Dennis Riehle

  

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Offenes Schreiben an das Paul-Ehrlich-Institut
Ich bin kein Corona-Leugner und kein Impf-Gegner, ich will lediglich Transparenz!
Offener Brief_PEI_Mögliche Langzeitfolgen der Corona-Impfung.pdf (5.82KB)
Offenes Schreiben an das Paul-Ehrlich-Institut
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Liebe Besucher,


an dieser Stelle haben Sie die Möglichkeit, in meinem Blog von mir verfasste Texte zu lesen. Darunter finden sich Pressemitteilungen, Leserbriefe und Standpunkte zu Themen der Zeit, kritische Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen sowie soziale und politische Meinungsbeiträge, die nicht den Anspruch erheben, in jedem Fall dem "Mainstream" zu entsprechen. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie manche Beiträge nachdenklich machen oder gar Ihre eigene Gegendarstellung provozieren. Gerne können Sie mir deshalb auch Ihr Feedback unter Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de zukommen lassen. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!


Ihr Dennis Riehle


V.i.S.d.P. für diesen Blog:

Dennis Riehle

Martin-Schleyer-Str. 27

78465 Konstanz

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25.09.2021

Wollen wir sie alle aufgeben?

Leserbrief
zu: „Laschets Wahlspot mit einem Querdenker: Blinzeln nach rechts außen“, „taz“ vom 22.09.2021

Armin Laschet wurde vorgeworfen, dass er als CDU-Spitzenkandidat bei einem öffentlichen Auftritt einen auf die Bühne stürmenden „Querdenker“ gewähren ließ und mit ihm das Gespräch suchte. Vielerorts hörte man anschließend den Vorwurf: „Mit solchen Leuten spricht man nicht!“. Unbestritten: Es darf nicht der Anschein entstehen, wonach wir extreme Positionen tolerieren würden – zumal dann nicht, wenn sie als Grundlage für gewalttätige Übergriffe dienen oder den Rechtsstaat in Frage stellen. 

Gleichermaßen will ich aber entgegnen: Wollen wir jeden, der Zweifel am menschengemachten Klimawandel hat, der sich um die möglichen Folgen einer Corona-Impfung sorgt oder schlichtweg Probleme mit dem Mainstream von heute hat, in eine Ecke schieben und ihn sozial isolieren? Durch solch eine Ausgrenzung fördern wir weitere Radikalisierung und gehen das Risiko ein, dass sich ganze Gesellschaftsgruppen zurückziehen und unter der Oberfläche ihre Verschwörungstheorien immer weiter vorantreiben – bis es zuletzt zum Ausbruch von Aggression gegen den Staat, die Institutionen und die restliche Bevölkerung kommt. 

Demokratie muss mehr aushalten können, als es der Zeitgeist vorgibt. Sollen wir alle, die nicht der Mehrheitsmeinung anhängen, als verlorene Söhne und Töchter aufgeben und sie als „Wutbürger“ brandmarken? Natürlich müssen wir unterscheiden: Es gibt Grenzen des Hinnehmbaren – überall dort, wo geltende Gesetze verletzt werden. Hier braucht es den wehrhaften Staat – und eine mutige Zivilcourage, denn solche Auswüchse dürfen wir nicht akzeptieren. Allerdings neigt unser Miteinander dazu, dieses Limit immer weiter zu verschieben und es nahezu täglich neu zu definieren. 

Es obliegt weder Luisa Neubauer, noch Karl Lauterbach oder dem Bundespräsidenten, den Wahrheitsanspruch über das gesellschaftlich Zulässige zu erheben. Manches Mal steigt in mir der Eindruck empor, als würden wir heutzutage viel öfter als früher dazu neigen, Menschen mit abweichenden Ansichten zu kategorisieren und abzustempeln. Dass es sich bei ihnen weder um „Abschaum“, noch um „Asoziale“ oder „Hinterwäldler“ handelt, macht uns bereits Artikel 1 des Grundgesetzes deutlich. Auch die Würde jener Personen, die mit unserer Verfassung nur schwer vereinbare Haltungen vertreten, ist unantastbar. 

Wie gesagt: Wir müssen ihre Überzeugungen nicht teilen. Unser aufgeklärtes Dasein der Vernunft verbittet uns aber, sie als Individuen aus dem zivilgesellschaftlichen Miteinander auszuschließen. Freiheitswerte können eine Zumutung sein, weshalb es oftmals unerträglich erscheint, aus der Sozialisation und Kultivierung entglittene Sichtweisen ertragen zu müssen. Doch das gehört zu unserer offenherzigen Staatsordnung dazu: Integration auch derjenigen, die abzurutschen drohen. 

Denn nur so kann es uns allenfalls gelingen, durch Edukation, Argumentation und Identifikation zu unserem verbindlichen Normenkatalog Mitmenschen in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung, davor können sich auch die nicht entreißen, die aktuell meinen, die Weisheit gepachtet zu haben.

Dennis Riehle - 11:54 @ Gesellschaft

24.09.2021

Areligiosität ist Ausdruck des menschlichen Mängelwesens!

Leserbrief
zu: „Für Mehrheit der Deutschen spielt Religion keine Rolle“, „Rheinische Post“ vom 24.09.2021

Die Menschen scheinen immer seltener gläubig zu sein. Das könnte man zumindest aus der aktuellen Umfrage ablesen, die die Deutschen nach ihrer Beziehung zur Religion fragt. Demnach ist sie für eine übergroße Mehrheit der Bevölkerung kaum von Bedeutung. Doch stimmt dieser oberflächliche Blick tatsächlich? Bedauerlicherweise scheint das Interesse, orientiert man sich am urtypischen Verständnis von einer Religion, tatsächlich rückläufig zu sein. Viele Menschen setzen allerdings auch Religion mit Kirche gleich – und gerade die katholischen Bischöfe haben dieser Tage wiederum viele Gründe dafür geliefert, weshalb man sich von ihr abwenden kann. 

Gleichsam ist der Gottesglaube oftmals zwingend mit seiner christlichen Definition assoziiert, die zweifelsohne für viele Menschen immer schwieriger zu begreifen ist – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die oftmals einseitige Vermittlung eines allmächtigen Gottesbildes von den Kanzeln nur die halbe Wahrheit widerspiegelt und zwangsläufig Enttäuschungen hervorrufen muss, wenn wir die Ungerechtigkeit in der Welt ansehen. Gleichsam betrübt mich aber auch eine Entwicklung, die in unserer aufgeklärten, sozialisierten Gesellschaft zunehmend um sich greift. 

