwierigkeiten dabei, ihre Ansprüche diesbezüglich auch wirklich durchzusetzen“, berichtet Dennis Riehle. Der Sozialberater des ABiD e.V. erhält vermehrte Beschwerden von Betroffenen und ihren Betreuungspersonen, wonach die Teilhabeleistungen auf Bildung durch die zuständigen Behörden nicht gewährt werden. „In der Regel erkennen die Ämter keine Notwendigkeit für die Kostenübernahme oder stellen sich gegen bestimmte Hilfsmittel und Sachleistungen, die aus der Sicht der Behörden unangemessen teuer sind oder nicht den Anforderungen des Antragsstellers gerecht würden“, so Riehle. Dabei seien die Bescheide oftmals unzureichend begründet und daher auch anfechtbar, zeigt sich der Allgemeine Behindertenverband überzeugt und rät deshalb regelhaft zum Einlegen von Widerspruch.

„Es ist eine tragische Entwicklung, dass gerade die Schwächsten der Gesellschaft durch bürokratische Vorgänge und voreilige Ablehnungen durch die Stadt- und Kreisverwaltungen an ihrer Partizipation an schulischer und beruflicher Aus- und Weiterbildung gehindert und damit in ihren Grundrechten beschränkt werden. Diese Form der Diskriminierung ist nach unserem Verständnis nicht mit den wesentlichen Vereinbarungen auf UN-Ebene in Einklang zu bringen und sollte daher durch die aktuelle Bundesregierung schnellstens durch eine Nachbesserung der derzeitigen Gesetzeslage und bindende Durchführungsverordnungen an die Sozialämter und alle sonstigen Träger von Eingliederungshilfe rasch beendet werden“, erklärt Dennis Riehle in Einklang mit den ABiD-Vorstandsmitgliedern Marcus Graubner, Andreas Scheibner und Klaus Heidrich. „Wir sind in der Ratifizierung der Behindertenrechte in Deutschland ohnehin rückständig und zahlreiche Ansprüche müssen von Menschen mit Handicap noch immer überaus umständlich, langwierig und teuer eingeklagt werden. Schlussendlich ist dieser Zustand nicht mit einem modernen Inklusionsstaat vereinbar“, formuliert Riehle abschließend und weist hierzu auch auf die kostenlose und bundesweit erreichbare Sozialberatung des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland e.V. hin, die von allen Bürgern unter der Mail-Adresse: soziales@abid-ev.de kontaktiert werden kann.

Dennis Riehle - 05:28:36 @ Soziales

Christsein im Wandel - Zwischen Sehnsucht und Enttäuschung über die Kirche…

Kommentar

Ich war schon früh von Kirche und Glaube fasziniert. Bereits beim Krippenspiel hatte ich stets eine feste Rolle, arbeitete mich vom Schaf zum Jesus hoch. Nach meiner Konfirmation übernahm ich Aufgaben in der Jugendarbeit, gestaltete Gottesdienste mit und war auch musikalisch fast jeden Sonntag aktiv. Zweifelsohne war meine Entscheidung, später einmal selbst Pfarrer werden zu wollen, schon während der Oberstufe gereift. Wenn da nicht während meiner Pubertät eine schwerwiegende psychische Erkrankung herangewachsen wäre.

Mit 17 Jahren war meine Zwangserkrankung voll ausgebrochen, psychiatrische und psychotherapeutische Hilfe wurden notwendig. Trotz der erheblichen Mehrbelastung stemmte ich mein Abitur mit gutem Ergebnis, wenngleich ich danach für einige Monate eine stationäre Unterstützung wahrnehmen musste. Nach meiner Rückkehr stand dann für mich eigentlich fest: Mit großer Leidenschaft und Hingabe wollte ich mein Theologie-Studium beginnen. Doch die Kirche fand das wohl keine passende Idee. Als ich mich über die Studienplätze informieren wollte und hierfür ein seelsorgerliches Gespräch mit einem klerikalen Amtsträger führte, spürte ich von Beginn an seine große Zurückhaltung und das Misstrauen mir gegenüber.

Die sehr direkte Aussage seinerseits schockierte mich dann aber schon: „Psychisch kranke Seelsorger braucht die Kirche nicht!“. Ja, solch eine Ansage hat gesessen – und in wenigen Sekunden einen ganzen Lebenstraum zerstört. Denn auch wenn es sich vielleicht nur um die Feststellung eines einzelnen Kirchenmitarbeiters handelte, vermochte sie möglicherweise doch eine strukturelle Überzeugung widerspiegeln und machte klar: Die Einrichtung, die in Nächstenliebe gerade den Kranken und Schwachen verbunden sein sollte, tat sich mit der Sensibilität und dem Feingespür in seelsorgerlich heiklen Situationen offenbar sehr schwer.

Zwar hätte ich Einlassungen als singuläre Meinung abtun und mich dennoch selbstbewusst dem Studium zuwenden können, doch in mir war mehr verletzt als lediglich eine stolze Eitelkeit. Immerhin hatte mich diese explizite und unmissverständliche Diskriminierung ins Herz getroffen. Kann und sollte ich Diener einer Kirche werden, die so offenbar und unverblümt meiner Persönlichkeit gegenüber Ablehnung und Herabwürdigung entgegenbrachte? Es brauchte mehrere Wochen, bis ich mich vom Schock erholte. Viele Gespräche brachten mich schlussendlich zur Konsequenz, die mir extrem schwerfiel – mir aber unausweichlich schien: Ich wendete mich einem neuen Studiengang zu und begann die Politikwissenschaften als eine Alternative, die ich weniger aus Überzeugung anging, sondern viel eher in der vermeintlichen Enttäuschung und Zurückweisung durch einen Mann der Kirche. Die menschlichen Abgründe dort hatten nicht nur meine Zustimmung zum Protestantismus, sondern auch zum Gottesglauben in Frage gestellt.

Denn in solchen Augenblicken fällt es schwer, zwischen dem Vater im Himmel und seinem weltlichen Bodenpersonal zu unterscheiden. Was mich hielt, war meine enge Bindung an meine Studierendengemeinde, in der ich stets willkommen gewesen bin und auch fortan meine Gaben einbringen durfte. Auch zu meiner Kirche vor Ort brach ich trotz der Erfahrungen den Kontakt nicht vollständig ab – bis zu dem Moment, als mir dort jegliche ehrenamtliche Aufgabe entzogen worden war. Nein, ins Gesicht sagte man mir nichts, sondern hatte mir kurzerhand eine hauptamtliche Kraft vorgesetzt, die mit sofortiger Wirkung meinen Platz einnahm. Hinter den Kulissen erfuhr ich, wonach man mir nach mehr als 800 Stunden freiwilligen Engagements für meine Gemeinde „Unzuverlässigkeit“ vorwarf, weil ich gesundheitlich nicht mehr in der Lage war, diese mehrmals wöchentlichen Nachmittage für die Kirche tätig zu sein. Dass dieser Vorwand aber nur die Spitze des Eisbergs gewesen sein musste, wurde mir durch einen vertraulichen Brief bewusst: Ein Gemeindeglied wandte sich anonym an mich und steckte mir zu: „Zusammenfassend waren einige Kirchengemeinderäte aufgrund Ihres Single-Lebens davon überzeugt, dass Sie homosexuell veranlagt sein müssen – deshalb wurden Sie von der Leitung aus der Übernahme weiterer Funktionen, vor allem in der Jugendarbeit, ausgeschlossen“.

Diese Darstellung passte gut in die Wahrnehmung meinerseits: Früher mir sehr verbundene Mitchristen wechselten neuerdings die Straßenseite, wenn sie mich kommen sahen. Hinter vorgehaltener Hand war mein Privatleben bis aufs Kleinste rekonstruiert worden. Sogar meine Gänge zum Psychotherapeuten wurden beobachtet. Und während ich vor einem riesigen Scherbenhaufen meiner kirchlichen Verbundenheit stand und das Geschehene überhaupt nicht begreifen konnte, wuchs die Verbitterung in mir beständig an. Kann ich solch einer Institution weiter angehören, die mir auf meinen mittlerweile auch körperlich stark reduzierten Zustand lediglich die Antwort gab: „Hätten Sie einmal mehr gebetet, wäre Ihnen all das nicht passiert!“ – oder war es an der Zeit für mich, einen Schlussstrich zu ziehen? Der Versuch, mich umgemeinden zu lassen, scheiterte an der merkwürdigerweise durch alle Pfarrhäuser der Umgebung gehenden Ablehnung meines Gesuchs zur Aufnahme. Und auf meine „Theodizée“-Frage wollte mir auch niemand Antwort geben.

Kirche würde sich nicht verändern und reformieren, wenn die Unzufriedenen von Bord gingen. Diesen weisen Spruch hörte ich aus meinem Freundeskreis sodann desöfteren. Allerdings: Wann ist die Grenze der Ertragbaren erreicht? Und wie stand es eigentlich um meinen Gottesglauben angesichts der Erkenntnis, dass wohl zumindest seine Kirche Menschen zu selektieren versuchte? Es dauerte Monate, bis ich eines Morgens mit der Gewissheit aufstand: Es geht nicht mehr! Ich möchte und kann ihr nicht länger angehören. Ich hatte gehadert und mit mir gerungen. Aber ich hatte nicht eben nur einen erheblichen Teil meiner geistlichen Überzeugung verloren, sondern vor allem den Halt in der Kirche. Trotz meiner Anstrengungen getreu des Mottos „Schwamm drüber!“ war es mir nicht gelungen, den entstandenen Graben zu kitten. Immer wieder machte ich mir selbst Vorwürfe: War vielleicht ich der Schuldige, der nun aus Missmut die Segel strich?

