Engagement 

Bürgerschaftliches Engagement, Ehrenamt, freiwillige Dienste - unsere Gesellschaft lebt von der Offenheit der Menschen, Solidarität, Gemeinsinn und Wohlstand zu stärken. Ohne die Bereitschaft, sich für Andere zu engagieren, könnte unser Sozialstaat nicht funktionieren. Und vor allem: Er könnte viele der Leistungen, die heute so selbstverständlich erscheinen, weder anbieten, noch finanzieren.   

     

Bürgerschaftlich engagiert sind heute glücklicherweise viele Menschen. Das reicht vom einfachen Einmischen über Leserbriefe, Einwände bei Verwaltungen und Behörden, Äußerungen gegenüber Ministerien und Ämtern oder Einreichen und Mitzeichnen von Petitionen bis hin zur mehr oder weniger organisierten und strukturierten Interessenvertretungen in Bürgerinitiativen und Gruppierungen, die lose oder ganz gezielt ein Klientel oder Anliegen verteidigen und lobbyistisch in den Mittelpunkt einer öffentlichen Debatte stellen.

 

Das Ehrenamt, ob in der Hausaufgabenbetreuung, in der Kirchengemeinde, in der Suppenküche, beim Hilfsdienst, im Kindergarten usw. - es schafft Identifikation, gibt Rückhalt und Bestätigung, solange es klar definiert wird. Vereine, Verbände, Initiativen und Organisationen - sie alle sind darauf angewiesen, dass sich Menschen bereit erklären, Aufgaben zu übernehmen, die andernfalls unbesetzt blieben. Wie armselig sähe unsere Landschaft aus, wenn die vielen Vorstände, die Schriftführer und Kassenwarte, die Beisitzer und Beiräte nicht wären, die in ihren gewählten Funktionen Unmengen an freiwilligen Stunden verrichten - allein in Baden-Württemberg ist es knapp die Hälfte der Bevölkerung, die einem Ehrenamt nachgeht.

 

Für mich persönlich besteht der Anspruch, die Ämter und Positionen, die mir auferlegt und verantwortungsvoll anvertraut wurden, mit Sorgfalt und Hingabe zu erfüllen. Das, was gerade Menschen, die - wie ich - schon oft auf Hilfe Anderer angewiesen waren, an Erfahrungen und Dankbarkeit spüren und empfangen, das braucht irgendwann Raum, um wieder zurückgegeben zu werden. Gleichermaßen halte ich es für eine Pflicht eines jeden, sich selbst auf seine Kapazitäten zu prüfen: Im heutigen Alltagsleben, in einer Arbeitswelt, die bis in die Wochenenden gefüllt ist, bleibt verständlicherweise nur wenig Platz, sich ehrenamtlich zu betätigen.

 

Dabei kommt es weniger auf die Masse oder den Umfang an. Viel eher ist es das Zeichen, ein Stück vom eigenen Können, von der eigenen Kraft und Vielfalt, aber auch von den eigenen Ideen und Vorstellungen in unsere Mitte einzuspeisen, um dem Trend einer Welt aus Egozentrik und Arroganz zu entgegnen. Engagement erfüllt und gibt Bestätigung, Sinn und Abwechslung gleichermaßen. Aber vor allem ist  solch eine Beschäftigung von wechselseitigem Nutzen, der aus seiner Synergie heraus für uns alle unbezahlbar ist. Diese Ermutigung treibt mich bis heute, Zeit und Wohlwollen in den Dienst des Allgemeinwesens zu stellen. Engagement beginnt dort, wo wir Verantwortung übernehmen - und sei es im klassischen Beispiel dabei, der alten Dame über die Straße zu helfen. Ohne das Gemeinwohl kann keine Bürgergesellschaft existieren, die sich selbst am Anspruch eines Sozialstaates messen lassen will. Und wer schon einmal das dankbare Lächeln eines Mitmenschen erlebt hat, der ohne den aufmerksamen Nachbarn oder Nächsten aufgeschmissen wäre, der weiß, dass freiwillige Betätigung so einfach sein kann.