Legt man die Begrifflichkeit der „Religion“ weit aus, so erleben wir in der Moderne einen überschießenden Pluralismus an Weltanschauungen, die religiösen Charakter besitzen können: Was anfangs noch der Fußball war, sind später esoterische Werte gewesen, heute ist es der Klimaschutz. Wir erheben Ideologien, Visionen und Phantasien zu einem Gegenstand der Anbetung und Nachfolge – und das nicht zuletzt deshalb, weil auch der Mensch immer häufiger dazu neigt, sich gottgleich zu geben. Religion im eigentlichen Sinne ist wohl tatsächlich für immer weniger Menschen in der westlichen Welt von Belang, weil sie Greifbares dem Transzendenten vorziehen. 

Wir verdrängen damit unseren begrenzten Verstand und unsere Endlichkeit, schon anthropologisch gesehen ist es dem in seiner limitierten Vernunft geschaffenen Menschen kaum möglich, tatsächlich zu „glauben“. Das Aushalten von Zweifeln, Skepsis und Unerklärlichkeit gehört nicht zu seinen Fähigkeiten, er bedarf Sicherheit und Wahrheit – die Religion aber bewusst und Gott sei Dank solange nicht geben kann, wie ihr ein Absolutheitsanspruch oder eine Radikalisierung durch den Menschen fehlt. Religion setzt einen Glauben voraus, in dem Vertrauen, Hoffnung und Zuversicht eine Rolle spielen, nicht aber Gewissheit, Tatsächlichkeit oder Immanenz. 

Wäre es anders, würde sie ad absurdum geführt. Insofern muss man wohl attestieren: Schlussendlich nimmt die Religionszugehörigkeit bei uns ab, weil vielen Menschen die – richtigerweise nicht zu erbringenden – Beweise für ein theistisches Wirken eines Gottes fehlen. Letztendlich ist dies aber nur Ausdruck von transhumanistischen Tendenzen in unseren Breiten, die den Glauben an das Jenseitige durch eine Bevorzugung des Diesseitigen ersetzen. Wir sollten also nicht gegen die Areligiosität ankämpfen, sondern auf einen gesellschaftlichen Wandel hinarbeiten, der den Individualismus bändigt, die Selbstherrlichkeit unserer Spezies dämmt, Demut und Hingabe lehrt – und nicht zuletzt Entschleunigung übt, um das immer schneller werdende Eifern nach einer trügerischen und unerreichbaren Vollkommenheit des Menschen zu stoppen.

Dennis Riehle - 10:36 @ Glaube

Wir müssen Menschen entfesseln, nicht die Wirtschaft!

Leserbrief
zu: „Die Festigung des wirtschaftlichen Fundaments unserer Gesellschaft muss Priorität sein“, „Deutschlandfunk“ vom 05.09.2021

Im zu Ende gegangenen Bundestagswahlkampf war das Thema der Wirtschaft immer wieder von verschiedenen Parteien aufgegriffen worden. Gemäß des politischen Spektrum schwankte die Einschätzung, ob man sie von den steuerlichen und bürokratischen Belastungen weiter befreien sollte – nicht zuletzt auch zugunsten nachhaltigen Fortschritts für den Klimaschutz. Besonders DIE LINKE möchte eher das Gegenteil: Sie beansprucht, die Ökonomie mit weiteren Regeln und Gesetzen zu belegen, weil man davon überzeugt ist, dass der Markt alleine die Ziele weniger CO2-Emmissionen nicht erreichen kann. 

Auch in Fragen der finanziellen Erleichterungen für Unternehmen spricht man sich im linken Parteienreigen dafür aus, tendenziell eher stärkere Abgaben zu erheben, um die durch Corona, Flut und Umweltschutz gebeutelten Staatshaushalte zu sanieren. In eine völlig andere Richtung geht erwartungsgemäß die FDP: Sie will die Firmen von der Geißel der Steuerlast loslösen und ihr damit private Investitionen erleichtern. Man verweist darauf, dass das auch bereits vor der Krise geklappt habe – und nur auf diesem Wege Wohlstand hergestellt werden könne. Doch für meinen Geschmack geht es in all dieser Diskussion zu sehr darum, wie wir mit den Betrieben im Land umgehen wollen. 

Natürlich: Sie sind der Motor für Prosperität und Entwicklung. Aber sollten wir nicht auch einmal den Blick auf diejenigen werfen, die den Unternehmen das Wasser reichen und ihr Florieren bei der Stange halten? Denn im Zweifel sind es die Arbeitnehmer an der Basis, die dem Kahlschlag durch das Management zum Opfer fallen. Wer dann in der „Hartz IV“-Falle landet, entdeckt ganz andere Seiten von Gängelung. Was die FDP als „Fordern und Fördern“ weiterhin hochhält, ist in Wahrheit eine Entmündigung des Einzelnen. Das kann nicht dem freiheitlichen Menschenbild entsprechen, wenn der Arbeitslose zum hundertsten Male ein Bewerbungstraining durchläuft oder zur Konzentrationsförderung Rechenaufgaben auf Grundschulniveau lösen muss. Dass diese Realität maßgeblich das Innovationspotenzial in unserem Land schrumpft, wird angesichts der Statistik deutlich, welche viele ALG II-Empfänger über Jahre und Jahrzehnte in zementierter Armut sieht, weil ihnen einerseits eine passgenaue Berufsförderung verweigert wird – andererseits beschränkt das System aber auch jegliche monetäre Freiheit. 

Statt sich auf die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit konzentrieren zu können, sorgt sich der Arbeitslose ständig neu um sein Dasein. Daher plädiere ich für eine Mindestsicherung, die es erlaubt, den Fokus weg von der dauernden Angst um das finanzielle Übermorgen hin zu einer stabilen Existenzgrundlage für jeden zu lenken, damit unbeschwerte Schaffenskraft und Selbstverwirklichung geschehen kann – die Menschen am ehesten wieder zurück in Lohn und Brot bringt. Wir sind schon allein anthropologisch darauf ausgerichtet, etwas aus unserem Leben machen zu wollen. Nehmen wir daher den Mut für ein bedingungsloses Grundeinkommen zusammen, das durch Bürokratieabbau und Zusammenlegung von Sozialleistungen zweifellos finanzierbar ist. 