Im weiteren Verlauf wendete ich mich der humanistischen Szene zu. Meine ehemalige Kirche war mir mittlerweile egal, stattdessen stimmte ich in manch pauschale Verunglimpfung mit ein, die gerade von den evolutionären Humanisten gegenüber den Konfessionen verbreitet wurde – und ging zeitweise in meiner Wut über die Institution auf. Was sich allerdings im tiefen Innersten nicht verbergen ließ, das war meine grundständige Sehnsucht nach Gott, an dessen Existenz ich zwar immer öfter zweifelte, der mich aber nicht losließ. Im Nachhinein würde ich sagen: Gerade dieses kleine Flämmchen, das in meiner Seele loderte, macht seine fortdauernde Gegenwart offenbar. Es vergingen mehrere Jahre und ich merkte eine zunehmende Unzufriedenheit mit meiner Situation inmitten von Lästerern über Kirche und Glaube. Im Gegensatz zu ihnen war mir nämlich stets meine Verantwortung bewusst: Aus meiner persönlichen Erfahrung mit der Organisation und ihren Mitarbeitern wollte ich keinesfalls einem Anderen die Legitimation der Religion und Freiheit des Bekenntnisses zu Gott absprechen.

Es war ein Pfarrerwechsel und eine Einladung zum Trauergottesdienst für meine verstorbene Oma, der mich zum ersten Mal wieder in eine Kirche brachte. Und auch wenn sich aus dieser guten Begegnung am Ende doch keine dauerhafte Rückkehr entwickelte und man mir noch immer vorwarf, dass ich mit meiner liberalen Überzeugung von Gott und Schrift „Eulen nach Athen tragen würde“, habe ich mich versöhnt. Ich habe die Hand ausgestreckt, das war mir wichtig. Ich wünsche der Kirche nichts Schlechtes. Auch wenn für mich dort aktuell kein Platz scheint. Ich war, bin und bleibe Christ – evangelisch aus tiefer Verbundenheit und wegen meines Glaubens. Mittlerweile habe ich mich in Seelsorge und zum Prädikanten fortgebildet, meine Leidenschaft an Theologie und Philosophie ist zurückgekehrt und ich empfinde wieder eine unvoreingenommene Nähe zu Gott, mit dem ich in Dialog stehe und den ich nicht mehr für manches Fehlverhalten von Mitmenschen haftbar mache…

Dennis Riehle - 05:22:14 @ Glaube

23.06.2022

„Auch Jüngere mit Handicap sollten einen Schwerbehindertenausweis beantragen!“

Pressemitteilung 
des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland e.V.

Gemäß einer aktuellen Statistik hat nahezu jeder zehnte Deutsche einen Schwerbehindertenausweis und damit eine Behinderung mit einem Grad von mindestens 50. Allerdings handelt es sich bei der überwiegenden Mehrheit der Personen um Menschen aus der Altersklasse über 75. Dabei hätten auch viele Jüngeren Anspruch auf entsprechende Nachteilsausgleiche und die Feststellung einer Behinderteneigenschaft, schämen sich nach Ansicht des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland aber vor der Antragsstellung, gerade, weil sie sich am Arbeitsplatz vor einer etwaigen Schlechterstellung fürchten.

Deshalb ermutigt der Sozialberater des ABiD e.V., Dennis Riehle: „Die Ängste vor dem Schritt zur Beantragung eines solchen Schwerbehindertenausweises sind weitgehend unbegründet und sollten daher niemanden davon abhalten, die eigenen Rechte in Anspruch zu nehmen“, erklärt der 37-Jährige, der selbst im Besitz dieses Dokuments ist. „Gerade im Job kann der Ausweis mögliche Forderungen nach Mehrurlaub, bevorzugter Einstellung, Hilfsmitteln oder einem verbesserten Kündigungsschutz begründen und ist damit in den allermeisten Fällen eher ein Türöffner, statt ein Bremser“. Dennis Riehle verweist darauf, dass auch bei einer bestehenden Behinderung mit einem geringeren Grad als 50 eine Gleichstellung mit einem Schwerbehinderten im Arbeitsrecht möglich ist und sich deshalb ein entsprechender Antrag für jeden Menschen mit einem Handicap lohnt: „Denn leidglich für die fiktive Konstellation, wonach die Schwerbehinderung zu erheblichen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz oder zum Umstand führt, dass der Betroffene gewisse Tätigkeiten aufgrund der Behinderung nicht ausführen kann oder darf, ist die Offenlegung der Schwerbehinderung gegenüber dem Arbeitgeber vonnöten. Für alle anderen Arbeitnehmer kann der Ausweis dagegen nur Vorteile bringen und muss dann auch nicht im Beruf kenntlich gemacht werden. Viel eher ist eben auch nur die Inanspruchnahme von steuerlichen Entlastungen denkbar – und dann hat die Schwerbehinderung den Chef überhaupt nicht zu interessieren“, so Riehle.

Die Antragsstellung erfolgt in der Regel beim Versorgungsamt des zuständigen Stadt- oder Landkreises und ist mit den entsprechenden, im Internet auffindbaren, Formularen möglich. In der Mehrheit der Fälle wird nach Aktenlage entschieden. Das heißt, die Behörde fordert von den behandelnden Ärzten entsprechende Befundberichte an und urteilt auf der Basis dieser Attestierungen innerhalb von zumeist drei bis vier Monaten. Eine Schwerbehinderung ist bei chronischen Erkrankungen, die länger als ein halbes Jahr andauern, anzunehmen. Schlussendlich stellt das Amt einen Grad der Behinderung (GdB) zwischen 0 und 100 fest. Gemäß dieser Einstufung können dann verschiedene Nachteilsausgleiche genutzt werden. Bei besonderen Fällen ist daneben auch die Feststellung zusätzlicher Merkzeichen angezeigt, beispielsweise bei stark eingeschränkter Gehfähigkeit oder bestehender Hilflosigkeit.

Kostenlose Sozialberatung zum Thema leistet der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland e.V. bundesweit per Mail unter der Adresse: soziales@abid-ev.de.

Dennis Riehle - 07:30:53 @ Soziales

18.06.2022

Von Diabetes bis Hypogonadismus: Selbsthilfe berät Betroffene!

Pressemitteilung

In der westlichen Welt hat sich durch veränderte Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel die Zahl der Erkrankten an einem Metabolischen Syndrom in den letzten Jahren deutlich erhöht. Viele Betroffene leiden nicht nur unter Bluthochdruck, sondern auch vermehrt an der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), erhöhten Harnsäurewerten, Adipositas (krankhaftes Übergewicht) und Fettstoffwechselstörungen wie Hypercholesterinämien. Gleichzeitig gibt es auch eine beträchtliche Verbreitung von hormonellen Erkrankungen wie etwaigen Störungen der Schilddrüse mit einer Unter- oder Überfunktion, die erheblichen Einfluss auf Physiologie und Psychologie des Menschen haben. Daneben sind in unserer heutigen von Zeitmangel und Hektik geprägten Gesellschaft auch immer öfter Probleme der Nebenniere zu beobachten, die unsere Stresshormone (beispielsweise Adrenalin und Cortisol) regulieren. Und nicht zuletzt beklagen Männer wie Frauen wachsende Schwierigkeiten mit Wechseljahren oder sexuellen Dysfunktionen. Neben Mangelerscheinungen wie dem Hypogonadismus (vornehmlich ein Defizit am männlichen Geschlechtshormon Testosteron), ausgelöst durch Funktionserkrankungen an den Hoden oder durch unzureichende Produktion von regulierenden Botenstoffen in Hypophyse und Hypothalamus (Hirndrüsen), können durchaus auch psychogene Faktoren das Liebesleben beeinflussen und stehen in Wechselwirkung mit den hormonellen Zentren des Körpers. Die Konsequenz können beispielsweise Osteoporose oder Depressionen sein, oftmals aber auch anhaltende Erschöpfungszustände, Minderung der Muskelmasse oder Einlagerung von Fett. Insgesamt gehen mit hormonellen und Stoffwechselstörungen auch kardiovaskuläre Risiken, beispielsweise für Herzinfarkt, Thrombosen oder Schlaganfälle, schleichend einher.

Aufgrund der Bedeutung dieser Krankheiten bietet die Selbsthilfeinitiative in Konstanz nach Ende der Corona-Maßnahmen wieder einen entsprechenden Erfahrungsaustausch für Betroffene und Angehörige an. „Bis sich eine ausreichende Zahl an Teilnehmern für regelmäßige Zusammenkünfte einer Gruppe gefunden haben, setzen wir auf die bewährte Mailberatung“, erklärt der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle, in einer entsprechenden Aussendung – und fügt an: „Schwerpunkte sind dabei die Themen Ernährung, psychosoziale Unterstützung und Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung“. Der 37-jährige Berater ist in all diesen Bereichen entsprechend aus- und fortgebildet, gleichsam aber auch von Diabetes, Hypothyreose, Hypogonadismus, Adipositas und Hyperlipidämie selbst betroffen. „Insofern kann ich aus meiner Qualifikation und vormals beruflichen Tätigkeit profitieren, aber auch aus dem eigenen Umgang mit hormonellen und Stoffwechselerkrankungen. Gerade aus dieser Situation heraus ist es mir ein besonderes Anliegen, dass wir die Entstigmatisierung der Betroffenen konsequent vorantreiben, denn in den seltensten Fällen ist man selbst an einer Krankheit schuld. Die Vorurteile gegenüber beleibten Menschen sind weiter immanent. Gleichzeitig sollten sie für ihre Situation und mögliche Ursachen oder Folgen sensibilisiert werden, damit sie rechtzeitig intervenieren können. Daneben müssen ihnen umfassende Behandlungsangebote aufgezeigt werden, aber auch praktische Alltagstipps zum Handling der Krankheit. Insofern verstehen wir uns als Ratgeber und Orientierungshilfe, die begleitend und ermutigend wirkt“, sagt der Konstanzer Gruppenleiter.