 

Ich selbst habe für mich fünf wesentliche Kerngebiete des Engagements definiert, die mir gerade aus der eigenen Lebensgeschichte heraus ein ganz wesentliches Anliegen sind:

 

 

- Soziales Engagement: Ob als Selbsthilfegruppenleiter für Menschen in schwierigen Lebenssituationen da zu sein, als Gesprächspartner oder zum Austausch von Rat, Erfahrung und Ermutigung einzustehen; ob in Sozialsprechstunden denjenigen zu helfen, die sich neu integrieren wollen, am Rande der Gesellschaft stehen oder aufgrund von sprachlichen, körperlichen oder finanziellen Barrieren an Antragsstellungen, an Fragen über Ansprüche auf soziale Leistungen, in Problemen der Erziehung, in Familien oder aufgrund von Ausgrenzung scheitern; oder ob als Pflegelotse in der Beratung durch den "Dschungel" der ambulanten oder stationären Pflegeleistungen, der niederschwelligen Angebote, der Betreuungsunterstützung für überforderte Angehörige zu führen - für mich ist das Dasein für all jene, die auf Unterstützung angewiesen sind, eine Selbstverständlichkeit. In Schulprojekten kläre über die seelische Gesundheit, Vorurteile, Prävention und Stigmatisierung psychisch Kranker auf, bin als Beauftragter von Betroffenen- und Patientenorganisationen für Informationsveranstaltungen, telefonische und elektronische Beratung zuständig und sensibilisiere dort, wo Krankheit, Behinderung oder soziale Schwäche weniger ernst- oder wahrgenommen werden. Deshalb spreche ich auch in offiziellen Gremien vor, um dort den Standpunkt zu vertreten, der eine eigene Stimme braucht. Mein Dienst in der Nachbarschaftshilfe ist mir ein besonders wesentliches Herzensanliegen, da ich hier die Menschen im unmittelbaren Umfeld an genau den Stellen unterstützen kann, wo die Hilfe am dringendsten gebraucht wird. Ich verbinde seit einiger Zeit mein soziales Engagement auch mit politischen und kulturellen Forderungen für Menschenrechte, beispielsweise im Blick auf die Begleitung von Flüchtlingen, Asylsuchenden oder diskriminierter Personen, die in sozialer Ausgrenzung ihr Dasein fristen und mit Benachteiligung umgehen müssen. In Sachen Bürgerrechten unterstütze ich jene, die sich für Toleranz und Humanität solch wenig beachteter Gruppen einsetzen - und bin dort aktiv, wo Protest nötig wird.

 

 

- Politisches Engagement, Bürger-, Grund- und Menschenrechte: Von jeher war ich ein politischer Mensch, der vor allem durch Ungerechtigkeiten auf dieser Welt angetrieben wird, auf Missstände hinzuweisen - aber auch konkret gewillt ist, bei der Suche nach Lösungen mitzureden und mitzugestalten. Dabei kommt es mir vor allem darauf an, die Probleme des Einzelnen zu erkennen und Situationen anzusprechen, die entweder bewusst oder ungewollt durch "Gesetzeslücken" entstanden sind - oder die auf grobe Missachtung und Machtspiele zurückzuführen sein dürften. Diskutieren, debattieren und unbenommen auch das zum Ausdruck bringen, was nicht gern gehört wird: Ich bin sicherlich kein Wohlfühlpolitiker, aber immer darauf bedacht, fair und konstruktiv Veränderungen anzuregen, die die Lebensumstände derer verbessern, für die ansonsten kaum eine Lobby spricht. Ob Innen- oder Außenpolitik, besonders aber Sozial- und Gesundheitspolitik, Wirtschafts- und Finanzpolitik, speziell auch die Gesellschafts- und Familienpolitik, Umweltpolitik und Entwicklungspolitik... - ich bin für nahezu jedes politische Feld zu begeistern. Natürlich lässt sich dieses Engagement am besten in einer Gemeinschaft ausüben - ob in einer Partei oder Initiative, ob in einer Interessengemeinschaft oder als Unabhängiger. Daher will ich mich auch nicht gern vereinnahmen lassen, sondern selbst entscheiden, wen ich wie und in welchem Umfang unterstütze. Dabei bin ich für jede politische Kraft, die mit Vernunft auf mich zukommt und mir ihre Ideen präsentiert, zum Dialog bereit - ohne mich dabei aber vor Andersdenken zu verschließen.

 

 