Die Erfahrung hat gezeigt: Wer die Wirtschaft an die lange Leine lässt, der riskiert einen Missbrauch der menschlichen Arbeitskraft zugunsten des unternehmerischen Wachstums und eines Reichtums von Wenigen. Wir brauchen Ergebnisgerechtigkeit, weil wir es nicht schaffen werden, evolutionäre Unterschiede zwischen den Menschen derart zu minimieren, dass eine wahrhaftige Chancengleichheit entsteht. Entfesseln wir daher die Menschen, nicht die Wirtschaft!

Dennis Riehle - 10:35 @ Politik

Die FDP steht sich selbst im Weg

Leserbrief
zu: „Lindner sieht Cannabis-Legalisierung als einzige Gemeinsamkeit für Ampel-Koalition“, „Augsburger Allgemeine“ vom 22.09.2021

Irgendwie ist es traurig um eine so geschichtsträchtige und die Bundesrepublik seit jeher prägende Partei wie die FDP, dass ihr Vorsitzender mit demokratischen Kräften aus dem Mitte-Links-Spektrum als einzige Gemeinsamkeit die Drogenpolitik sieht. Christian Lindner entdeckt nicht viele Schnittmengen für eine Ampel-Koalition nach der Bundestagswahl. Das ist schade, fixiert er die Liberalen damit doch auch perspektivisch auf die einzige Bündnismöglichkeit mit der Union. 

Das schränkt das politische Handeln der Freien Demokraten ein, scheint aber gleichsam in einem Deutschland des 21. Jahrhunderts, in dem die Menschen Abschied nehmen möchten von den klassischen Zweier-Bindungen, eine Absage an Kompromissbereitschaft zu sein. Doch genau jene erwartet man heute, dass sich auch solche Parteien zusammenraufen, die bislang inhaltlich, thematisch und personell eher auf Abstand zueinander waren. 

Ohnehin: Die allzu enge Fokussierung auf CDU/CSU erlebt die FDP eigentlich erst seit der Ära Westerwelle. Der vom damaligen Vorsitzenden eingeschlagene Weg des alternativlosen Neoliberalismus beendete eine heilsame Zeit, die in den „Freiburger Thesen“ ihren Höhepunkt fand. Die dortige sozialliberale Ausrichtung der Partei tat nicht nur Deutschland gut, weil sie damals konstruktive Koalitionen ermöglichte. Sie öffnete die Freien Demokraten auch hin zu einer Politik, die nicht ausschließlich auf die Kräfte des Marktes vertraute und den Individualismus nicht zur Absolutheit stilisierte, sondern die Notwendigkeit menschlichen Eingreifens in ökonomische Prozesse anerkannte und Solidarität als Wert einer aufgeklärten Gesellschaft unterstrich. 

Wenn Lindner aktuell lediglich in der Frage der Cannabis-Liberalisierung eine programmatische Überschneidung mit SPD und „Grünen“ sieht, dann ist das durchaus ein Armutszeugnis für seinen Kurs, den er von seinen Vorgängern übernommen hat. Vielleicht rütteln ihn die durch den Wähler am 26. September 2021 geschaffenen Tatsachen und möglichen Konstellationen auf, seine Aussagen nochmals zu überdenken. Wenngleich ich nicht an eine Revolution der Sozialliberalen in der FDP glaube, könnte es dennoch zu rumoren beginnen: Den Liberalen hängt nicht erst seit gestern das Attribut von „emotionaler Kälte“ an. 

Dieser Makel, der sicherlich auch verhindert, weitere Wählerschichten zu erschließen, vermag durch manch einen Freien Demokraten aus der zweiten Reihe angegangen werden. Möglicherweise durchläuft die FDP einen selbstreinigenden Umbruch, während sich der derzeitige Vorsitzende trotz momentaner Skepsis dann doch in einem rot-grün-gelben Bündnis als Finanzminister andere Dingen zuwendet.

Dennis Riehle - 10:33 @ Politik

Weg von den Pauschalisierungen!

Leserbrief
zur Wahlkampfdebatte über die Zukunft der Rente, SÜDKURIER vom 22.09.2021

Im Bundestagswahlkampf ging es inhaltlich unter anderem um die Frage, ob die von Norbert Blüm einst geäußerte Zusage gehalten werden kann, wonach die Rente auch zukünftig sicher ist. Während sich die SPD zumindest für ein stabiles Rentenniveau einsetzte und auch das Renteneintrittsalter nicht erhöhen wollte, forderte DIE LINKE gar eine Anhebung des Sicherungslevels und eine Absenkung des Pensionsalters. 

Doch eigentlich hatte ich gedacht, dass wir in den 20er-Jahren des 21. Jahrhunderts gedanklich flexibler sind, als ständig in Pauschalisierungen zu denken. Es ist vollkommen richtig, dass über ein Fünftel der Deutschen noch vor Erreichung des 70. Lebensjahres verstirbt – und damit wenig von einer Rente hat, wenn der Ruhestand erst mit 67 beginnt. Gleichermaßen scheint es ungerecht, wenn ein rüstiger Selbstständiger bei bester Gesundheit arbeiten will, aber durch gesellschaftliche Konventionen dazu gedrängt wird, im Alter den Platz für die nächste Generation freimachen zu müssen. 

Das menschliche Dasein ist bereits aus anthropologischer Sicht auf Individualität ausgerichtet. Es spielt also bereits eine Rolle, wie unsere Konstitution genetisch angelegt ist – und vor allem, welchem Beruf wir nachgehen. Person X kann im selben Job möglicherweise länger arbeiten als Y, weil sie physiologisch und psychologisch belastbarer ist. Daneben ist doch auch völlig klar, dass der Straßenarbeiter seltener auf über 40 Berufsjahre kommt als der Bürosachbearbeiter. Das Leben lässt sich nicht in Schwarz-Weiß denken. Genauso wenig unsere Rente. Weshalb ermöglichen wir daher nicht ein selbstbestimmtes Eintrittsalter?