Er weist abschließend auf die kostenlose Beratung hin, die auch überregional in Anspruch genommen werden kann: info@selbsthilfe-riehle.de. Hierbei kann keine fachkundige Konsultation, Betreuung und Therapie durch medizinische oder psychologische Fachkräfte ersetzt werden. Stattdessen versteht sich die freiwillige Dienstleistung als ergänzende Möglichkeit der Selbsthilfe, für deren Auskünfte Haftung ausgeschlossen ist und die alle vorgegebenen Regelungen zum Datenschutz und zur Verschwiegenheit einhält. Sie ist keine Rechtsberatung und nicht verbindlich.

Dennis Riehle - 06:23:50 @ Selbsthilfe

16.06.2022

Psychosoziale Sprechstunde berät nun auch kostenlos zu Ernährung und dem Alter

Pressenotiz

Das bundesweit tätige, ehrenamtliche Angebot der Psychosozialen Sprechstunde in Konstanz erweitert ihr Angebot. Wie der Leiter des Projekts mitteilt, leiste man künftig auch eine orientierende Ernährungs- und Seniorenberatung: „Vielen Menschen ist der Zusammenhang zwischen der seelischen Gesundheit und einer ausgewogenen Auswahl an Lebensmitteln überhaupt nicht bewusst. Zudem ist in Zeiten von Klimawandel und Inflation eine nachhaltige Ernährung nicht nur für den Geldbeutel überaus wichtig“, erklärt Dennis Riehle, der darüber hinaus ausführt: „Gleichsam haben die bisherigen Erfahrungen der kostenlosen psychologischen und Sozialberatung einen erhöhten Bedarf an Informationen für Angehörige von älteren Menschen aufgezeigt. Oftmals sind sie es, die sich mit Fragen an uns wenden. Gerade bei pflegenden Verwandten ist die Sehnsucht nach Begleitung und Unterstützung über die Pandemie hinweg deutlich angestiegen“, so der 37-Jährige, der sich als Psychosozialer und Integrationsberater mittlerweile auch in der Ernährungs- und Seniorenberatung, Gerontologie (Lehre des Alters) und zu Rechtsfragen in der Pflege zertifiziert und weitergebildet hat.

„Schon bisher war die Nachfrage zu grundsätzlichen Ansprüchen auf Pflege- und Sozialleistungen in unserer digitalen Sprechstunde immens groß. Nun kann ich mit meinen erworbenen Kenntnissen auch ganz praktische Alltagstipps für den Umgang mit älteren Menschen geben, beispielsweise bei bestehender Demenz oder körperlicher Beeinträchtigung“, sagt der Konstanzer und führt daneben auch aus: „Wie kann ich meine Nächsten im Alter bestens betreuen, wie schütze ich mich dabei selbst vor Überforderung und welche Hilfe bekomme ich vom Staat – all diese Fragen tauchen auf. Und ich hoffe, dass ich jetzt noch besser darauf eingehen kann. Mir ist es wichtig gewesen, ein ganzheitliches Angebot für möglichst viele Lebenslagen zu schaffen, das als Erstinformation dienen soll und das für jeden Ratsuchenden zugänglich ist. Daher ist es entgeltfrei und per Mail niederschwellig erreichbar. Es ist keine Konkurrenz zu den professionellen Beratungsangeboten vor Ort, sondern lediglich eine wegweisende und vermittelnde Auskunft, die auf die Darbietung von grundsätzlichen Auskünften ausgerichtet ist und keine tiefergehende Einzelfallprüfung vornehmen kann“, so Riehle.

Die ehrenamtliche Dienstleistung hat bisher rund 600 Anfragen beantwortet. Dabei kommen die Kontaktsuchenden aus ganz Deutschland, weil die Sprechstunde nicht auf die Region Bodensee begrenzt sein soll: „Nachdem ich aufgrund eigener Erkrankung nicht mehr erwerbsfähig bin, war es mir doch ein eigenes Anliegen, mich nach meiner selbstständigen Tätigkeit in eigener Praxis weiterhin sinnstiftend einzubringen. Mit dem geschaffenen Projekt der psychosozialen Beratung gelingt mir dieser Wunsch. Zudem weiß ich aus eigener Betroffenheit, wie verzweifelt man in gewissen Situationen unseres Daseins ist und dann rasche und leicht wahrnehmbare Hilfe braucht“, meint Dennis Riehle abschließend und verweist für Interessierte auf die Internetpräsenz der ehrenamtlichen Mailberatung unter www.psychosoziale-sprechstunde.de.

Dennis Riehle - 06:34:52 @ Ehrenamt

Wird Gott Putin seine Schandtaten vergeben?

Kommentar

Der russische Präsident hat am 24. Februar 2022 neue Tatsachen geschaffen: Durch einen anlasslosen Angriffskrieg überfiel er mit seiner Armee die Ukraine und brachte unendliches Leid und unmenschliche Not über das Nachbarland. Über die Beweggründe für das irrationale Handeln von Wladimir Putin kann man letztlich nur spekulieren. Wie so oft in der Geschichte, scheinen auch dieses Mal fadenscheinige Argumente bemüht worden zu sein: Mit einer zurechtgelegten Propaganda und dem Abdriften in eine Parallelwelt gelang es dem Machthaber im Kreml, auch eigene Bürger von seiner verschwurbelten Theorie zu überzeugen. Christen überall auf dem Globus fragen sich nun, wie solch eine Brutalität mit dem orthodoxen Bekenntnis Putins in Einklang zu bringen ist – und noch viel eher: Wird Gott diesem Despoten seine Taten verzeihen können? Schon bei manch anderen dunklen Gestalten der Vergangenheit ist diese Überlegung aufgekommen.

Beispielsweise wird bis heute im Rahmen der Holocaust-Theologie nicht nur die Debatte geführt, ob und warum sich Gott aus dem Massenmord an Millionen von Juden und Minderheiten herausgehalten hat und das Wüten der Nationalsozialisten scheinbar trotz seiner Allmacht geschehen ließ. Auch der mögliche Gedanke, wonach Jesus am Kreuz sogar für Verbrechen wie jene russischer Soldaten und Machthaber gestorben ist, mag für uns befremdlich klingen. Denn kann man diese Grausamkeit tatsächlich mit demselben Maß wie den Ehebruch oder das falsche Zeugnis wider unseres Nächsten messen? Oftmals herrscht noch immer die Theorie der bedingungslosen Sündenvergebung vor, die aber weder mit der kirchlichen Lehre, noch mit der biblischen Überlieferung in Einklang zu bringen ist. „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben“ (Mt 6,14 - LUT 1912) – ein eindeutiger Konditionalsatz aus den Evangelien, welcher uns klarmacht: Gottes Nachsehen ist an den Umgang mit dem Sünder auf Erden gekoppelt.

Damit muss nicht zwangsläufig eine juristische Verurteilung nach irdischen Gesichtspunkten gemeint sein. Viel eher hängt Gottes Umgang mit dem Rechtsbrecher der Zehn Gebote von dem Umstand des Verzeihens durch seine Mitmenschen ab. Und dabei verlangt Gott keinesfalls ein vorbehaltloses Entschuldigen. Die Sühne, die ein Verbrecher für seine Entgleisungen auf sich nehmen muss, sind eindeutig definiert: Erst, wenn Reue, Buße und Umkehr erkennbar und glaubwürdig sind, ermahnt uns Gott zur Annahme des Täters, bei dem er aber keine Unterschiede macht. Während es nach weltlichen Gesichtspunkten auf die Schwere des Vergehens ankommt, differenziert Gott zwischen dem beim Nachbarn Äpfel klauenden Jungen und dem Serienmörder nicht. Diese Auffassung mag mit unserem menschlichen Empfinden von Gerechtigkeit nur schwer zu vereinbaren sein. Doch gleichsam müssen wir feststellen: Ehrliches und fruchtbringendes Bedauern fällt dem Taschendieb leichter als dem Kriegsverbrecher. Denn es kommt wesentlich darauf an, ob der Betreffende sein Verhalten als falsch und unrecht anerkennt und gleichsam bereit und willens ist, sich für Versöhnung und Wiedergutmachung einzusetzen. Einen Freifahrtschein für jeden Menschen, um zur Rechten Gottes sitzend auf Nachsicht zu vertrauen, gibt es nicht.

Das göttliche Gericht bemisst sich zwar an anderen Gesichtspunkten, ist aber keinesfalls unvoreingenommen. Und nachdem Gott uns als seinen Ebenbildern bereits in den Büchern Mose die Fähigkeit geschenkt hat, zwischen „gut“ und „böse“ unterscheiden zu können, obliegt es auch uns, unseresgleichen bei Verfehlungen kritisch zu begegnen. Nein, die Aussage aus dem Matthäus-Evangelium ist kein Aufruf zu Selbstjustiz. Stattdessen ermutigt sie die Weltgemeinschaft, Straftäter auf Herz und Nieren zu überprüfen: Wie steht es um ihre Einsichtsbereitschaft und Eigenreflexion? Inwieweit dies nun vor einem Kriegsverbrechertribunal oder durch jeden einzelnen Christen von uns geschieht: Gott bindet sein Erbarmen mit dem Sünder an die Bereitschaft der Völker, jemandem aufgrund seines authentischen Schuldbewusstseins zu vergeben. Ob das nun bedeutet, dass Putin und seine Schergen in die Hölle wandern werden, weil ihnen offenkundig jegliche Aufrichtigkeit für ihr Tun fehlt, entscheiden schlussendlich nicht wir.