- Weltanschauliches Engagement: Aus der persönlichen Erfahrung heraus, über lange Zeit ein überzeugter und gläubiger Christ gewesen zu sein, der sich nicht nur an den Strukturen und Dogmen der Kirche abgearbeitet hat, sondern mit der Suche und Frage nach einem Gottesglauben ringt und zweifelt, blicke ich mit voller Inbrunst und Interesse auf jeden Diskurs, der sich mit der wohl tatsächlich wichtigsten und spannendsten Frage nach Sinn von Leben und Existenz, von Entstehung und Entwicklung, von Zielen und Zwecken befasst. Dabei ist es mir ein überaus wichtiger Auftrag, nicht zu missionieren, zu überreden oder zu drängen. Glaube ist etwas Höchstpersönliches - und mir ist der Respekt vor jeder Anschauung, die mit unserem Werte- und Rechtssystem, mit einem freiheitlich-demokratischen Verständnis von Religionsfreiheit (die ausdrücklich die Entscheidung, nicht zu glauben, auf Augenhöhe und unbenachteiligt einschließt) und der gebotenen Anerkennung von abweichenden Meinungen vereinbar ist, zentrales Gebot. Gleichzeitig blicke ich daher auch mit mancher Gelassenheit und Begnügsamkeit auf Dinge, die ich rational nicht verstehen kann. Ich muss nicht jedes Teilchen in diesem Universum bis ins Detail, nicht jeden Zusammenhang und jedes "Loch" nachvollziehen können. Allein aus meiner individuellen Überzeugung heraus bin ich aber zu einem Humanisten geworden, der den Menschen in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns setzt - und deshalb auch verlangt, dass Kirche und Glaube weder missbraucht, aufgezwungen oder derart in die Öffentlichkeit getragen werden, dass sie zu mehr als einer Privatsache werden. Der Schutz der "religiösen Gefühle" endet nämlich dort, wo die Freiheit auf eine andere - oder gar keine - Religion der Mitmenschen tangiert wird. Deshalb habe ich die "Humanistische Alternative Bodensee" ins Leben gerufen, die sich genau für diesen Belang einbringt - und war bis 2016 ihr Sprecher. Heute bin ich als ein evolutionärer Atheist auf der Suche nach Anknüpfungspunkten in der säkularen Szene, in der ich mich nach Kräften für ein aufgeklärtes Miteinander einsetzen will.

 

 

- Bürgerliches und zivilgesellschaftliches Engagement: Ich bin überzeugt, dass eine lebendige Demokratie nur dann funktionieren kann, wenn die Menschen die Zivilgesellschaft durch ihre Fähigkeiten und ihren persönlichen Einsatz mitgestalten, sie solidarisch werden lassen. Gleichzeitig müssen sie in Entscheidungsprozessen mitgenommen werden, um Würdigung und Anerkennung dafür zu erhalten, was täglich an kleinen und großen Taten, an Positivem für unser aller Zusammenhalt erwirkt wird. Grundlagen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich Ehrenamt und Partizipation zu sich wechselseitig bedingenden Partnern etablieren, ist mir ein großer Wunsch. Als Moderator und Beteiligter in Spur-, Botschafter- und Lenkungsgruppen von kommunalen und landespolitischen Prozessen, die Menschen einbinden und Grundlagen für ein dankbares Engagement schaffen, bin ich immer wieder unterwegs, um diese Entwicklungen zu fördern. Als Mitinitiator der Initiative "Bodanbürger" habe ich überdies vor Ort dazu beigetragen, dass der Gedanke von Transparenz, Information, Kommunikation und Beteiligung eine eigene Stimme bekommt. Darüber hinaus bin ich als ehrenamtlicher Redakteur damit betraut, die Bürger in der Region durch meine Artikel über das amtliche, öffentliche und gesellschaftliche Geschehen zu unterrichten, um ihnen die Gelegenheit zu geben, den Anschluss im Bürgerdialog nicht zu verlieren.

 

 

- Umweltschutz-Engagement: Die Belastung der Menschen durch ihre zum größten Teil selbst mitverursachten Umwelteinflüsse nimmt ebenso wie die Schädigung von Klima und Natur ein immer neues Höchstmaß an, das nicht zuletzt durch einen rasanten Fortschritt von Technik und wissenschaftlicher Innovation stetig neue Herausforderungen bringt, die wir immer öfter nur noch schwer mit den Verbesserungen für unsere persönliche Situation abwägen und in Einklang bringen können. Aus der eigenen, unmittelbaren Berührung mit der Thematik elektromagnetischer Strahlung, aber auch der Erschütterung darüber, welche sozialen Veränderungen neue Kommunikationswege mit sich bringen, bin ich gerade in diesem Bereich engagiert. Im Verein "Mastenfreies Wohngebiet e.V." setzte ich mich für eine angemessene und nicht dramatisierende Aufklärung ein, versuchte, zusammen mit anderen Mitstreitern Kompromisse zu finden, die moderne Entwicklung, Ansprüche und Standards einer großen Mehrheit der Bevölkerung einerseits, den Schutz der Umwelt und die Freiheit des Einzelnen mit seinen Persönlichkeitsrechten andererseits in Harmonie zueinander zu bringen. 