 Im Sozialstaat muss sich die „ausgebrannte“ Pflegekraft darauf verlassen können, dass sie auch mit 57 Jahren in den Ruhestand gehen kann – und ihre Bezüge solidarisch vom Manager gezahlt werden, der auch mit 75 noch in der Chefetage sitzt. Dieses Prinzip kann aufgehen, das haben andere Länder gezeigt. Ähnlich verhält es sich auch mit der Finanzierung unserer Rente: Es gibt viele Beispiele, wie die derzeitige umlagenbasierte Altersversorgung fortentwickelt werden kann. Die Konzepte liegen auf dem Tisch, keines davon ist in seinem Absolutheitsanspruch ideal. Stattdessen braucht es ein kreatives und mutiges Kombinieren und Ausprobieren. Es genügt nicht, die verkrusteten Strukturen aufzuweichen – sie müssen nicht nur im Blick auf die Demografie entfesselt werden!

Dennis Riehle - 10:32 @ Politik

Bewusste Beschönigung

Kommentar
zur Medienmitteilung über die Umbenennung des KORSO in den „Zentralrat der Konfessionsfreien“ vom 22.09.2021

Als konfessionsloser Christ störe ich mich an der Vereinnahmung durch den umbenannten „Koordinationsrat säkularer Organisationen“. Neuerdings heißt er „Zentralrat der Konfessionsfreien“ – und beansprucht mit diesem Namen einerseits mehr politischen Einfluss und sicherlich auch eine Äquivalenz zu anderen Institutionen gleicher Bezeichnung – beispielsweise jener in Österreich. Nicht nur die personelle Besetzung, sondern auch die Mitgliedsorganisationen machen deutlich, dass es sich in erster Linie um einen Zusammenschluss von atheistischen und laizistischen Verbänden handelt, weniger um Konfessionslose im eigenen Sinn – die im allgemeinen Sprachverständnis als der Kirche ferne Personen, aber nicht zwingend religiös bekenntnisfreie Menschen verstanden werden. 

Das offenbar bewusste Ansinnen, mit der Betitelung der „Konfessionsfreien“ eine weit über das säkulare Spektrum hinausgehende Menge anzusprechen und damit letztlich den Anschein zu erwecken, deutlich mehr Bürger zu vertreten als in Wahrheit möglich, irritiert und lässt vermuten, wonach man sich größer machen will, als man tatsächlich ist. Denn zweifelsohne begehren die Atheisten in Deutschland einen besseren Stand, als sie ihn momentan haben. Nachdem ich über mehrere Jahre auch der Bewegung des Evolutionären Humanismus angehörte, weiß ich um den dortigen Wunschgedanken nach mehr Einfluss und Mitsprache in politischen und gesellschaftlichen Fragen. Allerdings belügt sich die Dachorganisation bewusst selbst, wenn sie davon träumt, schon bald mit Katholiken und Protestanten zahlenmäßig auf einer Stufe zu stehen. 

Denn: Nicht jeder Mensch, der die Kirche verlässt, kann automatisch zum säkularen Spektrum gezählt werden. Im Gegenteil: Man muss davon ausgehen, dass dem Weggang aus einer Konfession vorrangig nicht-religiöse Gründe wie die Kirchensteuer, die Missbrauchsfälle oder eine persönliche Zerrüttung zugrunde liegen. Insofern bleiben die meisten Menschen, die die Kirche verlassen, gläubig – und zumeist auch den wesentlichen Überzeugungen des Christentums treu. Offiziell sind sie mit ihrem Ausscheiden aus ihrer Religionsgemeinschaft aber „konfessionsfrei“. Ich empfinde es als übergriffig, wenn diese Personen vom neuen Zentralrat zu okkupieren versucht werden. Immerhin wird der fälschliche Eindruck erweckt, wonach Konfessionsfreie zwangsläufig als laizistisch, atheistisch oder zumindest evolutionär-humanistisch geprägt seien. 

Diese Verzerrung dient allein der Besserstellung dieser Institution in der öffentlichen Wahrnehmung, spiegelt aber keinesfalls die Realitäten wider. Ich möchte als konfessionsloser Christ nicht dazu zweckentfremdet werden, die Zahl der Säkularen künstlich nach oben zu treiben. Insofern widerspreche ich ausdrücklich und verwahre mich dagegen, vom selbsternannten Zentralrat repräsentiert zu werden.

Dennis Riehle - 10:31 @ Glaube

Lasst die Religion das Opium sein!

Leserbrief
zu: „Religionskritik und Religionsfreiheit“, hpd.de vom 08.09.2021

Die Frage über die Berechtigung der Existenz einer Religion muss per se ins Leere führen, weil Religion ohnehin „da“ ist. Ihre Notwendigkeit ergibt sich bereits aus dem anthropologischen Bedürfnis des Menschen nach Erklärbarkeit und Begründbarkeit von Sinn und Wahrhaftigkeit des Lebens. Vermeintliche Religionskritik, wie man sie auch den Worten „Opium des Volkes“ von Marx zuschreibt, offenbart in Wirklichkeit das unerlässliche Bedürfnis nach einem menschlichen Weltverständnis und einer Möglichkeit, trotz Leiden und Pein nicht zu verzweifeln. 

Religion ist heilsam und kann sicherlich auch berauschend sein. Ihre Dringlichkeit wird dadurch aber keinesfalls in Frage gestellt, ganz im Gegenteil. Der Glaube an das Höhere und die Überzeugung an ein Jenseitiges gehören zu unserer DNA, weil wir mit Ungewissheit, Antwortlosigkeit und Unsicherheit kaum existieren können. Auch wenn die Religion also vornehmlich ein auf Tradition, Überlieferung und Hoffnung gebautes Gedankengerüst für den Halt im irdischen Dasein ist, erfüllt sie weit mehr als einen Selbstzweck. Religion gibt Orientierung und Zuversicht, welche die Begrenztheit unserer Vernunft zumindest partiell zu kaschieren vermögen. 