Ohnehin: Die Überzeugung an das Fegefeuer scheint in einer modernen Theologie des Protestantismus schon allein deshalb nicht mehr zeitgemäß, weil es dem menschlichen Hirn entsprang und wiederholt zum Missbrauch genutzt wurde. Aber auch die Rechtfertigungslehre Luthers macht deutlich: Läuterung geschieht eben nicht erst als Vorhut an der himmlischen Eingangspforte, sondern allein durch Christi Güte anhand unserer diesseitigen Bußfertigkeit. Insofern ist es nicht nur allein für unser Gewissen von großer Bedeutung und Tragweite, dass auch wir unser Urteil über einen Anderen nicht ohne Blick auf seine Reumütigkeit fällen. Auch Gott wird durch Jesus die Selbstanklage jedes Sünders in die Waagschale werfen, um den jenseitigen Stab über ihn zu brechen. Vielleicht ist diese Gewissheit in diesen Tagen tröstlich…

Dennis Riehle - 06:33:35 @ Glaube

14.06.2022

Kommentar zu Krieg, Pandemie, Klimawandel und Tankrabatt: Naivität allerorten…

In Deutschland grassiert ein neues Syndrom: Die Neigung zur Naivität hat bereits viele Politiker erfasst – und droht zu wachsender Verdrossenheit der Bürger beizutragen. Da ist beispielsweise noch immer die Gutgläubigkeit mancher Linker, man könne den Krieg Russlands gegen die Ukraine mit dem Rauchen der Friedenspfeife gewinnen. Zweifelsohne: Die allermeisten Menschen wünschen sich ein sofortiges Ende der Gewalt durch Diplomatie und Gespräche. Doch wir haben den Machthaber im Kreml mittlerweile alle bestens kennengelernt. Er hat uns über Jahre an der Nase herumgeführt und zeigt wahrlich kein Interesse, sich auf etwaige Zugeständnisse einzulassen. Niemand guten Willens kann Aufrüstung und noch mehr Waffen gutheißen – wenn es nach unseren Herzen geht. Aber der Verstand lässt uns klar und deutlich erkennen: Gegen Putin und seine Schergen hilft der Pazifismus nicht. Der Geist von Bomben, Panzern und Gewehren ist aus der Flasche. Und selbst Margot Käßmann wird ihn nicht mehr einfangen können. Viel eher lacht man sich in Moskau ins Fäustchen, dass es in der westlichen Hemisphäre noch immer Parteien und Personen zu geben scheint, welche an ein baldiges Ende der Kämpfe denken. Dabei machen dir wirren Reden des russischen Präsidenten seine Großmachtphantasien deutlich, die mit einem Einlenken eben gerade nicht in Einklang zu bringen sind. Er verheizt die eigenen Soldaten wie Kanonenfutter, ohne Rücksicht auf Verluste. Wer unter diesen Umständen noch ernsthaft meinen möchte, dass sich Putin von der eigenen Stilisierung zum Zaren zurückziehen wird, muss tatsächlich naiv sein. Wenn die Ukraine – wie von manch einem weisen Politiker des Westens oder gewissen Militärstrategen angeraten – Gebietsabtretungen zustimmen sollte, um Frieden zu erreichen, wird Moskau sehr gewiss sein: Die Verschiebung von Staatsgrenzen ist möglich, wir müssen nur lange genug tyrannisieren. Es ist töricht, die Welt in die Vorzeit von Herrschsucht zurücksetzen zu wollen.

Doch Naivität gibt es auch im Inland: Schon wieder warnt Minister Lauterbach vor der nächsten Corona-Welle. Und die Ständige Impfkommission empfiehlt mittlerweile sogar Immunisierungen gegen Affenpocken für vulnerable Gruppen. Glaubt man denn im Gesundheitsministerium noch immer, mit den Fehlern der vergangenen zwei Jahre einen Blumentopf gewinnen zu können? Die ständige Panikmache hat die Menschen nur ermüdet, sie interessieren sich deshalb nicht mehr für Covid-19 und Pocken, weil sie die dauernden Mahnungen leid sind. Wer wirklich annimmt, man könnte die Gesellschaft nur mit erzwungener Vorsicht vor dem Virus schützen, irrt sich gewaltig. Denn sie lässt uns abstumpfen und desensibilisiert. Niemand will die gebetsmühlenartigen Einlassungen des Bundesinfektionsministers länger hören. Vom einstmals so populären Bekämpfer der Pandemie ist Lauterbach zur echten Belastung für die Regierung geworden. Gerade, weil er aufgrund seiner Fokussierung auf die Corona-Lage sämtlich gesundheitspolitischen Herausforderungen der Zeit außer Acht lässt und sich weder um den Fachkräftemangel in der Pflege, das Sterben der Kliniken vor Ort, kletternde Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung oder die immer dünner werdende Versorgung mit Ärzten und Psychotherapeuten in der Peripherie schert. Seine Blauäugigkeit nervt und entsetzt. Während wir nicht mehr wissen, ob wir Impfung Nummer 4, 5 oder 6 in Arm, Bein oder Hirn spritzen sollen, denkt Lauterbach, mediale Präsenz erpressen zu wollen, indem er auch bei abflauender Inflation den Zeigefinger vor dem nächsten Winter erhebt. Denkt er denn tatsächlich und ernsthaft, dass die Menschen derart verantwortungslos und vergesslich sind, um nicht selbst zu wissen, dass uns Übermut schon letzten Herbst dramatische Entwicklungen brachte? Wer versucht, Bürger zu bevormunden und ihnen Lernfähigkeit abspricht, gibt sich als ahnungslos – und nicht als Menschenkenner, der Lauterbach gerne sein möchte.

Und dann der Klimawandel: Thunberg und Neubauer sind mit „Fridays for Future“ weiterhin omnipräsent. Andere Aktivisten gehen noch weiter und glauben wirklich, Veränderungen durch das eigene Festkleben auf die Fahrbahn erreichen zu können. Eine offenbar treuherzige Arglosigkeit übermannt die Jugend von heute und morgen, wenn sie gewiss ist, mit Verboten gegen die Erderwärmung ankämpfen zu wollen. Statt sich an die wahren Verursacher von Treibhausgasen zu wenden, fordern sie vom besitzlosen Hartz-IV-Empfänger Verzicht. Neureiche Vertreter der besserwisserischen Umweltbewegung in Deutschland glauben sich auf einer Insel der Weisheit zu sehen, indem sie jedwede Möglichkeit des Übergangs ausschließen und Technologien wie die Atomkraft ideologisch aus aller Diskussion ausklammern – obwohl sie andernorts nicht ohne Grund eine Renaissance erlebt. Die Kämpfer für eine bessere Welt wollen breitflächige Elektroautos schon in den kommenden Jahren, vergessen dabei aber völlig anstandslos die fehlende Infrastruktur und die weiterhin nur mangelnde Speicherkapazität solcher Fahrzeuge. Wer damit von Konstanz bis Sylt kommen möchte, benötigt auch weiterhin Tage – wenn ihm denn ein Auffinden der nächsten freien Ladesäule überhaupt gelingen möge. Echte Alternativen stehen weiterhin im Startloch, gerade Wasserstoff bleibt in seinen Versprechungen bisher viele Antworten schuldig. Geht es nach den Klimaaktivisten, brennen Öl- und Gasheizungen übermorgen aus, unabhängig von der Frage, wie Energie für den Kleingrundbesitzer mit bescheidenem Eigenheim abseits von Fernwärme und geeigneter Solardach-Neigung erzeugt wird. Unternehmen werden mit Unmengen an Subventionen des Staates versehen, während der Vermieter einer Wohnung innerhalb von wenigen Jahren fünf- und sechsstellige Investitionen aus eigener Tasche finanzieren soll. Eine solch unkritische Denkweise ist nur denen möglich, die klimapolitischen Idealismus über jedwede Realität stellen.