 

 

Bürgerbeteiligung   

 

Nicht erst "Stuttgart 21", der Berliner Großflughafen oder eine Hamburger Philharmonie haben Menschen in der gesamten Bundesrepublik missmutig gestimmt. Die Demokratieentwicklung der vergangenen Jahre und Jahrzehnte zu einem immer weiter verstärkten repräsentativen Ansatz führt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern zu dem Gefühl, nur noch alle vier oder fünf Jahre mit einem Kreuzchen das abnicken zu dürfen, was in schwer verständlicher, klausulierter oder unkonkreter Sprache in Wahlprogrammen abgefasst wird, die einige Wochen nach der Entscheidung wieder über Bord geworfen werden.

 

Gerade diejenigen, die sich auch im Ehrenamt oder freiwillig in eigenen Projekten für die Gesellschaft engagieren, artikulieren heute häufiger denn je, nicht nur ihre Fähigkeiten und Zeit zur Verfügung stellen zu wollen, sondern auch mitsprechen zu dürfen. Denn Partizipation hat an vielen Beispielen nachweislich erwirkt, dass Konfliktpotenziale abgebaut und Kosten eingespart werden können. Besonders im kommunalen Bereich, also dort, wo die Menschen politische Weichenstellung unmittelbar zu spüren bekommen, ist das Einbeziehen der Bürger auch für die Verwaltungen ein Gewinn, um Rechtsstreitigkeiten oder Unzufriedenheiten in der Bevölkerung im Anschluss an unliebsame Entscheidungen schon von Beginn an entschärfen oder gar ausschließen zu können.

 

Zwar ist Deutschland weiterhin eine reagierende Demokratie, in der die Menschen lediglich kritisieren und darüber mitbestimmen können, was die Politik vorschlägt und auf den Weg zu bringen vermag oder bereits gebracht hat - und bleibt damit dem direktdemokratischen Modell, das beispielsweise die Schweiz praktiziert und damit die Möglichkeiten schafft, dem Volk das Initiativrecht in die Hand zu geben, hinten angestellt. Doch Tendenzen zeigen, dass durch die weitere Ausdifferenzierung des Petitionsrechts in der Bundesrepublik, durch Bürgerbeteiligungsprozesse oder eine langsame Vereinfachung des Herbeiführens von Volks- und Bürgerbegehren ein Weg eingeschlagen wurde, der fortan zu einer wichtigen Ergänzung unseres repräsentativen Systems werden könnte.

 

Ich selbst bin als Bürger bereits in zahlreichen Beteiligungsverfahren eingebunden gewesen oder habe diese eigens moderiert. Dabei habe ich bei mir und bei vielen anderen Personen das Bedürfnis nach mehr Information und Transparenz gespürt. Beschlüsse und Entscheidungen könnten von den Menschen viel eher verstanden, respektiert und akzeptiert werden, würde man ihnen von Anfang an Planungen, Abwägungen und Argumente zugänglich machen und sie um ihre Meinung bitten. Aber auch der offene Partizipationsprozess, der durch verschiedene Moderationsverfahren ermöglicht, drängende Probleme, Nöte und Anliegen der Bevölkerung zu erfahren und gleichzeitig nach visionären und realistischen Lösungen zu suchen und zu gestallten, hat sich bewährt. Meine bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Bürgerbeteiligung dann auf Resonanz stößt, wenn sie ehrlich, gut vorbereitet und nachhaltig durchgeführt wird. Dazu gehört auch, dass sich Behörden und Politik auf Augenhöhe mit den Bürgern begeben. Nur, wenn sich die Menschen mit ihren Handschriften im Ergebnis wiedererkennen, werden sie bereit sein, gemeinsam Geschaffenes zu würdigen und sich auch erneut auf Partizipation einzulassen.

 

Gerne unterstütze ich auch weiterhin Initiativen, die sich für mehr Mitsprache einsetzen, die ihre Interessen mithilfe von Bürgerbeteiligung zu Gehör bringen wollen, die sich einzeln oder in Gruppen beschweren oder mit ihren Ideen und Vorschlägen partizipieren möchten. Gleichzeitig bin ich bei Bedarf aber auch Ansprechpartner für Politik und Kommunen, als Moderator oder Vermittler in Beteiligungsverfahren zur Verfügung zu stehen und bei der strategischen Entwicklung von Konzepten zur Bürgerbindung mitzuhelfen. Gerade an meinem Wohnort konnte ich bei Bauprojekten, zum Thema Energie oder aber zu Fragen kommunaler Leitlinien bereits in verschiedenen Positionen und Funktionen erfahren, wie wirksam Bürgerbeteiligung sein kann. Es ist zwar ein stetiges Ringen, aber es bringt auch "die da oben" und "die da unten" näher. Vertrauen wächst - vor allem dann, wenn man einmal nicht derselben Ansicht ist.

 

Lassen Sie sich gern von meinen Eindrücken und Anregungen inspirieren... - und nehmen Sie Kontakt zu mir auf!  

 

 

668225