Gleichwohl kann die Ausübung der Religion trotz ihres Charakters als Grundrecht keinen Anspruch auf eine unlimitierte Freiheit erheben und ist auch nicht vor Widerrede gefeit. Allerdings kann der Adressat solcher Kritik nicht die Religion an sich sein, weil sie lediglich das Objekt und Ergebnis eines menschlichen Schaffungsprozesses ist. Insofern obliegt es allein dem Menschen, Religion zu gestalten und ihrem Macht-, Wahrheits- und Absolutheitsanspruch Grenzen zu setzen. Schließlich kann sie nicht allein aus ihrer Gestalt heraus zu einem Werkzeug für Missbrauch werden, dafür bedarf es des Handwerkers, der es benutzt. Insofern ist die Kritikfähigkeit der Religion von der Bereitschaft der Selbstreflexion des Menschen abhängig.

Dennis Riehle - 10:30 @ Glaube

Neuzeitliche Ungeduld

Leserbrief
zu: Regale voller Schokoweihnachtsmänner im Sommer – ist doch super, oder?, SÜDKURIER Konstanz vom 18.09.2021

Nicht nur christliche Kirchen empören sich darüber, dass mit jedem Jahr der Beginn des Schoko-Weihnachtsmann-Verkaufs nochmals um einige Tage nach vorne rückt. Mittlerweile verhökern sie Supermärkte schon im August, in manchen Katalogen finden sich Lichterketten und Baumkugeln mitten im Sommer und Plätzchen-Rezepte werden ab der zweiten Jahreshälfte getauscht. Es hat einen guten Grund, warum die Vorbereitung auf Weihnachten in Form der Adventszeit begrenzt ist. 

Schlussendlich ist das Christfest nämlich kein Lebensgefühl, das man durch die Monate mit sich herumträgt. Es ist eine jährlich wiederkommende Zäsur, mit der wir vor allem geistlich dazu angehalten werden, innezuhalten und nachzudenken. Praktizieren wir Weihnachten rund um die Uhr, wird es nicht nur ad absurdum geführt, sondern verliert seinen erfreuenden, motivierenden und mahnenden Charakter. 

Und auch wenn manch Begeisterte ihre Häuser 365 Tage schmücken, ist das kein Anlass dazu, dass sich die Mehrheitsgesellschaft der besonders durch die Wirtschaft vorangetriebenen Kommerzialisierung von Weihnachten über Monate hinweg unterwirft. In der Neuzeit, in der alles möglich erscheint und der Mensch sich zunehmend anmaßt, gottgleiche Gestaltungsfreiheit zu besitzen, wird die menschliche Ungeduld befeuert. Christus ist am 24.12. geboren – und auch wir begehen unseren Geburtstag nur ein Mal pro Jahr. Keine Frage: Selbstverständlich dürfen wir diesem Ereignis erwartungsvoll entgegensehen. Doch es genügt vollkommen, wenn wir dies in den dafür vorgesehenen vier Wochen ab Ende November tun. 

Wir trainieren damit etwas, das vielen von uns heute schwer zu fallen scheint: Warten. Schließlich kann es nur guttun, wenn wir unserem offenbaren Trieb nach Kokosmakronen, Spekulatius und Butterkeksen allein aus figürlichen Gründen unter dem Jahr widerstehen. Eine Überflussgesellschaft vermag es sich gönnen zu können, Bedürfnisse und Gier jederzeit zu befriedigen. Dabei wissen wir um die heilsame Wirkung der Enthaltsamkeit. Sie befähigt uns, das Wunder von Bethlehem immer wieder neu mit authentischer Glückseligkeit zu betrachten, weil es nur solange zu keiner Selbstverständlichkeit verkommt, wie wir Weihnachten nicht zu unserem Alltag erklären.

Dennis Riehle - 10:29 @ Gesellschaft

Der Sozialismus ist konservativer als man denkt!

Leserbrief
zu: „Abtreibungsverbot in Texas: Kampf für kostenlose und sichere Abtreibungen“, sozialismus.info vom 07.09.2021

Ob Schwangerschaftsabbruch, „Ehe für alle“ oder Frauen in Führungspositionen – zu all diesen gesellschaftspolitischen Fragen hat die Linke in Deutschland eine eindeutige Haltung: Je liberaler, umso schöner! Doch was im 21. Jahrhundert in Westeuropa sozialistisch ist, war es über Jahrhunderte eben nicht – und bleibt auch in manch kommunistischen Regionen der Welt von heute undenkbar. 

Man muss gar nicht weit zurückblicken, da erkennt man recht bald, dass beispielsweise in der DDR mit diesen Fragen völlig anders umgegangen wurde, als es linke Politik im Deutschland der Gegenwart als selbstverständlich propagiert. Realsozialismus ist in Wahrheit sehr viel konservativer als man denkt. Denn tatsächlich zielt er in seinen Ursprüngen auf den bewahrenden Charakter der Familie ab, unter anderem auch deshalb, um den Fortbestand der Arbeiterklasse zu sichern. 

Die heute von der Mehrheit der hierzulande tätigen Linkspolitiker berufen sich auf einen Sozialismus, welcher sich in seiner jetzigen Programmatik erst mithilfe der Emanzipation durchsetzen konnte. Das absolute Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper, die rechtliche Gleichstellung aller Lebenspartnerschaften und die Loslösung der Hausdame vom heimischen Herd – all diese Errungenschaften sind hehre, aber eben nicht absolutistische Werte. 

Ja, es mag sein, dass links denkende Menschen wie ich, die sich nicht dem aktuellen Mainstream-Marxismus einer aus meiner Sicht falsch verstandenen Freiheit unterwerfen wollen, rückwärtsgewandt und in der Vergangenheit stehengeblieben sind. Allerdings gehört es auch zu einem demokratisch verstandenen Sozialismus dazu, die Meinungsfreiheit als elementares Gut eines Verfassungsstaates hochzuhalten. Insofern gebietet es allein dieser Grundsatz, auch einem scheinbar antiquierten Sozialismus Respekt einzuräumen.

Dennis Riehle - 10:28 @ Gesellschaft

Jetzt hilft nur noch Selbstzerstörung!

Leserbrief
zur Abweisung des Rücktrittsgesuchs von Hamburgs Bischof Heße durch Papst Franziskus, SÜDKURIER vom 16.09.2021

Es begann mit einem Zick-Zack-Kurs in der Frage, inwieweit Homosexuelle zur katholischen Kirche gehören und welche Rechte sie bekommen sollen. Später dann windete er sich darum, ein klares Bekenntnis zu Frauenrechten innerhalb der Weltkirche abzugeben. Und aktuell wirkt er in Sachen Aufarbeitung des Missbrauchs durch Priester völlig unberechenbar. Die Rede ist von Papst Franziskus, der so ungreifbar ist wie kaum ein anderer Pontifex vor ihm. 