Zuletzt dann noch das lästige Thema des Tankrabatts: Die spätestens seit Westerwelle und Lindner zur libertären Kraft verdorrte FDP gibt sich als Versteher über Finanzen und Wirtschaft gleichermaßen, zeugt in der Praxis von Unwissenheit und Einfalt. Die immer selben Totschlagargumente ziehen aber nicht mehr, weil mittlerweile in den diversen Ländern der EU und weltweit Übergewinnsteuern zur Selbstverständlichkeit gehören. Doch nicht in Deutschland, weil die Freien Demokraten “Willkür” und eine Abwanderung der Industrie fürchten. Letztere muss als Grund für die Ablehnung höherer Abgaben seit jeher herhalten. Dabei haben Studien bereits mehrfach gezeigt: Selbst bei Vermögens- und höheren Einkommenssteuern für die Reichsten haben diese das Land bisher kaum verlassen. Denn für Standortattraktivität zählt eben mehr als die alleinige Frage der Belastung, die der Staat Großunternehmen und Konzernen auferlegt. Die Millionäre und Milliardäre dieses Landes haben mehrfach ihrerseits gesagt, dass sie zu einer Beteiligung an den Krisenkosten bereit sind. Doch die Liberalen verwehren entsprechende Schritte der Ampel-Koalition und nehmen jeden Wind aus der notwendigen Debatte über Verteilungsgerechtigkeit, die zuletzt sogar der sich sonst in die Tagespolitik kaum einmischende Bundespräsident ernstlich angemahnt hat. Selbstverständlich wäre es problemlos möglich, „Übergewinne“ zu definieren und Wahllosigkeit entgegenzuwirken. Dass sich FDP-Politiker mit den immer gleichen Sätzen von der Innovationskraft vor die Gewinner der Pandemie und des Krieges stellen, zeigt nur deren leichte Verführbarkeit: Obwohl die wenigstens Liberalen selbst etwas von der Blockadehaltung gegenüber Solidaritätsbeiträgen der besonders Reichen haben dürften, verfallen sie dem Reiz der Spendenwilligkeit jener Firmen, die schon in der Vergangenheit der FDP satte Zuwendungen zukommen ließen – wenn man sich bei den Freien Demokraten politisch für die Schonung ihrer Besitztümer einsetzen würde. Die Partei ist zur reinen Klientelpartei geschrumpft, die mittlerweile nicht nur Rentner gegen sich aufbringt. Die Naivität, tatsächlich an die Beteuerungen von „BioNTech“ und Co. zu glauben, Übergewinne ausschließlich in neue Investitionen zu stecken, ist schon beeindruckend. Niemand will dem Mittelständler an seine kleinen Gewinne, wenn er sie tatsächlich wieder in den Wirtschaftskreislauf steckt. Aber es gibt nur wenig gute Gründe, warum manch ein Firmeninhaber und Manager auf zig Millionen sitzt, ohne für diese exorbitanten Vermögen eine Zusatzsteuer entrichten zu müssen. Vorschläge, Abgaben für Summen über drei oder fünf Millionen Euro nur dann zu erheben, wenn diese angesammelten Gewinne nicht reinvestiert werden, sind letztlich für jegliches Schonvermögen unschädlich. Genauso folgenlos wäre es für die Liberalen auch, ihren Bundesfinanzminister wegen seiner Arbeitsverweigerung zu rüffeln. Sein guter Glaube, die EZB wird die Inflation schon richten, hat sich mit der Ankündigung zur Erhöhung des Leitzinses um mickrige 0,25 Prozent in Luft aufgelöst. Der gesamte Instrumentenkasten der Fiskalpolitik stünde Lindner zur Verfügung. Doch er will nicht.

Naivität und ein unbedarftes Gemüt scheinen derzeit in Mode. Für die Bevölkerung sind solche Spielchen durchsichtig – und hinterlassen Spuren in deren Gedächtnis. Immerhin sind wir nicht so dumm, wie es wohl manch ein Politiker oder Aktivist dieser Zeit anzunehmen vermag. Viel eher zeigen die Deutschen ein feines Gespür für jegliche Versuche der Gegenwart, uns als Abnehmer treudoofer Ideen zu verniedlichen. Vertrauensseligkeit funktioniert so lange, bis sie der Bürger endlich durchschaut. Spätestens dann reagiert er empfindlich auf Maßnahmen, die er als begrenzt Einfluss nehmender Souverän der repräsentativen Demokratie treuherzig abnicken soll. Schlussendlich droht sich nicht nur das meteorologische Klima zu vergiften. Erst, wenn die Menschen von ihren Vertretern nicht mehr als die infantile und gutmütige Masse diskreditiert und stiefmütterlich behandelt werden, wird sich auch die gesellschaftliche Erhitzung wieder relativieren. Doch dafür braucht es noch viel Aufrichtigkeit…

Dennis Riehle - 06:22:59 @ Gesellschaft

13.06.2022

Konstanz-Litzelstetten: Wieder Kapazitäten für Neubürger-Patenschaften frei

Pressenotiz

Das Litzelstetter Projekt der „Neubürger-Patenschaften“ hat wieder Kapazitäten frei. Wie der Initiator Dennis Riehle mitteilt, können sich frisch in den Konstanzer Vorort gezogene Personen melden, die Unterstützung und Orientierung beim Einleben in die unbekannte Umgebung wünschen und hierfür einen „alteingesessenen“ Mitbürger als ehrenamtlichen Paten an die Seite gestellt bekommen möchten. „Ziel der Vermittlung ist es, den nach Litzelstetten ziehenden Einwohnern das Ankommen zu erleichtern. Hierfür hat sich der Gedanke des Tandems bewährt, wenn wir Neu- und Altbürger zusammenbringen. Die Ausgestaltung der Patenschaft obliegt den beiden Beteiligten in ihrer eigenen Verantwortung. Hierzu können beispielsweise Spaziergänge gehören, bei denen der in Litzelstetten Sesshafte dem Ankömmling wichtige Adressen wie das Rathaus, Geschäfte oder Plätze zeigen kann. Beim gemeinsamen Bier in einer der hiesigen Restaurants lässt sich dann möglicherweise über die Geschichte des Ortes, Sehenswürdigkeiten, Vereine und Gepflogenheit sprechen. Und wenn es kurzfristige Fragen geben sollte, steht der Pate sicher auch über Kurznachricht zur Verfügung“, berichtet Dennis Riehle, der bislang etwa zwei Dutzend Patenschaften vermittelt hat.

 
„Schlussendlich soll das Projekt zur Integration beitragen, denn Litzelstetten wird immer mehr zu einer neuen Heimat für Studierende, Familien und Senioren. Damit keine Parallelgesellschaften entstehen, ist es aus meiner persönlichen Erfahrung gut, wenn man frühzeitig beginnt, Verbindungen zu schaffen. Als Ureinwohner ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass wir ein diverses Zusammenleben von bereits lange hier ansässigen und neu in die Gemeinschaft hinzuziehenden Bevölkerungsteilen ermöglichen“, erklärt Riehle abschließend, der sowohl Alt- und Neubürger  einlädt, sich bei Interesse an einer Patenschaft bei ihm zu melden: Neubuerger@Riehle-Dennis.de. Das Angebot wird freiwillig und unverbindlich geleistet. Es fußt auf einer privaten Initiative.

Dennis Riehle - 08:04:42 @ Kommunales

11.06.2022

Online-Integrationsberatung: Viele ukrainische Flüchtlinge leiden unter Desorientierung!

Pressemitteilung

Derzeit erreichen die Online-Integrationsberatung in Konstanz pro Woche rund fünf bis zehn Nachrichten von ukrainischen Flüchtlingen, die sich per Mail informieren lassen möchten. Wie der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle, in einer aktuellen Aussendung berichtet, drehe es sich dabei vor allem um Fragen über den Anspruch auf Leistungen: „Letztendlich herrscht auch bei den Behörden weiterhin ein gewisses Chaos, weil niemand so genau weiß, welcher Träger für die finanzielle Unterstützung von Geflüchteten aus dem Kriegsgebiet zuständig ist. Durch die Übernahme des angesprochenen Personenkreises aus dem Geltungsbereich des Asylbewerberleistungsgesetzes in das Sozialgesetzbuch II – also in die sogenannten Hartz IV-Leistungen – ändert sich normalerweise auch der Ansprechpartner von den Kreis- und Stadtverwaltungen zu den Jobcentern“.

Doch diese Transformation ist bislang noch nicht überall erfolgreich umgesetzt worden, „sodass manche Flüchtlinge von einer Behörde zur nächsten geschickt werden, weil Unklarheit herrscht, wer nun im Speziellen für Menschen aus der Ukraine verantwortlich ist“, so der 37-Jährige Psychosoziale Berater, der davon ausgeht, dass die Betreuung in einigen Regionen zumindest noch übergangsweise durch die Sozialämter erfolgen wird und erst nach und nach eine Übergabe an die gemeinsamen Träger von Kommunen und Arbeitsagentur erfolgt. „Daneben ist weiterhin die Suche nach Wohnraum für die Flüchtlinge eine Herausforderung vieler Gemeinden. Hierzu erhalten wir Anfragen aus der gesamten Bundesrepublik, wohin man sich als Flüchtling gerade bei Ankunft in Deutschland wenden kann. Und nicht zuletzt ist die Nachfrage nach unserer Psychologischen Beratung sehr hoch, denn die Eindrücke aus dem Kriegsgebiet lassen die hier ankommenden Menschen nicht in Ruhe“, so Riehle, der auch in Traumabewältigung weitergebildet ist. „Hier vermitteln wir an spezialisierte Psychotherapeuten vor Ort und bieten eine erste seelsorgerliche Unterstützung per Mail, die bereits vielen Betroffenen eine wesentliche Hilfe scheint“.

Ein zunehmendes Problem stellt auch die Ausgabe vom Allernötigsten dar. „Nicht nur aufgrund des Krieges sind die ‚Tafeln‘ und andere Hilfsvereine seit langem an der Belastungsgrenze. Es fehlen Lebensmittelspenden, aber auch freiwillige Engagierte“, erklärt Riehle und betont: „Die Ehrenamtlichen haben teilweise über Wochen durchgearbeitet. Sie sind echt erschöpft. Und mit der zunehmenden Gewöhnung an die Bilder des Krieges fehlt es auch an neuen Mitarbeitern, die sich in den bürgerschaftlichen Dienst stellen. Immerhin haben viele von ihnen mittlerweile selbst große Probleme, aufgrund der Inflation und der angespannten wirtschaftlichen Lage über die Runden zu kommen. Man muss attestieren, dass wir in einer höchst prekären Situation stecken, was die Betreuung von Flüchtlingen, gleichsam aber auch sozial schwacher Bundesbürger betrifft. Besonders behinderte und chronisch kranke Menschen – egal, ob sie nun aus Deutschland, der Ukraine oder anderen Ländern der Welt kommen – sind in erheblichem Maße von Armut und Ausgrenzung bedroht. Und der Staat verlässt sich in der Begleitung dieser Personen zu sehr auf die freiwilligen Hilfsstrukturen von Vereinen und Initiativen, das birgt enormes Potenzial für Verwerfungen in sich“, meint Riehle. 

Die erkennbare Desorientierung vieler Kriegsflüchtlinge in allen Bereichen stelle laut Riehle auch das Versorgungsystem auf eine Probe: „Nicht nur, dass aufgrund von Sprachbarrieren ankommende Ukrainer nicht wissen, wohin sie sich wenden können, um öffentliche oder zivilgesellschaftliche Förderung erhalten. Auch der zweifelsohne komplexe Sozialstaat in Deutschland – der selbst unsere eigenen Bürger allzu oft vor Rätsel stellt – bedeutet ein großes Hindernis, das es nach Eintreffen in der Bundesrepublik zu verstehen und bewältigen gilt. Hierbei wollen wir eine erste Orientierung sein“, so der Integrationsberater weiter, welcher abschließend auch davor warnt, Flüchtlinge aus der Ukraine besserzustellen als Asylsuchende aus anderen Krisengebieten: „Wir müssen verhindern, dass hier eine Zwei-Klassen-Flüchtlingsgesellschaft entsteht, die zu Neid und Missgunst führt. Der soziale Friede muss bei aller Tragik in der Ukraine gesichert bleiben“, sagt Riehle, der für alle Hilfssuchenden (ob Flüchtling oder nicht) kostenfrei und überregional ansprechbar ist.

Er kann unter der Mail-Adresse: mail@ehrenamtliche-beratung.de erreicht werden. Das Online-Angebot wird auf der Webseite www.psychosoziale-sprechstunde.de auch nochmals ausführlich erläutert und dargestellt. Datenschutz und Verschwiegenheit werden bei Kontaktaufnahme zugesichert. Rechtsberatung oder Haftung sind hingegen ausgeschlossen.

Dennis Riehle - 07:08:33 @ Ehrenamt

08.06.2022

Politik lässt psychisch kranke Menschen und ihre Angehörigen allein – Petition zu verbesserten Versorgungsstrukturen abgewiesen

Pressemitteilung

Die Selbsthilfeinitiative Zwänge, Phobien, Psychosen und Depression im Landkreis Konstanz beklagt einen zunehmenden Realitätsverlust im Stuttgarter Landesparlament, wenn es um die Frage der psychotherapeutischen-psychiatrischen Versorgung von seelisch erkrankten Menschen geht. Wie der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle, in einer Stellungnahme erklärt, hat der Landtag von Baden-Württemberg gleich zwei seiner Petitionen zurückgewiesen, welche sich mit einer verbesserten Betreuung von Menschen mit psychischen Leiden und einer intensiveren Beratung der Angehörigen befasst haben. „Dass man von Seiten der Politik offenbar weiterhin davon ausgeht, dass die von Seiten der Landesregierung betriebenen Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgungslandschaft ausreichend seien und darüber hinaus kein weiterer Bedarf besteht, zeigt die Ferne mancher Abgeordneten von der Wirklichkeit“, so Riehle. „Ich bin nun selbst seit 23 Jahren psychisch erkrankt und über 18 davon in der Selbsthilfearbeit aktiv. Ich habe jeden Tag Kontakt mit Betroffenen. Und ich muss sagen: So schlimm, wie es im Augenblick ist, war es bislang noch nie!“.

Riehle moniert vor allem die weiterhin extrem langen Wartezeiten auf einen Therapie-Platz: „Wenn es ein Erkrankter überhaupt noch auf irgendeine Warteliste schafft, kann er oftmals mit acht bis neun Monaten rechnen, ehe er tatsächlich seine Psychotherapie beginnen kann. Da haben sich seelische Erkrankungen oftmals schon chronifiziert und sind stetig geworden, eine Linderung der Symptome wird umso schwieriger. Die scheibchenweise Reaktion der grün-schwarzen Koalition im Land auf die dramatisch angestiegenen Betroffenenzahlen durch die Folgen der Corona-Pandemie ist völlig unzureichend. Gerade für erkrankte Kinder und Jugendliche ist der Zustand unhaltbar und eine Zumutung. Ein Skandal überdies, dass die Regierung mit ihrer Mehrheit im Parlament Eingaben von Bürgern abschmettert, die den Spiegel vorhalten. Nein, es ist keinesfalls genug getan – und es ist auch auf Landesebene viel mehr möglich. Wer sich auf dem Status Quo ausruht, versündigt sich an der psychischen Gesundheit der Bevölkerung und gibt eine Bankrotterklärung ab. Denn selbst bei Gesetzesänderungen, die auf Bundesebene nötig wären, könnte Baden-Württemberg über den Bundesrat die Initiative ergreifen. Stattdessen werden Petitionen mit konkreten Vorschlägen zur Veränderung ohne Ergebnis beschieden“, ärgert sich Riehle.

Und der 37-Jährige führt weiter aus: „Es kann schlichtweg nicht sein, dass niederschwellige Angebote wie die Selbsthilfe als ehrenamtliche Leistung das ausbügeln müssen, was der Staat versäumt hat. Er hat einen klaren Auftrag zur Sicherstellung der Fürsorge und Behandlung von Krankheiten. Diese können – nicht nur in Baden-Württemberg – aber weitflächig nicht mehr garantiert werden, weil die Bedarfsplanung für Psychotherapeuten einerseits, für psychiatrisch-psychomedizinische Fachärzte andererseits, nur stückchenweise reformiert werden und in wesentlichen Punkten seit Jahrzehnten nahezu unverändert geblieben sind. Dass wir heute andere Versorgungslandschaften als noch in den anfänglichen 2000er-Jahren benötigen, sollte uns im Bewusstsein der sozialen Konsequenzen aus den Covid-19-Maßnahmen doch sehr trefflich klar sein. Mittlerweile erreichen mich als Selbsthilfevertreter bis zu 20 Mails von Betroffenen pro Tag, die verzweifelt sind und Orientierung suchen, weil sämtliche Praxen, Ämter, Beratungsstellen und Unterstützungsangebote vor Ort überlastet sind. Wir können zwar eine vorübergehende Begleitung und eine durchtragende Seelsorge leisten. Allerdings ist es uns nicht möglich, wegbrechende Strukturen aufzufangen, die von Professionellen geführt werden müssen. Ich bemühe mich täglich in vielen Stunden ehrenamtlichem Engagement, dem Ansturm an Hilfsgesuchen gerecht zu werden. Dass ich von der Politik in all diesem Tun durch eine beständige Arbeitsverweigerung der Koalition in Stuttgart alleingelassen werde, trägt nicht unbedingt zu mehr Motivation bei. Ich hätte mir gewünscht, dass die von mir aufgegriffenen Forderungen zumindest im gemeinsamen Gespräch erörtert und ein Handlungsbedarf erkannt worden wäre. Leider gab es neben der Ablehnung der Petition keine Bereitschaft dazu“.

Die Selbsthilfehilfeinitiative berät überregional und kostenlos in psychosozialen Fragen unter Mail: info@selbsthilfe-riehle.de.

Dennis Riehle - 05:22:48 @ Selbsthilfe

04.06.2022

Update – Selbsthilfe: Mehr schwere Fälle von Impfkomplikationen

Pressemitteilung

Die Selbsthilfeinitiative zu Impfkomplikationen und Impfschäden in Konstanz vermeldet in ihrem neuesten Update nach einer zwei Monate andauernden Rückläufigkeit der an sie gerichteten Anfragen seit Anfang Mai wieder eine beträchtliche Zunahme der Fallzahlen. „Derzeit erreichen uns 10 – 20 Mails und Anrufe pro Tag“, erklärt Dennis Riehle, Sprecher der Selbsthilfeinitiative und selbst Betroffener einer fortdauernden Impfkomplikation mit schweren neurologischen, immunologischen, internistischen-endokrinologischen, algesiologischen und orthopädischen Nachwirkungen seiner ersten beiden Corona-Immunisierungen mit einem mRNA-Vakzin und der Drittimpfung mit einem proteinbasierten Vakzin.

Auffällig sei dabei die mittlerweile sehr hohe Zahl an schwerwiegenden Impfkomplikationen, vor allem im Bereich Lähmungserscheinungen, Sensibilitätsstörungen, Schwindel, Schmerzsyndromen wie Migräne, bleierner Müdigkeit und Erschöpfung bis zur Bettlägerigkeit, autoimmuner Reaktionen (multisystemische Krankheitsbilder wie Sjögren-Syndrom oder Polymyalgia rheumatica) und Blutbildveränderungen im Sinne von erhöhten Transaminasen, Vitaminmangel, auffällige Blutzuckerwerte oder Antikörper bei Hashimoto-Thyreoiditis, Psoriasis oder Gastritis. Dabei ist bemerkenswert, dass viele der Betroffenen vor der Impfung keine Autoimmunerkrankung aufwiesen.

In knapp 80 Prozent der Meldungen existiert ein derart zeitlicher Zusammenhang zur Gabe des Covid-19-Vakzins, dass von einer klaren Kausalität zwischen Impfung und den Komplikationen ausgegangen werden muss. Am häufigsten tauchen Beschwerden nach der Erst- und/oder Drittimpfung auf. Bei rund 90 Prozent der eingegangenen Fallbeschreibungen dauern die über das normale Maß einer Impfnachwirkung hinausgehenden Probleme seit mindestens vier Monaten an. „Wir haben allerdings auch eine wachsende Menge an Ratsuchenden, die mittlerweile seit mehr als einem Jahr in Folge der Corona-Impfung mit teils massiven Beeinträchtigungen zu kämpfen hat. Über 40 Prozent der sich bei uns gemeldeten Menschen sind aufgrund der Behinderung zumindest phasenweise arbeitsunfähig geworden, es gibt sogar einzelne Pflegefälle“.