Es scheint so, als habe er zwar in sich gesehen eigene Meinungen, kann sie aber in der vatikanischen Kurie nicht durchsetzen. Dass er zunächst das Rücktrittsangebot von Kardinal Marx abgelehnt und nun auch das Gesuch von Bischof Heße zurückgewiesen hat, macht ganz unmissverständlich deutlich, dass die Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe durch katholische Geistliche in Gänze gescheitert ist. Franziskus ist nicht bereit, sichtbare Konsequenzen zu ziehen. Viel eher verweist er immer wieder darauf, gemeinsam mit dem angestammten Personal, welches teils tief in die Vertuschung verwickelt zu sein scheint, aufräumen zu wollen. 

Doch das kann nicht mit jenen Führungskräften funktionieren, die bereits in der Offenlegung der katastrophalen Fehltritte versagt haben. Ein echter Neubeginn ist nur mit unbelasteten Persönlichkeiten möglich, denn das zerschlagene Vertrauen zu der bisherigen Mannschaft lässt sich nicht mehr kitten. Der Papst ist nicht zu dem bereit, was er selbst liturgisch immer wieder verkündet: Die katholische Kirche vermag den Schritt zur „bußfertigen Reue“ nicht zu gehen, denn sie schützt diejenigen, die Verantwortung tragen. Der nahezu hilflos wirkende Appell von Kirchenvertretern und Laienorganisationen, wonach die Schäfchen dem Katholizismus doch bitte nicht den Rücken kehren sollten, sondern dabei mithelfen mögen, die Kirche von innen zu erneuern, muss wie Hohn klingen. 

Spätestens angesichts der Offenbarung durch Franziskus bei der Entscheidung über den Hamburger Kleriker, dem ein massives Versäumnis im Transparentmachen von Sünden diverser Pfarrer attestiert wurde, ist alle Glaubwürdigkeit dahin. Nein, der Zug ist wahrlich abgefahren, eine Reform der Kirche kann auch von unten nicht gelingen, weil an ihrer Spitze ein Ehrenkodex herrscht, der auch von jeglichem Versuch der Demokratisierung nicht gesprengt werden kann. Die Oligarchie in der katholischen Zunft bleibt unantastbar, das ist ein bitteres Eingeständnis. 

Je mehr Gläubige aus der Utopie der Veränderung erwachen, umso schneller kann die Kirche in existenzielle Not geraten: Diese selbstzerstörerische Aussicht dürfte mittlerweile der einzige Weg zu sein, um tatsächlich noch zu einem Zusammenbruch des kirchlichen Machtapparats und einer revolutionären Reinigung zu gelangen.

Dennis Riehle - 10:27 @ Glaube

16.09.2021

Weltfremde Leistungsberechnung bittet “Hartz IV”-Empfänger zur Vorkasse

Leserbrief
zu: „Hartz IV-Sätze steigen“, „Süddeutsche Zeitung“ vom 16.09.2021

Es ist eine Verhöhnung der Hartz IV-Bezieher, wenn ihre Leistungen im kommenden Jahr um 3 Euro ansteigen sollen. Angesichts einer dramatischen Inflationslage, die Wirtschaftswissenschaftler herunterspielen, bedeutet die Anhebung einen Realverlust für die Beziehenden. 

Die jetzige Entscheidung über die magere Erhöhung der Leistungssätze ist Ausdruck eines eklatanten Strukturfehlers: Abgesehen davon, dass die gesamten „Hartz“-Reformen eine einzige Zumutung sind und seit nunmehr weit über 15 Jahren Armut in diesem Land zementieren, gründet die Berechnung der Regelsätze für das ALG II auf völlig weltfremden „Warenkörben“, die mit der Lebenswirklichkeit nichts zu tun haben und das Modell eines hilfebedürftigen Menschen zugrunde legen, welches die tatsächlichen Bedürfnisse von „Hartz IV“-Empfängern außer Acht lassen.

Hierdurch können Leistungssteigerungen einerseits immer nur mit äußerst großer Verzögerung zur aktuellen ökonomischen Situation in Kraft treten. So muss der mittellose Bedürftige stets in Vorkasse treten, weil er die tagesgenauen Preise bezahlen muss, welche in die für die Leistungshöhe relevanten statistischen Erhebungen erst viel später einfließen. 

Dieser Umstand trägt dazu bei, dass das verfassungsrechtliche Gebot zur steten Aufrechterhaltung eines sozioökonomischen Existenzminimums nicht eingehalten werden kann. Obwohl die Erkenntnis über die massive Fehlentscheidung in der Schröder’schen Legislaturperiode selbst bei den Parteien, die die damalige Einführung zu verantworten haben, angekommen zu sein scheint, ist offenbar niemand bereit, die politische Misere rückgängig zu machen. Es hilft nicht, an einzelnen Stellschrauben zu drehen oder „Hartz IV“ irgendwie „weiterzuentwickeln“. 

Es braucht eine Abschaffung und grundlegende Reformen unserer Sicherungssysteme. Damit Menschen zurück in Erwerbstätigkeit geführt werden können, bedürfen sie einer Absicherung, die ihnen Raum zur freien Persönlichkeitsentfaltung gibt und sie nicht ständig in die Sorge treibt, um ihr materielles Dasein fürchten zu müssen. 

Daher ist es vollends unerlässlich, jedem Bürger in Deutschland ein Grundeinkommen zu gewährleisten, von dem die Reichen durch gleichzeitige Anhebung von Spitzensteuersätzen nichts spüren, das aber jenen die Chance zur Rückkehr in die Arbeitswelt einräumt, die bisher durch „Hartz IV“ gegängelt und aufgrund von sinnfreien Eingliederungsmaßnahmen von beruflicher Teilhabe abgehalten werden. Die Zusammenführung sozialer Leistungen in eine Mindestsicherung würde massiv Bürokratie einsparen und wäre nachweislich finanzierbar.