In der überwiegenden Zahl der Fälle muss zwangsläufig von einer unmittelbaren Wechselwirkung zwischen den aufgetretenen Einschränkungen und der Impfung ausgegangen werden: „Denn in aller Regel haben sich die Symptome in weniger als vier Wochen nach einer Immunisierung eingestellt. So viele Zufälle kann es dann doch nicht geben“, erklärt Riehle, der zwar sehr viele Ähnlichkeiten zwischen den Impfkomplikationen und einem Long-Covid-Syndrom sieht. Allerdings scheint der Schwerpunkt bei ersteren auf neurologisch-psychosomatischen Bildern, bei zweiten vor allem in infektiologische und allgemeinmedizinische Beschwerden zu liegen.

„Wir verweisen deshalb auch in die Long-Covid-Ambulanzen der Universitätskliniken und raten dann zu einer labordiagnostischen Untersuchung beim Verdacht auf Impfkomplikationen. Oftmals hilft zunächst nur eine symptomatische Therapie und die Hoffnung, dass die Probleme zurückgehen“, meint Dennis Riehle. „Allerdings sind die Versorgungsstrukturen wirklich unzureichend und gar katastrophal. Die meisten niedergelassenen Ärzte sind mit Impfkomplikationen nicht vertraut und rasch überfordert. Wir hören von vielen unsensiblen Reaktionen der Mediziner vor Ort – und in den Long-Covid-Ambulanzen fühlen sich viele Behandler für Impfschäden ebenfalls nicht verantwortlich. Betrüblich ist daher umso mehr, dass wir von Seiten der Politik nur Ablehnung erfahren, wenn es um die Forderung nach Einführung von Spezialambulanzen für Patienten mit Impfkomplikationen geht, welche wir im letzten Jahr aufgestellt haben. Auch das Paul-Ehrlich-Institut verweigert jeglichen Kontakt mit uns, obwohl wir die Impfung doch gar nicht per se ablehnen“, so Riehle.

„Viel eher wünschen wir uns eine differenziertere Entscheidung im Einzelfall. Gerade bei bestimmten Vorerkrankungen sollte abgewogen werden, ob gegen eine Immunisierung nicht doch mögliche Kontraindikationen bestehen. Da sind wir vorsichtiger als beispielsweise das Robert-Koch-Institut, das den Kreis der nicht zu impfenden Personen äußerst gering umschreibt“. Besonders auch bei Personen, die schon bei früheren Impfungen – beispielsweise gegen Grippe – überschießend reagiert haben, sollte Vorsicht walten. „Wir wissen, dass die Impfstoffe gegen Corona innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft wurden. Dass es dabei zu einer hohen Zahl an Komplikationen kommt, verwundert mich daher nicht. Allerdings bin ich doch sehr verwundert darüber, wie das Thema kleingehalten wird“, beschreibt Riehle seine Erfahrungen.

„Mir käme es nie in den Sinn, aufgrund von Einzelfällen wie dem meinigen eine pauschale Ablehnung gegenüber der Impfung auszusprechen oder mich sogar als ein Impfgegner zu betätigen – im Gegenteil. Ich weiß, wie sehr uns die Immunisierung bei der Bekämpfung der Pandemie hilft und einen Mehrwert besitzt. Dennoch fordere ich Bedacht beim Umgang mit der Impfung, denn sie ist jedes Mal ein Eingriff in den Organismus, der wohlüberlegt sein sollte und ein Piks nicht im Akkord und im Vorbeigehen verabreicht werden darf. Es kann eben auch nicht sein, dass Menschen mit einer Impfkomplikation in die Ecke von Querdenkern geschoben werden“, meint der 37-Jährige.

„Wenn ich von einer Dunkelziffer im sechsstelligen Bereich ausgehe, dann sind Impfschäden im Vergleich zur Zahl der verabreichten Dosen noch immer eher selten. Aber jeder Fall sollte ernstgenommen werden und daneben auch mit Hilfestellung bedacht werden. Denn von ihr gibt es bislang wenig. Anträge auf soziale Entschädigung liegen meist monatelang in den Ämtern, ohne dass Betroffene eine Unterstützung erhalten oder informiert werden, welche Ansprüche sie haben. Viele sind durch ihre Beschwerden derart eingeschränkt, dass sie es nicht einmal zu einer Fachklinik, geschweige zum nächsten Versorgungsamt schaffen, um ihre Geschichte vorzubringen. Hieran muss sich schnell etwas ändern – gerade, wenn für den Herbst eine neue Impfkampagne gilt“, so Riehle abschließend und fügt an: „Wir leisten weiterhin kostenlose psychosoziale Unterstützung für Betroffene bundesweit per Mail: info@selbsthilfe-riehle.de“.

Dennis Riehle - 06:06:46 @ Selbsthilfe

02.06.2022

Mein persönliches Pfingstwunder…

Seit vielen Jahren engagiere ich mich in der sozialen Beratung von geflüchteten Menschen. Und so ist auch derzeit das Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer erneut sehr gefragt. Mit der Ankunft von Kriegsopfern aus der Ukraine ist neben dem Staat auch die deutsche Zivilgesellschaft gefragt, sich für die Versorgung, Unterkunft und Eingliederung derjenigen einzusetzen, die aufgrund der russischen Bomben ihre Heimat verlassen mussten. Und all das klappte von meiner Stelle aus auch wunderbar. Bis vor eineinhalb Wochen…

Ganz kurzfristig rief mich ein Kollege an, ein junger Mann aus der Nähe von Kiew sei hier angekommen und benötige dringend eine erste Orientierung. Das was noch nichts Besonderes, denn solche Situationen sind in der jüngeren Vergangenheit häufig aufgetreten. Insofern empfing ich den Flüchtling Mitte 20 und freute mich, dass ich ihm zumindest bei der Suche nach einer Wohnung und der Vermittlung an die zuständigen Ämter und Behörden würde helfen können. Doch dann stand ich vor einem Problem: Bisher hatten die Geflüchteten mit guten Englischkenntnissen kommuniziert. Aber der bislang als Auszubildender in der Ukraine tätige Mann sprach lediglich Ukrainisch.

Eigentlich war auch das kein Hindernis, denn auf solche Momente waren wir bislang gut vorbereitet. Freiwillige Dolmetscher standen für gewöhnlich zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit und sprangen bei Sprachbarrieren ein. Allerdings schien das dieses Mal anders zu sein: Egal, wohin ich telefonierte, ich bekam dieselbe Auskunft. Derzeit war kein Übersetzer vorhanden und die Nutzung einer etwaigen App wollte auch nicht wirklich gelingen. Seine wichtigsten Daten konnte mir Dimitri (Name geändert) auf ein Blatt Papier schreiben. Allerdings standen wir dann vor einer echten Hürde: Wie sollte ich alle Informationen übermitteln, wenn meine Kenntnisse bei Englisch und Französisch endeten, mein Gegenüber neben seiner Muttersprache aber lediglich ein paar Brocken Polnisch konnte?

Tatsächlich kann ich heute kaum noch schildern, was dann passierte. Aber es erinnerte mich an das Pfingstwunder: Dimitri und ich kämpften uns durch die wichtigsten Grundlagen für einen Neustart in Deutschland nach der Flucht aus der umkämpften Ukraine. Mit Händen und Füßen, Schreiben und Malen, einer Übersetzungs-Software und dem peniblen Versuch meinerseits und seinerseits, anhand der Worte des Anderen zumindest einzelne Wörter zu verstehen und zu deuten, mühten wir uns knapp drei Stunden durch Adressen, einen Dschungel an Paragrafen und Vorschriften und die nötigsten Angaben, die es Dimitri doch möglich machten, sich auf den Weg zum zuständigen Ansprechpartner zu machen.

Obwohl man die Sprache des Mitmenschen nicht kennt, scheint man sich verständigen zu können. So war es auch, als die Jünger am 50. Tag nach Ostern zu jener Zeit auf die Apostel trafen und gemeinsam Schawuot – das jüdische Wochenfest – zelebrierten. Nachdem Jesus seinen Jüngern bereits am Abend des Ostertages erschienen war und ihnen den Geist Gottes einhauchte (Joh 20,19-23), erzählt die Apostelgeschichte (Kap. 2, Vers 3 -13), dass am Pfingsttag die Begebenheit der „Zungen wie von Feuer“ auf die versammelte Gesellschaft herabkam und die Jünger die Apostel in ihrer eigenen Sprache reden hörten – obwohl sie sie eigentlich weder verstanden, noch zu sprechen beherrschten. Sie waren vom Heiligen Geist beseelt worden, der Brücken überwand und sie somit einander näherbrachte.

Ein Fest der Verständigung – wann könnte es passender sein als in Kriegszeiten! Ein Zufall, dass das Markusevangelium in Kapitel 1, Vers 10 den Geist als (Friedens-)Taube beschrieb, die sich bei der Taufe Jesus auf ihn setzte? Was als Geburtsstunde der Kirchen interpretiert wird, ist ein Augenblick der Versöhnung. Immerhin kann Sprache die Menschen über Grenzen der Völker hinweg verbinden – wenn wir einander zuhören und uns bemühen, die Botschaft des Gegenübers entsprechend zu erfassen. Auch bei meiner Begegnung mit Dimitri wirkte der Heilige Geist, davon bin ich überzeugt. Auch ich konnte ihn mit einer frohen Kunde in die Welt entlassen: Er ist nun in Sicherheit, wir werden uns um ihn kümmern und ihm ermöglichen, in Deutschland ein neues Leben beginnen zu können.

Während die Jünger der Verkündigung der christlichen Nachricht lauschten und sie danach verbreiteten, sind es auch heute die Rufe nach dem Ende der Gewalt, welche wir zum Pfingstfest unter die Gemeinschaft bringen sollten. Ich bin mir sicher, das Symbol der Taube wird in allen Herren Ländern gleich aufgefasst und gilt als Ermutigung und Auftrag, die friedenstiftenden Aspekte der Religionen zu Pentakoste hervorzuheben und auch dorthin zu tragen, wo derzeit noch immer Hass, Zwietracht und Missgunst herrschen.

Nein, ich glaube nicht daran, dass Putin dadurch seinen Feldzug beenden wird. Und doch setzen wir ihm als Christen mit Pfingsten einen Moment der Einigkeit aller Zivilisationen guten Willens entgegen. Gottes Geist wirkt unverhofft und überraschend. Er überwindet Grenzen dort, wo niemand sie für möglich hielt. Er befähigt uns, einander zu verstehen. Gerade das brauchen wir jetzt, wenn Gesprächskanäle zugeschüttet sind und die Diplomatie für den Frieden an ihr Limit gekommen ist. Zwischen mir und Dimitri hat die Kommunikation auf merkwürdige Weise funktioniert. Warum nicht auch anderswo?

Dennis Riehle - 06:55:33 @ Glaube

31.05.2022

Selbsthilfegruppe zu Zwängen, Phobien, psychotischen Erkrankungen und Depressionen versucht Neustart

Pressenotiz

Die Selbsthilfegruppe zu Zwängen, Phobien, psychotischen Erkrankungen und Depressionen im Landkreis Konstanz versucht nach Aufhebung der wichtigsten Corona-Maßnahmen einen Neubeginn. Wie ihr Ansprechpartner Dennis Riehle mitteilt, seien die vor der Pandemie aufgebauten Strukturen nahezu vollends zerbrochen, nachdem während der Gesundheitskrise Versuche der digitalen Zusammenkunft ausprobiert wurden, aber bei der Mehrheit der Teilnehmer nicht auf Gegenliebe gestoßen waren. „Selbsthilfegruppe über Zoom mag ein Ansatz sein, er hat sich in unserem Fall nicht bewährt“, erklärt Dennis Riehle. „Ob wir allerdings wieder zu einer regelmäßigen Zusammenkunft in Präsenz finden werden, das ist fraglich“, sagt der 37-Jährige, der die Gruppe 2005 gegründet hatte.

„Man muss erkennen, wonach sich die Präferenzen geändert haben. Heute wünschen viele Betroffene und Angehörige punktuelle Antworten auf ihre Fragen. Die Auseinandersetzung mit der Leidensgeschichte des Gegenübers, aus der man für die eigene Krankheitsbiografie profitieren kann, hat leider an Wertschätzung verloren. Heute wollen viele Erkrankte eine schnelle Hilfe – und das möglichst vom Sofa aus. Damit verliert das über Jahrzehnte nicht ohne Grund hochgehaltene Alleinstellungsmerkmal einer Selbsthilfegruppe als Ort der persönlichen Begegnung mit Raum für die Beschäftigung zu eigenen und fremden Themen an Bedeutung, was ich überaus bedauere“, so Riehle. Allerdings blieben wenige Möglichkeiten, man müsse schlussendlich auch respektieren, dass die Bedürfnisse mit der Zeit gingen. Deshalb habe man sich nun vermehrt auf die individuelle Beratung fokussiert: Betroffene konsultieren einzelne, erfahrene Mitglieder der Gruppe, die dann punktgenaue Auskunft auf die Anliegen der Anfragenden geben und mit ihrem Wissen als Experten der eigenen Krankheit Tipps und Vorschläge unterbreiten, was ihnen selbst geholfen hat.

Entsprechend kann der Ratsuchende aus dieser Einlassung für sich ableiten, was ihm in seiner jeweiligen Situation guttut und was er davon für sich nutzen möchte. „Die Beratung von Betroffenen für Betroffene als Form der weniger auf Persönlichkeit und Dauer ausgerichteten Unterstützung, sondern als komprimierte und stilisierte Möglichkeit des Austauschs zwischen zwei Personen ist eine Variante der Selbsthilfe im 21. Jahrhundert, bei der man sich auf dem kleinsten Nenner trifft“, meint Riehle – und ergänzt: „Wir wollen dennoch nichts unversucht lassen, auch unsere Gruppe wiederzubeleben. Allerdings scheint schon jetzt deutlich zu werden, dass die Mailberatung ein neues, innovatives und elementares Instrument zur Verwirklichung des Selbsthilfegedanken ist, der bis heute nichts an Wirrkraft verliert“. Insofern können sich sowohl Interessenten für mögliche Gruppentreffen in Präsenz, aber auch jene Betroffene und Angehörige bei der Selbsthilfeinitiative melden, die Fragen zu ihrer Erkrankung haben und die eine Meinung und Erfahrungsaustausch per Mail-Austausch wünschen, fasst Dennis Riehle seinen Aufruf zusammen. Dabei kann es um Themen wie Diagnose, Behandlung, niederschwellige und alternative Heilmethoden, psychosoziale Aspekte und Therapeutensuche gehen.

Kontaktaufnahme ist über info@selbsthilfe-riehle.de möglich.

Das ehrenamtliche Angebot kann kostenlos bundesweit und aus der anliegenden Schweiz in Anspruch genommen werden.

Dennis Riehle - 06:31:33 @ Selbsthilfe

21.05.2022

Der Verlierer ist die Bibel!

Leserbrief
zu: „Christlich hassen ist legal“, „taz“ vom 21.05.2022

Völlig unabhängig von der Tatsache, dass ich die Einstellungen von Pastor Latzel als menschenunwürdig betrachte, stößt bei mir auch die Entscheidung des Landgerichts auf. Denn in der Frage, inwieweit die Richter eine differenzierte und ergebnisoffene Folgenabwägung durchgeführt haben, besteht doch Skepsis. Letztendlich stehen zwei Rechtsgüter gegenüber: Die Meinungs- und Religionsfreiheit des anfangs Beschuldigten einerseits, der Schutz des gesellschaftlichen und sittlichen Friedens und die Wahrung bestimmter Bevölkerungsgruppen vor einer grundrechtswidrigen Herabwürdigung durch Hassaussagen andererseits. 

Dass hier ein durchaus voreingenommener Gutachter Bericht erstattet hat, lässt sich an seiner zweifelhaften Aussage erkennen, wonach die Einlassungen des ursprünglich Beklagten in einem Ehe-Seminar zwar „zugespitzt“ seien, die theologische Auslegung der Bibel jedoch am Ende durchaus eine Ideologie zulasse, welche Verlautbarungen wie „Genderdreck“ oder „Verbrecher“ als Zuschreibung gegenüber den Veranstaltern des Christopher-Street-Days legitimierten. Schlussendlich steht fest: Man kann in einer buchstabengetreuen, kontextlosen und platten Exegese der Heiligen Schrift durchaus zum Ergebnis kommen, wonach dort Homosexualität und Diversität als Sünde betrachtet wird, die sogar mit dem Tod bestraft werden soll. 

Ob das Bundesverfassungsgericht allerdings, welches die Richter am Landgericht für ihre Argumentation heranzogen, mit seiner Grundsatzentscheidung zur Gewissensfreiheit sogleich für diesen ganz konkreten Fall unkritisch bemüht werden kann, halte ich für fraglich. Denn das höchste Gericht hatte in seiner früheren Auffassung zwar eindeutig festgelegt, wonach im Zweifel für den Angeklagten davon ausgegangen werden muss, dass dessen eigene Denkweise und Weltanschauung zumindest zu respektieren ist, wenn sich diese als realistische Möglichkeit und zulässige Interpretation einer bestimmten Lehre oder Texte ansehen lässt. 

Allerdings bleibt - wie bei allen verfassungsrelevanten Fragen - die Gewichtung der Konsequenzen dem zuständigen Gericht anheimgestellt. Selbst wenn es zugunsten des anfänglich Beklagten wohlwollen davon ausgeht, dass dieser in seiner Gedankenwelt jegliche kritisch-historische Exegese der Bibel ablehnt und sich allein an einer verbalinspirierten, fundamentalistischen Auslegung der Schrift orientiert, haben die Richter nach meinem Verständnis im zugrunde liegenden Fall eben nicht hinlänglich geprüft, welche Auswirkung die Verbreitung dieser von Irrtumsfreiheit der christlichen Texte geprägten Auffassung von Pastor Latzel für den sozialen Zusammenhalt hat. 

Immerhin sind die zweifellos beleidigenden Zuschreibungen nicht nur Ausdruck einer über die biblische Lesart hinausgehenden Verabscheuung von Menschen, sondern gleichsam auch dazu geeignet, aufzuwiegeln und anzustacheln und Personengruppen in ihrer Persönlichkeit herabzuwürdigen. Abgesehen also davon, wonach ich eine kanonisch-grammatische Exegese vertrete und deshalb zur Auffassung gelange, dass die Bibel weitaus weniger über Homosexualität an sich, aber auch über die Frage der christlichen Wertung gleichgeschlechtlich und pluralistisch gelebter Liebe kaum eine Aussage trifft, sehe ich etwaige Rechtsfehler in der Begründung des Landgerichts. 

Für mich liefert die Heilige Schrift existenzialistische Orientierung und Wegweisung, die einer hinterfragenden und gleichsam anzweifelnden Überprüfung von Übersetzung und Auslegung standhalten muss. Latzels eingeengte Sichtweise überschreitet dagegen nicht nur die Grenzen guten Geschmacks und offenbart das Dasein in einer Parallelwelt. Viel eher ist sie für mein Dafürhalten keinesfalls mehr vom Grundgesetz gedeckt.

Dennis Riehle - 05:54:30 @ Gesellschaft