DennisRiehle - 06:55 @ Soziales

Jetzt hilft nur noch Selbstzerstörung…

Kommentar
zur Abweisung des Rücktrittsgesuchs von Hamburgs Bischof Heße durch Papst Franziskus

Es begann mit einem Zick-Zack-Kurs in der Frage, inwieweit Homosexuelle zur katholischen Kirche gehören und welche Rechte sie bekommen sollen. Später dann windete er sich darum, ein klares Bekenntnis zu Frauenrechten innerhalb der Weltkirche abzugeben. Und aktuell wirkt er in Sachen Aufarbeitung des Missbrauchs durch Priester völlig unberechenbar. Die Rede ist von Papst Franziskus, der so ungreifbar ist wie kaum ein anderer Pontifex vor ihm. Es scheint so, als habe er zwar in sich gesehen eigene Meinungen, kann sie aber in der vatikanischen Kurie nicht durchsetzen.

Dass er zunächst das Rücktrittsangebot von Kardinal Marx abgelehnt und nun auch das Gesuch von Bischof Heße zurückgewiesen hat, macht ganz unmissverständlich deutlich, dass die Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe durch katholische Geistliche in Gänze gescheitert ist. Franziskus ist nicht bereit, sichtbare Konsequenzen zu ziehen. Viel eher verweist er immer wieder darauf, gemeinsam mit dem angestammten Personal, welches teils tief in die Vertuschung verwickelt zu sein scheint, aufräumen zu wollen.

Doch das kann nicht mit jenen Führungskräften funktionieren, die bereits in der Offenlegung der katastrophalen Fehltritte versagt haben. Ein echter Neubeginn ist nur mit unbelasteten Persönlichkeiten möglich, denn das zerschlagene Vertrauen zu der bisherigen Mannschaft lässt sich nicht mehr kitten. Der Papst ist nicht zu dem bereit, was er selbst liturgisch immer wieder verkündet: Die katholische Kirche vermag den Schritt zur „bußfertigen Reue“ nicht zu gehen, denn sie schützt diejenigen, die Verantwortung tragen.

Der nahezu hilflos wirkende Appell von Kirchenvertretern und Laienorganisationen, wonach die Schäfchen dem Katholizismus doch bitte nicht den Rücken kehren sollten, sondern dabei mithelfen mögen, die Kirche von innen zu erneuern, muss wie Hohn klingen. Spätestens angesichts der Offenbarung durch Franziskus bei der Entscheidung über den Hamburger Kleriker, dem ein massives Versäumnis im Transparentmachen von Sünden diverser Pfarrer attestiert wurde, ist alle Glaubwürdigkeit dahin.

Nein, der Zug ist wahrlich abgefahren, eine Reform der Kirche kann auch von unten nicht gelingen, weil an ihrer Spitze ein Ehrenkodex herrscht, der auch von jeglichem Versuch der Demokratisierung nicht gesprengt werden kann. Die Oligarchie in der katholischen Zunft bleibt unantastbar, das ist ein bitteres Eingeständnis. Je mehr Gläubige aus der Utopie der Veränderung erwachen, umso schneller kann die Kirche in existenzielle Not geraten: Diese selbstzerstörerische Aussicht dürfte mittlerweile der einzige Weg zu sein, um tatsächlich noch zu einem Zusammenbruch des kirchlichen Machtapparats und einer revolutionären Reinigung zu gelangen.

DennisRiehle - 05:49 @ Glaube

13.09.2021

Die klimatische Erweckungsbewegung

Leserbrief
zum Online-Klimagebet „Kirche für 1,5°“ am 21.09.2021 

Das Eintreten für den Klimaschutz nimmt immer fragwürdigere Züge an: Dass nun die evangelische Kirche zum „Klimagebet“ einlädt und Gott darum bitten will, dass die Menschheit doch endlich zur Besinnung kommen möge und die international gesteckten Ziele einhalten solle, ist in mehrerlei Hinsicht bedenklich und pervertiert jegliche Religiosität: 

Zwar wissen wir spätestens seit der Flüchtlingskrise, wonach der Protestantismus eine sehr politische Konfession ist, die sich auch gerne dezidiert durch ihre obersten Vertreter auf eine bestimmte Seite zu stellen vermag. Doch dass man jetzt sogar versucht, eine charismatisch oder pfingstlich anmutende Erweckung zu erhoffen, lässt mich an mancher Rationalität der Beteiligten zweifeln. 

Immerhin kenne ich solche Praktiken nur aus extremen Glaubensrichtungen, deren Anhänger ihrer höheren Macht eine grenzenlose Allmacht zugestehen und darauf vertrauen, dass sie theistisch gesehen in das Weltgeschehen und sogar in die Köpfe und Denkprozesse des Menschen eingreift. Politische Entscheidungen sind nicht durch einen Gott beeinflussbar. Wer davon ausgeht, instrumentalisiert und missbraucht ihn für die eigenen Utopien. 

Der Slogan „Kirche für 1,5°“ ist eine Bankrotterklärung, weil sich das Ansinnen widerspricht: Die Umweltschutzbewegung geht davon aus, dass wir unter einem menschgemachten Klimawandel leiden und damit selbst dafür verantwortlich sind, dass es zu einer drastischen Erderwärmung kommt. Weshalb möchte man dann Gott in diese Fehlentwicklung einbinden? Ist er derjenige, der Menschheitsfehler ausbügeln soll? Der Retter in der Not, der lediglich dann bemüht wird, wenn wir Geschöpfe nicht mehr weiter wissen? 

Unabhängig davon, dass ich nicht davon überzeugt bin, wonach sich die perspektivische Veränderung unseres Klimas allein auf die zweifelsohne unredliche Ressourcenverschwendung durch uns irdische Wesen zurückführen lässt, verstört mich als Christ und ehemaliges Mitglied der evangelischen Kirche, mit welcher Einseitigkeit und Naivität man sich mit denjenigen verbündet, die momentan versuchen, die Wahrheit für sich zu beanspruchen. Dass man gerade die nicht unumstrittene Aktivistin Neubauer zum „Online-Gebet“ eingeladen hat, lässt anmuten: 

Wird hier die Stellvertreterin der verehrten und sicher alsbald heiliggesprochenen Greta Thunberg als Messias und Nachfolge Christi zelebriert? Ich erwarte in politischen Fragen eine Unabhängigkeit der Konfessionen, solange sie nicht die Mehrheit ihrer Mitglieder wissentlich hinter sich vereinen kann. Die Verjüngung in der EKD hat offenbar auch zu einem massiven Erdrutsch in den weltlichen Überzeugungen der evangelischen Kirche geführt. 

Dass offenbar die neue Mittzwanziger-Präses Anna-Nicole Heinrich nicht nur theologisch gesehen eine liberale Haltung einnimmt, sondern sich auch politisch kurz nach ihrem Amtsantritt derart in eine bestimmte Ecke positioniert, lässt mich daran zweifeln, ob die Protestanten nicht doch auf dem Weg sind, sich von einer Religions- zu einer dezidiert diesseitigen Weltanschauungsgemeinschaft zu wandeln.

DennisRiehle - 07:58 @ Glaube

12.09.2021

Verhöhnung von Impfgeschädigten

Leserbrief
zu: Joachim Gauck bezeichnet Impfunwillige als „Bekloppte“, „RP Online“ vom 11.09.2021

Nein, Joachim Gauck ist eben nicht nur Privatperson, sondern weiterhin Bundespräsident – lediglich außer Dienst. Und genau für diesen Umstand sind seine aktuellen Aussagen unwürdig. Als Betroffener eines höchstwahrscheinlichen Impfschadens durch die Corona-Immunisierung empfinde ich es als Hohn, wenn das ehemalige Staatsoberhaupt Impfverweigerer als „Bekloppte“ bezeichnet. 

Gerade er, der immer für die Freiheit gekämpft hat, sollte nun auch die individuelle Entscheidung des Einzelnen respektieren und anerkennen, wenn sich ein Mensch aus argumentativen Gründen gegen die Verabreichung eines Vakzins ausspricht. Ohne Frage: Ich halte das Immunisieren für wichtig und erachte es als einen wesentlichen Bestandteil dafür, dass wir aus der Pandemie herausfinden. Ich würde mich selbst auch jederzeit wieder impfen lassen. Dennoch muss der Entschluss dazu freiwillig bleiben. 

Grundrechtseinschränkungen für Nicht-Geimpfte sind für mich inakzeptabel. Man braucht vor allem Ehrlichkeit: Es gibt schwerwiegende und dauerhafte Nebenwirkungen, wenngleich sie vergleichsweise selten sein mögen. Das muss der Öffentlichkeit authentisch erklärt werden, damit der mündige Bürger befinden kann, wie er persönlich das Nutzen-Risiko-Verhältnis bewerten möchte und ob er sich immunisieren lassen will. Besonders bei Vorerkrankten wird aus meiner Sicht zu wenig abgewogen und mögliche Folgen verharmlost. 

Die Verantwortung dafür liegt bei der Bundesregierung, aber auch den beteiligten Fachinstituten, die nicht gerade durch die allergrößte Transparenz brillieren. Es ist Aufgabe eines Staates, seine Bürger zu schützen. Das bedeutet nicht nur, die Gefahr eines Virus von ihr abzuwenden, sondern auch Impfrisiken unverblümt zu benennen und sie vollumfänglich in ihrer wahrhaftigen Prävalenz offenzulegen.

DennisRiehle - 10:27 @ Gesellschaft

10.09.2021

Offenes Schreiben an Sven Schulze (CDU): Langzeitarbeitslose sollen “Laub fegen und Müll sammeln”

Sehr geehrter Herr Schulze,

ich habe mit großer Sorge von Ihren Vorschlägen erfahren, wonach Sie Langzeitarbeitslose zu „Laub fegen oder Müll sammeln“ heranziehen wollen.

Kollegen aus der CSU (Michael Kuffer) und der Freien Wähler (Hubert Aiwanger) haben abstrakte Unterstützung für Ihre Anregung signalisiert.

Sie ermutigen, das Fordern dem Fördern gegenüber stärker zu gewichten, weil Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen seien, der Gesellschaft etwas zurückgeben müssten.

Sie sprechen in diesem Zusammenhang von Langzeitarbeitslosen, die nicht dazu bereit wären, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Ihre Ausführungen zeigen mir, dass Sie mit der Praxis wenig vertraut sind. Als ehrenamtlicher Sozialberater treffe ich nahezu täglich auf Menschen, die oftmals seit Jahren ALG II beziehen – nicht selten seit Beginn der „Hartz“-Reformen.

Ursächlich für die Langzeitarbeitslosigkeit sind nicht die fehlenden Bemühungen der Betroffenen, einen Job zu finden.

Monotone Bewerbungstrainings zum hundertsten Mal, sinnfreie Rechenaufgaben aus der Grundschule zur Konzentrationssteigerung und endlose Weiterbildungen ohne konkretes Konzept – das sind die traurigen Wahrheiten!

„Jobcenter“ und Arbeitsagentur schaffen es unter den gesetzlichen Voraussetzungen nicht, langzeitarbeitslosen Menschen auf deren Portfolio passende Beschäftigungsangebote zu unterbreiten.

Dies zeigt auch der Umstand, dass viele arbeitslose Bewerber nach Vorstellungsgesprächen zurückgewiesen werden, weil sie für den vom Amt vermittelten Beruf aus Sicht des Arbeitgebers überqualifiziert sind.

Dass „Hartz IV“ Langzeitarbeitslosigkeit und Armut zementiert, beweisen dieser Tage neue Studien, welche verdeutlichen, dass strukturelle Probleme im System Grund für fortdauernde Arbeitslosigkeit von mehr als einer Million Betroffener sind.

Dass sich CDU, CSU und Freie Wähler für eine solche Politik aussprechen, macht nochmals deutlich, dass Ihnen jegliches Gespür für das tatsächliche Schicksal von Menschen ohne Beschäftigung fehlt.

Ihre Äußerungen sind pure Polemik und sollen offenbar in Wahlkampfzeiten den konservativen und herzlosen Charakter des bürgerlichen Lagers zur Schau stellen.

Im Übrigen halte ich verpflichtende ehrenamtliche (unentgeltliche) Tätigkeiten (was sich ja ohnehin schon ausschließt) für verfassungswidrig.

Freundliche Grüße
Dennis Riehle

DennisRiehle - 06:28 @ Politik